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Stichwort Salafismus Salafisten - eine kleine, radikale, gefährliche Gruppe

Die Salafisten gehören einer radikalen islamischen Sekte an. Ihr Ziel ist die Errichtung des Kalifats, in dem islamisches Recht gilt. Der Verfassungsschutz hält sie für sehr gefährlich. Wir erklären, was Salafismus ist.

18.04.2012 14:13
Von Bettina Vestring
Radikal-islamische Salafisten verteilen in Berlin den Koran (14.04.2012). Foto: epd

Heinz Fromm, Präsident des Bundesverfassungsschutzes, gehört zu den genauen Kennern der Islamistenszene. "Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist, aber fast alle Terroristen, die wir kennen, hatten Kontakt zu Salafisten oder sind Salafisten", sagte er einmal. Das ist der Grund, warum Verfassungsschützer und Innenminister die Salafisten mit so viel Misstrauen beobachten.

Schätzungsweise 4000 Menschen gehören in Deutschland dieser Strömung an. Sie haben "die frommen Altvorderen" (arabisch as-salaf as-salih) zu ihren Vorbildern erkoren, die ersten drei Generationen seit dem Propheten Mohammed. Alle Veränderungen, die der Islam seither erfahren hat - beispielsweise die Abspaltung der Schiiten - werden von Salafisten als unislamisch abgelehnt. Zentral ist das wörtliche Verständnis des Korans. Besonders stark ist der Salafismus in Berlin, Braunschweig, Frankfurt und Köln/Bonn.

Seine Wurzeln hat der Salafismus im 18. Jahrhundert. In Saudi-Arabien entwickelte sich aus ihm der Wachhabismus, jene besonders strenge islamische Lehre, der das saudische Könighaus anhängt. In Ägypten gründete sich 1928 die Muslim-Brüderschaft, um salafistische Grundsätze in die Politik zu tragen. Salafisten versuchen sich in Erscheinung und Verhalten an Mohammed und seinen Getreuen zu orientieren. Die Männer tragen Kappen, lange Gewänder und Bart und vermeiden jede Berührung mit fremden Frauen.

"Christen und Juden kommen in die Hölle"

Nur ein kleiner Teil der Salafisten in Deutschland - schätzungsweise 500 - werden zu den politischen Salafisten gezählt, die sich den Umbau von Staat und Gesellschaft zum Ziel gegeben haben. Die Demokratie gilt ihnen als ungerecht; Gerechtigkeit kann es nur im Kalifat geben, wo die Scharia, die islamische Rechtsordnung, gilt. Mit dem Grundgesetz ist dieser Glauben mit Sicherheit nicht vereinbar. Doch auch unter den politischen Salafisten gibt es nur wenige, die ihre Ziele mit Gewalt durchsetzen wollen.

Gefährlich findet der Verfassungsschützer die Salafisten auch deshalb, weil sie sehr gezielt um muslimische Jugendlichen werben, die sich in der westlichen Gesellschaft wegen ihres Glaubens zurückgesetzt fühlen. Mit großem Geschick setzen sie dafür das Internet ein. Eine einflussreicher Salafist in Deutschland ist der Konvertit Pierre Vogel, ein ehemaliger Junior-Weltmeister im Boxen, der seinen Anhängern auf YouTube das gerechte und gottgefällige Leben predigt.

Ein weiterer führender Salafist ist Ibrahim Abou-Nagie, der in diesem Frühjahr Koranverteilungen in deutschen Städten initiiert hat. Sätze wie "Christen und Juden kommen in die Hölle, wenn sie den Islam nicht annehmen", stammen von ihm. Muslime, die sich kritisch zum Salafismus stellten, seien Heuchler. "Allah verspricht denen die Hölle."

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