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Stephen Bannon Kriegserklärung an die Republikaner

Donald Trumps ehemaliger Chef-Ideologe Stephen Bannon hetzt gegen gemäßigte Republikaner. Im Fokus: Trump-Widersacher Mitt Romney.

Stephen Bannon
Bannon in Fairhope, Alabama. Foto: rtr

Der Kontrast zu seiner ehemaligen Wirkungsstätte im Weißen Haus hätte nicht größer sein können: Stephen Bannon, der ehemalige Chef-Stratege von US-Präsident Donald Trump, wählte eine Party-Scheune im 1600 Kilometer entfernten Fairhope an der Golfküste von Alabama für seine öffentlichkeitswirksame Rückkehr auf die politische Bühne. „Die wollen nur ihre Macht behalten. Die wollen Euch mundtot machen!“, rief er am Dienstagabend mehreren hundert Zuhörern zu. Der Angriff galt nicht den üblichen Feindbildern, den Demokraten oder der Presse, sondern der republikanischen Partei.

Seit seinem Abgang aus dem Weißen Haus im August hat es sich der ultrarechte Demagoge zur Aufgabe gemacht, Trumps Politik auf dem populistischen, nationalistischen und globalisierungsfeindlichen Kurs des Wahlkampfs zu halten. Dazu nutzt der 64-Jährige, der stets mit ungekämmten Haaren und ausgebeulter Jacke auftritt, seine offenbar weiterhin guten Telefondrähte zum Präsidenten, seine Propagandaseite Breitbart samt diverser ultrarechter Talkshows sowie Kandidaten wie den christlichen Fundamentalisten Roy Moore, der sich in Alabama für einen Senatssitz bewirbt. Bannon hat angekündigt, bei anstehenden Neuwahlen moderater und Trump-kritischer Republikaner stets einen radikaleren Anti-Establishment-Gegenkandidaten zu unterstützen.

Entsprechend heftig fiel am Dienstag seine Abrechnung mit der Spitze der republikanischen Partei aus, die sich nach dem Bekanntwerden massiver sexueller Missbrauchsvorwürfe von Roy Moore distanziert hatte.

Dem republikanischen Mehrheitsführer Mitch McConnell, der zunächst den Rückzug Moores gefordert hatte, unterstellte Bannon indirekt, ein Komplott inszeniert zu haben: „Ihm ist es egal, ob wir den Sitz (im Senat) verlieren. Ihn stört es nicht, Minderheitspartei zu sein. Er macht genauso viel Geld auf dem Weg nach unten wie nach oben“, pöbelte Bannon. Mit McConnell habe die republikanische Partei de facto Wahlkampf für die Demokraten in Alabama gemacht. „Wir werden Dich dafür zur Verantwortung ziehen“, drohte er.

Am wildesten aber attackierte Trumps außerparlamentarischer Vorkämpfer den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Mitt Romney. Der hatte sich von Moore mit den Worten distanziert: „Keine Mehrheit ist es wert, dass wir unsere Ehre und Integrität verlieren.“ Bannon konterte: „Ernsthaft, Mitt – Du sprichst von Ehre und Integrität?“

Er warf dem Mormonen vor, sich vor dem Militärdienst gedrückt zu haben. Auch seine Söhne hätten nicht gedient. Der einstige Vietnam-Kämpfer Moore habe „mehr Ehre und Integrität in einem Finger seiner Hand“ als Romneys „komplette Familie in ihrer DNA“. Offenbar habe Romney seine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2012 nicht verschmerzt: „Trump ist nun Präsident, was Du so jämmerlich verpasst hast, Mitt“, ätzte Bannon.

Doch der einstige Trump-Chefideologe begnügt sich nicht mit verbalen Beleidigungen. Nach Medienberichten steckt er hinter einer massiven Kampagne, im Bundesstaat Utah die Kandidatur von Romney für den Senat zu verhindern. Eigentlich wäre der sichere republikanische Platz freigeworden, weil der 83-jährige Amtsinhaber Orrin Hatch nicht erneut antreten wollte. Doch bei einem Besuch in Salt Lake City am Montag bedrängte Trump seinen Gefolgsmann Hatch massiv, zum achten Mal für den Senat anzutreten. Romney sei „ein guter Mann“, sagte Trump gönnerhaft. Hatch hingegen nannte er einen „Kämpfer“, der seinem Bundesstaat hoffentlich „noch für lange Zeit“ dienen werde. Ein weiterer Punktsieg von Bannon.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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