Lade Inhalte...

Streit um Jerusalem Ausschreitungen im Westjordanland

4. Update Nach Trumps Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt ruft die islamistische Palästinenser-Organisation Hamas zur Intifada auf. Im Westjordanland versammeln sich tausende Demonstranten.

07.12.2017 07:00
In der Nähe von Bethlehem geraten Demonstranten mit israelischen Sicherheitskräften aneinander. Foto: afp

Die radikalislamische Palästinenser-Organisation Hamas hat nach der Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zu einer neuen Intifada gegen Israel aufgerufen. Die Palästinenser sollten den Aufstand ins Herz des „zionistischen Feindes“ tragen, forderte Hamas-Anführer Ismail Hanijeh am Donnerstag im Gazastreifen. Er rief für Freitag zu Protesten und einem „Tag des Zorns“ auf. „Lasst den 8. Dezember zum ersten Tag der Intifada gegen die Besatzer werden.“ Das israelische Militär verstärkte seine Truppen im Westjordanland und versetzte weitere Einheiten in Alarmbereitschaft.

An zwei Grenzübergängen zum Gazastreifen bewarfen Dutzende Palästinenser israelische Soldaten mit Steinen. Im Westjordanland versammelten sich Augenzeugen zufolge Tausende Demonstranten. Einige riefen: „Jerusalem ist die Hauptstadt des Staates Palästina.“ Einige warfen auch dort Steine auf Soldaten. Das israelische Militär setzte Reizgas ein. Bei Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften im Westjordanland und im Gazastreifen sind nach Angaben von Sanitätern 31 Menschen verletzt worden. Davon seien elf von scharfer Munition getroffen worden und 20 durch Gummigeschosse. Eine Person schwebe in Lebensgefahr. In Amsterdam wurde ein Mann mit einer palästinensischen Flagge festgenommen, der mehrere Fenster eines jüdischen Restaurants zerstörte.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er gehe davon aus, dass viele andere Staaten den USA folgen und ihre Botschaften nach Jerusalem verlegen. Es gebe bereits entsprechende Kontakte. Netanjahu nannte aber keine Länder. „Präsident Trump hat sich in der Geschichte unserer Hauptstadt unsterblich gemacht“, sagte er. Auch US-Außenminister Rex Tillerson verteidigte die Entscheidung Trumps, der sich am Mittwoch über alle Warnungen der internationalen Gemeinschaft hinweggesetzt und Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte.

Aus Protest gegen die Entscheidung riefen die Palästinenser zu einem Generalstreik auf. Gegen Israel haben die Palästinenser bereits 1987 und 2000 eine Intifada ausgerufen. Bei beiden Aufständen gab es zahlreiche Opfer auf beiden Seiten. Die Hamas kontrollierte in den vergangenen Jahren den Gazastreifen und schloss erst im Oktober ein Versöhnungsabkommen mit der Fatah, die im Westjordanland die Oberhand hat. Anders als die Hamas rief ein hochrangiger Fatah-Anführer und Vertrauter von Präsident Mahmud Abbas zu friedlichen Protesten auf.

In Jordanien und der Türkei kam es bereits zu Demonstrationen. Saudi-Arabien, ein enger Verbündeter der USA in der Region, bezeichnete Trumps Entscheidung als unverantwortlich. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, die EU vertrete die gemeinsame Position, dass die einzig realistische Lösung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern auf zwei Staaten basiere, von denen Jerusalem jeweils die Hauptstadt sei. Mogherini kündigte an, mit Netanjahu am Montag in Brüssel über das Thema zu beraten. Das russische Präsidialamt erklärte, Trumps Entscheidung spalte die internationale Gemeinschaft. Russland wolle die USA deshalb im UN-Sicherheitsrat rügen, berichtete die Nachrichtenagentur RIA. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen dürfte sich Diplomaten zufolge am Freitag mit dem Thema befassen.

Jordanien bezeichnete Trumps Entscheidung als rechtlich ungültig. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte, die Anerkennung Jerusalems könne die Region in Flammen setzen. Im Libanon titelte die Hisbollah-nahe Zeitung Al-Achbar: „Tod für Amerika.“ Kritik kam auch aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indonesien und Pakistan. Die radikalislamischen Taliban in Afghanistan warfen den USA vor, koloniale Ambitionen in die muslimische Welt zu tragen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Israel
Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum