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Syrien Aus Feind wird Freund

In Syrien unterstützt Assad die Kurden im Kampf gegen die Offensive aus Ankara - und öffnet ein neues Schlachtfeld

Syrische Kurden
Syrische Kurden trauern in Afrin um getötete YPG-Kämpfer. Foto: afp

Beide Seiten misstrauen einander und umlauern sich. Dennoch gelang es Syriens Kurden während der sieben Jahre Bürgerkrieg, mit dem Assad-Regime ein fragiles Auskommen zu wahren und Damaskus eine gewisse Autonomie abzutrotzen. Und so sitzt mitten in der Regionalhauptstadt Kamischli nach wie vor ein symbolischer Militärposten der fernen Machthaber, die einzige offizielle Präsenz der Regierungstruppen im syrischen Kurdistan nach ihrem freiwilligen Rückzug 2012.

Dieser Tage nun rüstet Assads Militär auf ein Comeback, diesmal auf ausdrückliche Bitte der Kurden. Am Montag kündigten regimetreue Milizverbände an, ihr Einmarsch in die kurdische Enklave Afrin stünde unmittelbar bevor. Seit die türkische Armee die Region Afrin unter seine Kontrolle zu bringen versucht, fürchten Syriens Kurden um ihre mühsam errungenen Freiheiten, und fürchten die Machthaber in Damaskus eine Annexion des Gebietes durch Ankara.

„Unsere Truppen werden sich an dem Widerstand gegen die türkische Aggression beteiligen, um die territoriale Einheit und Integrität Syriens zu verteidigen“, hieß es am Montag in einer Erklärung des Assad-Regimes, die über die staatliche Nachrichtenagentur Sana verbreitet wurde. Ähnlich äußerte sich der Chef der kurdischen YPG-Milizen, Sipan Hamo. Man habe kein Problem mit einer Intervention von Damaskus, um Afrin zu verteidigen und den türkischen Angriff zurückzuschlagen, teilte er mit.

Und so finden sich beide Lager plötzlich auf der gleichen Seite einer neuen Front wieder, der mittlerweile fünften auf syrischem Territorium. Türkei gegen Kurden, Israel gegen Iran, USA gegen Russland sowie Assad-Regime gegen Aufständische, hießen bisher die Schlachtfelder, die mehr als 350 000 Menschen das Leben kosteten. Obendrein droht nun auch eine direkte militärische Konfrontation zwischen Syrien und der Türkei – und damit ein weiteres düsteres Kapitel in der syrischen Apokalypse.

Das Regime wird dafür von den Kurden einen hohen Preis fordern, da ist sich Bassam Abou Abdallah, Direktor des Zentrums für Strategische Studien in Damaskus, sicher. Die Kurden müssten Verantwortung übernehmen für ihr bisheriges Handeln, argumentierte er. Der syrische Staat sei kein Diener, „den man immer dann rufen kann, wenn man ihn braucht“. Schließlich stehen die gleichen YPG-Verbände, denen das Assad-Regime mit seiner angekündigten Afrin-Offensive beispringen will, in Ostsyrien der syrischen Armee als Feinde gegenüber – einzig getrennt durch den Fluss des Euphrat. Anfang Februar starben nahe der Wüstenstadt Deir Ezzor mindestens 200 syrische Soldaten und russische Söldner durch US-Luftangriffe, nachdem diese die YPG-Einheiten der von Washington geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) unter Feuer genommen hatten.

USA und Russland halten sich in Afrin heraus

Anders auf dem nördlichen Kriegsschauplatz Afrin – hier hielten sich die Vereinigten Staaten heraus und gaben der YPG keine Rückendeckung, aus Angst, direkt mit dem Nato-Partner Türkei aneinander zu geraten. Auch Russland blieb weitgehend untätig, obwohl es seit Jahren gute Beziehungen zur YPG pflegt. Moskau will seine Syrien-Dreierkonferenzen von Astana und Sotschi nicht gefährden, bei denen die Türkei als Hauptsponsor der Assad-Opposition zusammen mit dem Iran und Russland als Garantiemacht fungiert. Und so schlug die türkische Führung, die die YPG als Terrororganisation einstuft, am Montag harte Töne an.

Wenn es Assad darum gehe, die YPG aus Afrin herauszuwerfen, habe man kein Problem damit, sagte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu bei seinem Besuch in Jordanien. „Wenn sie aber vorrücken, um die YPG zu schützen, kann niemand uns und die türkischen Soldaten stoppen“, polterte er und drohte mit einer Ausweitung der Offensive in die Region von Manbidsch und auf das östliche Euphratufer.

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