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Studie der Hans-Böckler-Stiftung Angst nutzt der AfD

Rechtspopulisten sprechen verunsicherte Menschen an – in allen Schichten. Das zeigt eine neue Studie, die der FR vorliegt.

Armut
Die AfD profitiert stark von Ängsten vor einem sozialen Abstieg, und zwar in allen gesellschaftlichen Schichten, wie die Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Foto: Imago

Wähler aus allen gesellschaftlichen Schichten haben im vergangenen September der Alternative für Deutschland ihre Stimme gegeben. Mit 12,6 Prozent der Stimmen zog sie als drittstärkste Kraft in den Bundestag ein, die Fraktion wird, sollte es zu einer neuen großen Koalition kommen, sogar Oppositionsführerin. Jüngsten Meinungsumfragen zufolge könnten die Rechtspopulisten derzeit ihren Stimmenanteil weiter ausbauen und nur knapp hinter der SPD landen – oder sie sogar überholen.. Es wäre das Ende der Volkspartei SPD.

Die Motive, warum jemand AfD wählt, sind vielfältig. Da gibt es klassische Protestwähler, die es den etablierten Parteien und dem „System“ zeigen wollen, aber auch Wähler vom ganz rechten Rand. Da gibt es enttäuschte CDU-Anhänger, denen die Partei unter Angela Merkel zu weit in die Mitte gerückt ist und einstige Sozialdemokraten in der Industriearbeiterschaft, die sich von ihrer Partei nicht mehr vertreten fühlen. Ein weiteres wichtiges Motiv, die AfD zu wählen, ist die Ablehnung von Zuwanderung. Die Partei profitiert aber auch stark von Ängsten vor einem sozialen Abstieg, und zwar in allen gesellschaftlichen Schichten, wie eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung mit dem Titel „Abstiegsängste in Deutschland“ zeigt, die dieser Zeitung vorliegt. Im Auftrag der Stiftung befragte das Meinungsforschungsinstitut Policy Matters Anfang 2017, also noch vor der Bundestagswahl, insgesamt 4.892 Personen.

Angst um den Lebensstandard

Knapp die Hälfte der Befragten befürchtet, ihren Lebensstandard auf Dauer nicht halten zu können. Genauso viele haben Angst, dass sich ihre finanzielle Situation im Alter verschlechtern könnte. Auffällig ist, dass sich gleichzeitig aber nur jeder Vierte konkret Sorgen um seinen Arbeitsplatz macht. Im Osten sind diese Ängste weiter verbreitet als im Westen.

„Interessanterweise haben nicht nur Menschen Angst vor sozialem Abstieg, die davon in der realen Arbeitswelt tatsächlich bedroht sind, sondern auch Menschen, die sichere Jobs haben“, sagt Bettina Kohlrausch, Soziologin an der Universität Paderborn und Autorin der Studie, im Gespräch mit der FR. Die Abstiegsängste sind also nur zum Teil objektiv begründet.

Am stärksten ausgeprägt sind die Ängste bei Menschen, die über ein nur geringes Einkommen verfügen und sich selbst eher am unteren Rand der Gesellschaft sehen. Die große Mehrheit von  ihnen macht sich Sorgen um ihre finanzielle Situation. Interessanterweise haben diese Angst auch viele Menschen, die sich am oberen Rand der Gesellschaft verorten und gut verdienen. Fast die Hälfte von ihnen macht sich ebenfalls große finanzielle Sorgen. Ähnliches gilt für die Befürchtung,  den eigenen Lebensstandard nicht halten zu können. Der Befund ist auch für Bettina Kohlrausch überraschend und unerwartet.

Eine Erklärung dafür sei, dass Unsicherheit gerade am Arbeitsplatz entstehe. Die Erfahrung, ständigem Druck und einer immer größeren Arbeitsverdichtung ausgesetzt zu sein, beschäftige viele Menschen. „Arbeit ist ein zentraler Mechanismus in unserer Gesellschaft, und viele fühlen sich von der Digitalisierung und der Globalisierung bedroht“, sagt Kohlrausch. Das Gefühl, wegen dieser Entwicklung immer stärker die Kontrolle über den eigenen Arbeitsplatz und das eigene Leben insgesamt zu verlieren, ist in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden.

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