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Sterbehilfe-Debatte in den USA Neue Initiativen für einen „Tod in Würde“

Seit Brittany Maynard ihr Leben mit tödlichen Pillen beendete, ist in den USA eine Debatte um die Sterbehilfe entbrannt. Noch ist der ärztlich begleitete Freitod lediglich in drei Bundesstaaten möglich. Initiativen für einen "Tod in Würde" stoßen auf Widerstand bei Ärzteverbänden und Religionsgemeinschaften.

Brittany Maynard (2.v.r.) mit ihrem Ehemann Dan (r) sowie ihrer Mutter und ihrem Stiefvater vor der Schlucht des Grand Canyon. Foto: dpa

Brittany Maynard nahm sich das Leben – auch damit andere Menschen das Recht bekommen sollen, den Zeitpunkt ihres Todes selbst festlegen zu dürfen. In Videobotschaften sagte sie vor ihrem Tod, dass es allen Menschen in den USA erlaubt sein müsse, selbst zu entscheiden, wann ihr Leben zu Ende gehen solle. Das verstand die 29 Jahre alte Frau, die an einem unheilbaren Gehirntumor litt, unter Sterben in Würde. Seit Maynard am 1. November die tödlichen Pillen nahm, die ihr ein Arzt verschrieben hatte, und ihr Leben beendete, ist eine Debatte um den ärztlich begleiteten Freitod entbrannt.

Befürworter der Sterbehilfe hoffen nun, dass sich die Zahl der Bundesstaaten erhöht, in denen Sterbehilfe erlaubt oder zumindest geduldet ist. Entsprechende Initiativen, über welche die Wähler in den USA auf der Ebene der Bundesstaaten in Referenden entscheiden, dürften allerdings auf starken Widerstand der Ärzteverbände und Religionsgemeinschaften stoßen.

Noch ist der ärztlich begleitete Freitod lediglich in drei Bundesstaaten möglich. In Oregon gilt das sogenannte „Death with Dignity“-Gesetz („Tod in Würde“) seit Anfang 1998.

Oregon als Vorbild

Darin ist festgeschrieben, dass Menschen, die ihrem Leben ein Ende setzen wollen, an einer Krankheit leiden müssen, die nicht heilbar ist und innerhalb von sechs Monaten mit größter Wahrscheinlichkeit zum Tod führt. So war es im Falle von Brittany Maynard, der ein Arzt im April gesagt hatte, sie habe nur noch sechs Monate zu leben.

Gut 1200 Menschen haben bislang in Oregon – darunter auch Maynard – das Recht für sich Anspruch genommen, ihr Leben zu beenden und sich die tödlichen Medikamente vom Arzt verschreiben lassen. Allerdings haben nur knapp 800 Menschen die Pillen tatsächlich geschluckt, wie aus offiziellen Statistiken des Bundesstaates hervorgeht. Die anderen starben natürlich.

Das Durchschnittsalter der Patienten, die ihren Todeszeitpunkt selbst bestimmen wollten, lag bei 71 Jahren. Lediglich sechs Menschen waren jünger als 34 Jahre und damit im Alter von Brittany Maynard. Experten sagen, ihr Freitod könnte nun auch in der jüngeren Generation das Interesse an dem dort bislang wenig beachteten Thema wecken.

Maynard musste umziehen

Ähnliche Vorschriften wie in Oregon gibt es auch im Westküsten-Staat Washington seit 2009 und in Vermont seit 2013. In dem Staat an der Grenze zu Kanada haben sich nach Auskunft der Sterbehilfe-Organisation „Compassion & Choices“ bislang drei Patienten Rezepte für die tödlichen Pillen geben lassen.

In New Mexico und in Montana gibt es zwar keine ausdrücklichen Gesetze zur Sterbehilfe. Jedoch sind dort Ärzte vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt, wenn sie Hilfe zum Freitod leisten. Berufungsverfahren gegen diese Urteile sind bislang noch nicht entschieden.

In acht Bundesstaaten (New Hampshire, Connecticut, Hawaii, Kansas, Massachusetts, New Jersey, Pennsylvania und Colorado) haben Sterbehilfe-Befürworter Anträge auf gesetzliche Regelungen eingereicht. Und auch in Kalifornien soll demnächst wieder ein Anlauf unternommen werden, den ärztlich begleiteten Suizid einzuführen. Bislang haben die Wähler im bevölkerungsreichsten Staat der USA solche Gesetzesinitiativen immer mit knapper Mehrheit abgelehnt. Kalifornien war auch der Heimatstaat von Maynard. Sie musste ihn verlassen, um überhaupt sterben zu dürfen.

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