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Südchinesisches Meer US-Zerstörer provoziert China

Die USA schicken ein Schiff in einen Teil des Südchinesischen Meeres, das China exklusiv für sich beansprucht. Die Reaktion aus Peking ist heftig, doch die Gefahr einer weiteren Eskalation ist eher gering.

27.10.2015 14:31
Finn Mayer-Kuckuk
Das US-Kriegsschiff USS Lasse im Chinesischen Meer. Foto: afp/US Navy/Archiv

Amerika demonstriert Stärke im Südchinesischen Meer: Die US-Marine hat am Dienstag den Zerstörer „Lassen“ in ein Gebiet geschickt, das China exklusiv für sich beansprucht. Die heftige Reaktion aus Peking ließ nicht lange auf sich warten. „Wir warnen die USA davor, unkontrolliert zu handeln und Aufruhr zu stiften“, sagte Außenminister Wang Yi in Peking. Washington solle „seine Fehler erkennen und von provokativen Handlungen Abstand nehmen“, ließ sein Ministerium mitteilen.

China beansprucht südlich der eigenen Küsten ein erhebliches Seegebiet. Es reicht knappe tausend Kilometer weit bis an die Strände von Malaysia, Vietnam und den Philippinen. Um seine Ansprüche zu untermauern, hat die Volksbefreiungsarmee dort Tausende von Tonnen Zement aufgewendet, um kleine Riffe zu künstlichen Inseln auszubauen. Wo vorher nur Wasser zu sehen war, erheben sich jetzt Leuchttürme und sogar Flugplätze. China betont zwar laufend, dass die Militärpräsenz nur der Verteidigung seines Staatsgebiets diene. Doch es definiert zugleich sein Staatsgebiet sehr großzügig auf Kosten der ihm traditionell nicht freundlich gesonnen Nachbarn.

Für die USA ist diese Situation inakzeptabel. Sie sehen sich als Schutzmacht im Pazifik, seit nun mehr als Hundert Jahren. Jedes Stück Einfluss, das China gewinnt, geht auf Kosten der etablierten Supermacht. Washington schickt daher regelmäßig Flugzeuge durch die umstrittenen Gebiete. Aus US-Sicht begründet eine aufgeschüttete Mini-Insel keinen Anspruch auf die Bildung einer exklusiven Nutzungszone. Auch der Zerstörer „USS Lassen“ hat sich nach weltweit akzeptierter Definition ausschließlich in internationalen Gewässern aufgehalten. Nur eben nicht aus chinesischer Sicht.

„Die Amerikaner wollen zeigen, dass sie eine starke Militärpräsenz in einer Region unterhalten, die zum chinesischen Einflussgebiet gehört“, sagt Li Jie vom Forschungsinstitut der chinesischen Marine. Die USA spielten mit dem Feuer, eine Eskalation sei durchaus möglich. Für China bestehe die nächste Stufe der Abwehr darin, das eindringende amerikanisches Schiff zu rammen und abzudrängen, so Li.

„Ein harmloser Akt“

Die Gefahr, dass chinesische und amerikanische Schiffe tatsächlich aufeinander schießen, ist gleichwohl derzeit noch gering. Beide Seiten kennen die Regeln: Sie müssen ihre Ansprüche durch Taten untermauern, ohne dabei aggressiv zu werden. Die Durchfahrt der „Lassen“ folgt diesem Muster. „Ein harmloser Akt“, findet Außenpolitik-Expertin Gao Cheng von der Chinese Academy of Social Sciences. „Die USA haben weitere dieser Patrouillenfahrten angekündigt – das könnte sogar Routine werden.“

China könne letztlich nicht viel dagegen machen, sagt Gao. „Peking verfügt über kein klares Konzept für das Südchinesische Meer.“ Die USA haben die aktive Rolle – zumal die Anrainerstaaten wie Vietnam und Malaysia es begrüßen, dass die Regionalmacht China in Schach gehalten wird. Anders als erhofft, könnten die USA sogar Einfluss gewinnen – als „großer Bruder“, der kleineren Staaten zur Hilfe eilt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier China
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