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Streit um Unabhängigkeit Katalonien droht Banken-Abzug

Die Banc Sabadell flüchtet wegen der drohenden Unabhängigkeit aus Katalonien – andere wichtige Unternehmen könnten folgen.

Sabadell
Billige Büros bald abzugeben: das Sabadell- Hauptquartier in Barcelona. Foto: rtr

Die Banc Sabadell, nach ihren weltweiten Aktiva die viertgrößte Bank Spaniens, hat sich vorgenommen, ihren Firmensitz aus dem katalanischen Sabadell, einer Vorstadt Barcelonas, in eine andere spanische Stadt zu verlegen. Die Entscheidung ist eine Antwort auf den katalanischen Unabhängigkeitsprozess, der voraussichtlich am kommenden Montag mit der formellen Ausrufung der katalanischen Republik seinen vorläufigen Höhepunkt erreichen wird – auch wenn das spanische Verfassungsgericht am Donnerstagnachmittag die dafür vorgesehene Sitzung des katalanischen Regionalparlaments suspendiert hat. Auf solche Beschlüsse hören die Separatisten für gewöhnlich nicht.

„Mit dieser Entscheidung (zum Umzug der Banc Sabadell) verschwindet die regulatorische Unsicherheit, denn was immer nach einer möglichen einseitigen Unabhängigkeitserklärung geschehen wird: Die Bank wird in Spanien bleiben, und, was wichtiger ist, unter dem regulatorischen Schirm der Europäischen Zentralbank“, versuchte ein nicht genannter Sprecher der Bank der katalanischen Zeitung „La Vanguardia“ den Umzug zu erklären. Der Verwaltungsrat der Banc Sabadell wollte am Donnerstagnachmittag zusammenkommen, um über den neuen Firmensitz zu entscheiden. Im Gespräch waren Alicante an der Costa Blanca und Madrid.

Bremse für den Unabhängigkeitsprozess

Die Entscheidung sei „eine sehr gute Nachricht für Spanien“, meint der Finanzexperte Juan Ignacio Crespo. Zum einen sei sie „eine weitere Bremse“ für den Unabhängigkeitsprozess. Zum anderen werde sie voraussichtlich den Abfluss von Einlagen stoppen und so einen Kollaps der Bank verhindern. Einige Kunden hätten schon ihre Konten bei der Sabadell aufgelöst; noch unbekannt ist, um welche Summen es dabei ging.

Falls das katalanische Parlament am kommenden Montag die Unabhängigkeit der nordöstlichen Ecke Spaniens verkünden sollte, wäre die 7,5-Millionen-Einwohner-Region damit keineswegs automatisch ein neuer europäischer Staat – auch wenn er natürlich in Europa läge. Dafür müsste Katalonien von Spanien und auch international als Staat anerkannt werden, und zurzeit gibt es keine Indizien dafür, dass es so weit kommt. Außer Venezuela hat bisher keine Regierung Sympathien für die katalanischen Separatisten erkennen lassen.

Eine Unabhängigkeitserklärung würde dennoch so viel politische Unruhe auslösen, dass sie schließlich auch die wirtschaftlichen Akteure ergreifen dürfte. Erste Anzeichen dafür hat es in diesen Tagen nach dem Unabhängigkeitsreferendum vom Sonntag bereits gegeben. Bemerkenswert war der Einbruch der spanischen Börse am Mittwoch um 2,85 Prozent. Am Vorabend hatte König Felipe in einer Fernsehansprache das Vorgehen der Separatisten mit harschen Worten verurteilt und damit letzte Hoffnungen beseitigt, dass Verhandlungen zwischen der spanischen Regierung und den katalanischen Rebellen vielleicht doch noch eine schnelle Lösung des Konflikts erlauben.

Die Aktien, die seit Wochenanfang am meisten an Wert verloren, waren die der beiden großen katalanischen Banken, der Caixa und der Sabadell. Die Umzugsentscheidung der Banc Sabadell ließ ihre Börsennotierung bis zum Donnerstagnachmittag wieder um etwa 3,4 Prozent steigen. In ihrem Windschatten legte auch die Caixa-Bank (die drittgrößte Spaniens) deutlich zu.

Doch ob auch die Caixa-Bank Katalonien so schnell verlassen wird, ist ungewiss. Nach deren Statuten kann der Verwaltungsrat eine solche Entscheidung nicht ohne ein Votum der Aktionärsversammlung treffen. Die Caixa-Bank entstand während der schweren spanischen Wirtschaftskrise aus dem Zusammenschluss mehrerer ehemaliger Sparkassen. In der Bank reden immer noch katalanische Politiker mit, was die Entscheidung für einen Umzug erschweren dürfte. „Caixa-Bank ist ein katalanisches Wahrzeichen. Das wäre, als würde (der Fußballclub) Barça Katalonien verlassen“, sagte ein katalanischer Banker zu „El País“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Spanien

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