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Südafrika „Gupta-Leaks“ belasten Jakob Zuma

Südafrikanische Enthüllungsjournalisten legen offen, wie sehr Präsident Jakob Zuma mit der Unternehmerfamilie klüngelt.

Protest gegen Zuma
„Feuert Zuma“: Der Protest gegen den Präsidenten nimmt nicht ab. Foto: rtr

Sollten bislang noch ein paar Puzzlestücke gefehlt haben, so ist das ganze Ausmaß des Morasts jetzt endgültig zum Vorschein gekommen. Nelson Mandelas Regenbogenstaat wird von einer Kabale beherrscht, die Staatspräsident Jacob Zuma gemeinsam mit der indischstämmigen Unternehmerfamilie Gupta, sowie einigen Dutzend Eingeweihten in hohen Positionen schmiedete: Zigtausende von E-Mails, die südafrikanischen Enthüllungsjournalisten zugespielt worden sind, haben das finstere Bild jetzt komplettiert.

Die am Donnerstag unter dem Titel „Gupta-Leaks“ in dem angesehenen Online-Dienst Daily Maverick veröffentlichte Auswertung eines Teils des elektronischen Briefverkehrs macht deutlich, wie die mit Zuma befreundete Gupta-Familie eine Parallelregierung errichtet und die Steuerzahler um Milliarden an Rand betrogen hat. Südafrikaner mussten für vom staatlichen Eisenbahnkonzern Transnet unter dubiosen Bedingungen erworbene Lokomotiven offenbar Hunderte von Millionen Euro mehr bezahlen, um die Gupta-Familie reich zu machen – während der Stromkonzern Eskom dafür sorgte, dass Gupta-Firmen Aufträge und Vorauszahlungen in Millionenhöhe zukamen.

Gleichzeitig wurden in südafrikanischen Botschaften in Indien Erfüllungsgehilfen platziert, um Gupta-Vertrauten regelwidrig Visa- oder gar Staatsbürgerurkunden auszuhändigen. Erstmals wird auch deutlich, wie tief der von Zuma erst kürzlich gegen den Widerstand von Teilen seiner eigenen Partei zum Finanzminister ernannte Malusi Gigaba in die Machenschaften verwickelt ist: Als Minister für Staatsunternehmen war er am Transnet-Deal beteiligt und als Innenminister zuständig für Konsularangelegenheiten.

Schon seit geraumer Zeit ist klar, dass die Guptas hinter zahlreichen Personalentscheidungen des Präsidenten standen: Die Vertrauten der drei Brüder wurden sowohl ins Kabinett wie in die höchsten Managementetagen und Aufsichtsgremien von Staatsunternehmen gehievt. Das skandalöseste Detail der Machenschaften fiel den Journalisten im Zusammenhang mit Transnet in die Hände: Die E-Mails belegen, dass die Gupta-Firma „Tequesta Group Ltd“ vor zwei Jahren 21 Prozent des Kaufpreises von 554 elektrischen Lokomotiven abzweigte – ausschließlich für die Vermittlung des Deals und ohne dafür irgendwelche Dienstleistungen zu vollbringen.

Die 21 Prozent des 25 Milliarden Rand umfassenden Vertrags mit dem chinesischen Hersteller China South Rail (CSR) machten 5,25 Milliarden Rand aus – rund 360 Millionen Euro.

Weitere Details liefern die „Gupta-Leaks“ auch im Zusammenhang mit dem erzwungenen Verkauf einer Kohlemine des Schweizer Glencore-Konzerns an die Gupta-Firma Tegeta. Der von Gupta-Vertrauten geführte staatliche Stromkonzern Eskom hatte den Verkauf der Mine in die Wege geleitet, indem er Glencore eine Neuverhandlung des unrentablen Belieferungsvertrags verweigerte und der Mine stattdessen eine Strafzahlung aufbrummte. Als der damalige Minenminister das Eskom-Spiel nicht mitmachen wollte, wurde er kurzerhand entlassen: Sein Nachfolger – ein völlig unbeschriebenes Blatt – schaltete sich aktiv in den Verkauf der Mine an Tegeta ein. Um der Gupta-Firma den Kauf zu ermöglichen, zahlte Eskom Tegeta sogar noch einen Vorschuss von 659 Million Rand.

Zumindest einen Teil ihrer Beute wussten die drei Gupta-Brüder bereits ins Ausland zu retten: Im teuersten Stadtteil Dubais, den Emirates Hills, erwarben sie sich ein Anwesen für 331 Millionen Rand (rund 23 Millionen Euro) mit zehn Schlafzimmern, zwölf Bädern, neun Empfangsräumen und einem großen Tresor. Auch Zumas Sohn Duduzane, der als Direktor mehrerer Gupta-Firmen fungiert, legte sich in Dubai Grundbesitz zu – in Form einer Wohnung im zweithöchsten Gebäude der Welt, dem Burj Khalifa, für umgerechnet 1,25 Millionen Euro.

Am Wochenende waren südafrikanischen Zeitungen E-Mails zugespielt worden, in denen Präsident Zuma den Emir von Dubai davon unterrichtete, dass er Dubai zu seiner „zweiten Heimat“ machen wolle und in Emirates Hills bereits ein Anwesen erworben habe. Bereits seit Monaten fordern Kritiker Zumas Rücktritt. Den der Öffentlichkeit zugespielten Informationen zufolge reagierte der Parteichef mit Drohungen: „Schubst mich nicht zu weit, sonst bekommt Ihr den wahren Zuma zu sehen“, soll er am Ende einer 90-minütigen Verteidigungsrede gesagt haben. Politische Beobachter sehen das Kap der Hoffnung in eine äußerst labile Phase treten. Der Kolumnist Adriaan Basson schreibt: „Wie ein verletztes Tier ist Jacob Zuma jetzt am gefährlichsten.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Südafrika

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