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Sterbehilfe Warnung vor neuen Tabus

Gegen die Verbotspläne der Union zur Sterbehilfe regt sich Widerstand: Humanistische Verbände bilden ein Bündnis gegen die Kriminalisierung der Euthanasie. Für die Ärzte stellen sich heikle berufsethische Fragen.

Beihilfe zum Suizid, etwa mit einem tödlichen Medikament, ist in Deutschland bislang nicht strafbar. Foto: Imago

Gegen die Verbotspläne der Union zur Sterbehilfe regt sich Widerstand: Humanistische Verbände bilden ein Bündnis gegen die Kriminalisierung der Euthanasie. Für die Ärzte stellen sich heikle berufsethische Fragen.

Sie berufen sich auf den Willen der Mehrheit der Bevölkerung und lehnen ein Verbot von Sterbehilfe ab: Mehrere humanistische Verbände haben ein Bündnis gegen die geplante gesetzliche Regelung der Suizidbeihilfe geschmiedet. Suizidbeihilfe dürfe nicht kriminalisiert werden, sagte die ehemalige SPD-Politikerin Ingrid Matthäus-Maier als Koordinatorin des Bündnisses am Mittwoch in Berlin. „Wir wollen Politik, Ärzte und Öffentlichkeit davon überzeugen, dass neue Verbote der falsche Weg sind.“

Die religionskritischen Organisationen reagieren damit auf Bestrebungen vor allem der Unionsfraktion, noch in diesem Jahr ein Sterbehilfegesetz zu verabschieden. Nach derzeit geltendem Recht ist die Beihilfe zum Suizid nicht strafbar, weil der Suizid selbst auch nicht bestraft wird. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und weite Teile der Union sind deshalb seit längerem dafür, jede Form der organisierten Sterbehilfe zu verbieten. Die Haltung des Koalitionspartners SPD ist liberaler, es gibt aber noch kein einheitliches Meinungsbild in der SPD-Fraktion.

In der vorigen Legislaturperiode war ein Gesetzentwurf des FDP-geführten Justizministeriums am Widerstand der Union gescheitert. Diesmal soll das Parlament über Gruppenanträge entscheiden. Unionsfraktionschef Volker Kauder rechnet mit einer Abstimmung im Spätherbst. Vorher soll es eine Anhörung geben.

Gegen die Gesetzespläne regt sich nun Widerstand. Der Humanistische Verband, die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben, die Giordano-Bruno-Stiftung und andere Verbände argumentieren, verschärfte Strafgesetze lösten nicht die tatsächlichen Probleme, die die Selbstbestimmung am Lebensende und ein Sterben in Würde verhinderten.

Hospize nicht für alle

Die Psychologin Gita Neumann warnte, ein neuer Strafbarkeitsparagraf führe zu neuer Tabuisierung und Sprachlosigkeit. „Suizidgefährdete oder sterbewillige Patienten werden sich noch weniger trauen, sich an einen Arzt ihres Vertrauens zu wenden.“ Zudem seien Palliativ-Medizin und Hospize nicht für alle sterbenskranken Menschen eine Alternative. Die stationäre Versorgung in Hospizen sei auf die letzten Lebenstage und Wochen beschränkt. Das treffe zu 90 Prozent nur auf Krebskranke im Endstadium zu, so Neumann. Anderen Menschen, die im hohen Alter an vielen Beschwerden leiden oder schwer krank sind, sei der Weg ins Hospiz prinzipiell versperrt. Pflegeheimbewohner seien von vornherein ausgeschlossen.

Matthäus-Maier ergänzte: „Es können nicht alle in die Hospize. Es wollen auch nicht alle, deshalb brauchen wir beides.“ Für die Humanisten ist Sterbehilfe deshalb praktische Lebenshilfe. Die Menschen wüssten, sie könnten sich in den Tod begleiten lassen, wenn sie das wünschten. Mit dieser Möglichkeit im Hinterkopf ließen es die meisten dann aber bleiben. „Das wäre natürlich das Beste von allem“, so Matthäus-Maier.

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