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Südafrika Südafrikas Präsident Jacob Zuma tritt zurück

1. UpdateJacob Zuma ist nach neun Jahren Amtszeit nicht länger Präsident Südafrikas. Mit seinem Rücktritt kommt er einem Misstrauensvotum seiner Partei ANC zuvor.

Jacob Zuma
Jacob Zuma ist nicht länger Präsident Südafrikas (Archivbild). Foto: imago

Am Ende eines Tages, der an Dramatik kaum noch zu überbieten war, hat der südafrikanische Staatspräsident Jacob Zuma im Fernsehen am späten Mittwochabend seinen Rücktritt angekündigt. Der 75-jährige Staatschef sagte: „Obwohl ich mit der Entscheidung meiner Organisation, dem Afrikanischen Nationalkongress, nicht übereinstimme, habe ich mich entschlossen, zurückzutreten.“

Er habe die ANC-Führung vergeblich um die Angaben von Gründen für seine Absetzung gebeten, fügte Zuma hinzu.

Jacob Zuma fragt, „was ich falsch gemacht haben soll“

Der ANC hatte Zuma bereits am frühen Dienstagmorgen nach einer Sitzung seines Nationalen Exekutivrats zum Rücktritt aufgerufen. Zunächst widersetzte sich der in zahlreiche Skandale verwickelte Regierungschef diesem Aufruf allerdings im Rahmen eines am frühen Mittwochnachmittag im staatlichen Fernsehsender SABC live ausgestrahlten einstündigen Interview; dort beschwerte er sich auch wortreich über die Behandlung durch seine Partei. „Niemand hat mir jemals gesagt, was ich falsch gemacht haben soll.“ 

Zudem sei die neue Parteiführung unfair. Sie habe ihm zunächst versprochen, er könne noch mindestens sechs Monate weiterregieren, dann sei sie ohne Nennung von Gründen davon wieder abgerückt. Unverblümt drohte Zuma dem ANC mit inneren Unruhen, falls die Partei seine Abberufung weiter verfolge.

ANC bereitete Misstrauensvotum gegen Zuma vor

Der ANC traf im Lauf des Mittwochs Vorbereitungen zu einem Misstrauensvotum gegen den Ex-Parteichef Zuma, über das am heutigen Donnerstag im Parlament in Kapstadt abgestimmt werden sollte. Nach insgesamt acht von der ehemaligen Befreiungsbewegung abgeschmetterten Misstrauensvoten wollte der ANC erstmals seit zwei Jahren gemeinsam mit der Opposition stimmen.

Nach der Ankündigung des ANC musste Zuma damit rechnen, von einer großen Mehrheit der über 400 Abgeordneten in den Ruhestand geschickt zu werden. Dann hätte auch die gesamte Regierung zurücktreten müssen. Nach dem jetzt „freiwilligen“ Rücktritt wird Zumas Stellvertreter Cyril Ramaphosa kommissarisch die Regierungsgeschäfte übernehmen – der ANC hat ihn aber eh schon als Nachfolger vorgesehen. Vermutlich wird der 65-jährige Gegenspieler Zumas noch diesen Donnerstag auch offiziell vom Parlament zum Präsidenten gewählt werden. 

Der dramatische Mittwoch hatte in Südafrika bereits um zwei Uhr morgens begonnen, als die Polizei-Elite-Einheit Hawks im Johannesburger Stadtteil Saxonwould auffuhr und fünf Personen festnahm, darunter angeblich auch Angehörige der indischstämmigen Investorenfamilie Gupta. Sie soll den südafrikanischen Staat mit Unterstützung des Präsidenten um Milliarden von Dollar beraubt haben. Ein Hawks-Sprecher bestätigte, dass noch für mehrere Gupta-Mitarbeiter Haftbefehle vorlägen. 

Für Donnerstag werden auf den Straßen des Kaps der Guten Hoffnung Freudenfeste erwartet.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Südafrika

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