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Steuerhinterziehung Spaniens Sechstageminister

Màxim Huerta muss wegen Steuerhinterziehung nach einer Woche zurücktreten.

Maxim Huerta
Nach nur einer Woche muss er wieder zurücktreten: Maxim Huerta, Kulturminister Spaniens. Foto: afp

Natürlich ist er unschuldig. Er tat ja nur, was alle taten. Weil es ihm sein Steuerberater so empfohlen hatte. Aber leider: „Die Unschuld ist nichts wert vor dieser Meute.“ Am Mittwochabend trat Màxim Huerta als spanischer Kulturminister zurück, nach sechs Tagen im Amt. So kurz hatte es in der Geschichte der spanischen Demokratie noch kein Minister auf seinem Posten ausgehalten.

In Spanien geschehen gerade viele Dinge in kurzer Zeit. Es ist gerade zwei Wochen her, dass der Sozialistenchef Pedro Sánchez den konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy mit einem Misstrauensantrag herausforderte und gewann, was wenige Tage zuvor noch kaum jemand für möglich gehalten hätte; um endlich wieder einen Regierungschef zu haben, der sich nicht täglich neuer Korruptionsvorwürfe erwehren muss.

Die ersten Tage im Amt liefen ganz blendend. Sánchez versammelte eine Ministerrunde um sich, ohne große Rücksicht auf den Parteiapparat zu nehmen. Am Montag griff er beherzt in die Krise um das Migrantenschiff Aquarius ein, das nach seinen Anweisungen an diesem Wochenende im Hafen von Valencia einlaufen soll. Die Spanier sahen es mehrheitlich mit Wohlgefallen. Der Mann überraschte sie.

Dann kam Huerta. Der 47-jährige Kulturminister war einer der Paradiesvögel, die sich Sánchez ins Kabinett geholt hatte: ein Schriftsteller, der seine Bekanntheit vor allem seinen regelmäßigen Auftritten im privaten Frühstücksfernsehen verdankte. Sympathisch, redegewandt, meinungsstark.

Doch Huertas Vergangenheit holte ihn am Mittwoch in Form eines Gerichtsurteils vom Mai 2017 ein, das ihn als Steuerhinterzieher ächtet. Er habe dem Fiskus innerhalb von drei Jahren mehr als 200 000 Euro vorenthalten, berichtete morgens um acht Uhr die Netzzeitung „El Confidencial“. Es dauerte dann noch elf Stunden, bis Huerta wutschnaubend seinen Rücktritt erklärte.

Mit jeder Stunde, die Sánchez verstreichen ließ, ohne den eitlen Minister aus dem Amt zu jagen, verblasste etwas von dem Glanz seiner ersten Regierungstage. Jede Stunde ließ Sánchez seinem Vorgänger Rajoy etwas ähnlicher sehen. Kurz vor 19 Uhr war es so weit: Huerta ergab sich der „Meute“ (womit er wohl seine Journalistenkollegen meinte) und erklärte seinen Abgang.

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