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Studie zur AfD Modernisierungsskeptiker wählen rechts

Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt der AfD-Erfolg „neue Konfliktlinien der Demokratie“ auf. Die Rechtspopulisten finden unter Modernisierungsgegnern großen Zulauf.

AfD
Einer Studie zufolge wählen Modernisierungsgegner die AfD. Foto: dpa

Ostdeutsche Männer, abstiegsbedrohte Mittelschichtler, frustrierte Protestwähler – die Liste der Charakterisierungen von AfD-Wählern ist lang. Die Bertelsmann Stiftung hat diese nun um eine Zuschreibung erweitert: zukunftsängstliche Modernisierungsskeptiker. Basierend auf Befragungen nach der Bundestagswahl 2017 sieht die Stiftung in einer Studie, die seit Freitagfrüh online verfügbar ist, eine „neue Konfliktlinie der Demokratie“.

Diese spalte die Gesellschaft in zwei gleich große Teile, Skeptiker und Befürworter der Modernisierung. Zwei Drittel der Wähler, die bei der AfD ihr Kreuz gemacht haben, lassen sich demnach den Modernisierungsskeptikern zuordnen, während sich die Mehrheit bei allen anderen Parteien unter den Modernisierungsbefürwortern befindet. Ein Raster, mit dem auch die Erfolge von Rechtspopulisten in anderen Staaten erklärt wurden.

AfD erfolgreich in drei Kernwähler-Milieus

Die erste Hauptthese der Studie ist damit: Das Wahlverhalten richtet sich nicht mehr an einem klassischen Rechts-links-Schema aus, sondern lässt sich anhand sozioökonomischer Milieus erklären. Die Studie macht einen starken Bedeutungsgewinn der AfD in drei Kernwähler-Milieus aus, denen zusammen ein Viertel der Bevölkerung zuzuordnen ist.

In der sogenannten bürgerlichen Mitte und bei Traditionalisten konnten die Rechtspopulisten mit einem Plus von 15 bzw. elf Prozentpunkten große Zugewinne gegenüber der Bundestagswahl 2013 verzeichnen. Im gleichen Maße verlor die Union ihre Wähler in diesen Milieus, die von Resignation, wachsender Überforderung und Abstiegsängsten geprägt sind.

Ein noch größerer Schub für die AfD ist mit 18 Prozentpunkten lediglich im sogenannten prekären Milieu zu verzeichnen, wo SPD und Union zusammen elf Prozentpunkte verloren. Hier war die AfD mit 28 Prozent stärkste Kraft – die Parteien einer möglichen Jamaika-Koalition kamen zusammen auf 32 Prozent. Ausgrenzungserfahrungen, Verbitterung und Ressentiments sind in diesem Milieu, das die Forscher als Unterschicht bezeichnen, stark verbreitet. Der AfD-Erfolg hat hier also klar erkennbaren Protestcharakter.

Die Erosion der Union in diesen Milieus erinnere an die Entwicklung, die die Sozialdemokraten vor 15 Jahren erlebt habe, als sie hier ihr Wählerpotential zu verlieren begann, sagt Robert Vehrkamp, Mitautor der Studie. Alle drei genannten Milieus sind in den ostdeutschen Ländern stärker vertreten als im Westen. Vehrkamp rät trotzdem, das starke Wahlergebnis der AfD nicht als ostdeutsches Phänomen zu interpretieren. Es hätten auch nicht fünf Millionen Menschen ausschließlich die rechtspopulistischen Sprüche von Björn Höcke gewählt, sagt Vehrkamp. Das Ergebnis sei stattdessen mit den sozialen Milieus zu erklären.

Rechte Sprüche von Björn Höcke halten nicht von AfD-Wahl ab

Da die AfD in sozial prekären Nichtwählerhochburgen für sich mobilisieren konnte, ist überdies die „soziale Spaltung der Wahlbeteiligung“ erstmals seit 1998 wieder spürbar gesunken, wie Vehrkamp erklärt. Trotz dieses „AfD-Effekts“ aber habe die Wahlbeteiligung in wohlhabenden Wohnvierteln weiter deutlich über den in wirtschaftlich schwachen Gegenden gelegen.

Die Studie der Bertelsmann Stiftung basiert auf Wahlkreisdaten des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap und einer repräsentativen Nachwahlbefragung von 10.000 Wählern von YouGov in der Woche nach der Bundestagswahl.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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