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Stasi-Gefägnis In Hohenschönhausen gärt es weiter

Der Vorsitzende des Gedenkstätten-Fördervereins steht wegen seiner Nähe zur AfD weiter in der Kritik.

Hohenschönhausen
Blick in die Gedenkstätte, das einstige berüchtigte Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. Foto: afp

In der Gedenkstätte Hohenschönhausen gärt es nach der Trennung vom einstigen politischen Gefangenen und Gedenkstättenführer Siegmar Faust weiter. Diesmal geht es aber nicht um den 73-Jährigen, der in der Gedenkstätte für die AfD geworben und den Holocaust-Leugner Horst Mahler in Schutz genommen hatte, sondern um den Vorsitzenden des Fördervereins, Jörg Kürschner.

Der Schriftführer des Gremiums, der einstige SPD-Bundestagsabgeordnete Stephan Hilsberg, fordert in einem Schreiben an den Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe Kürschners Ablösung, da dieser „seit nahezu einem Jahr regelmäßig und mit einer klaren Positionierung pro AfD und zum Teil auch mit ihrer Sprache in der Jungen Freiheit Namensartikel platziert“. Dies sei „ein nicht hinnehmbares Politikum“. Zudem habe Kürschner den Beitritt des AfD-Vorstandsmitglieds Georg Pazderski in den Förderverein forciert. Vor Hilsberg hatte bereits Jens Gieseke vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam an Kürschner Kritik geübt. Gieseke ist Mitglied des Beirates der Gedenkstätte.

Direktor legt Rücktritt nahe

Zwar betont Hilsberg, der Förderverein sei nicht mit der Gedenkstätte identisch. Doch er diene ihr als verlängerter Arm für die Öffentlichkeitsarbeit, organisiere den Hohenschönhausen-Preis und betreibe erfolgreich Sponsoring für das ehedem berüchtigte Stasi-Gefängnis.

Im Übrigen schüre die AfD Nationalismus, der Deutschland in zwei furchtbare Kriege geführt habe und ein wesentlicher Grund für die Machtergreifung der Nationalsozialisten gewesen sei, die wiederum den Boden für die SED-Diktatur bereitet habe. Zugleich bemühe sich die AfD um eine „Verharmlosung der nationalsozialistischen Diktatur, des Holocaust“ und setze die politische Verfolgung durch die SED mit dem demokratischen Meinungsstreit gleich. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Die AfD verletzt daher den antitotalitären Konsens in der Bundesrepublik. Dieser aber ist die Grundlage jeder Art von demokratischer Aufklärungsarbeit und damit auch der Arbeit der Gedenkstätte.“

Da Kürschner den Förderverein „zu einem Aufmarschplatz für die AfD“ mache, so Hilsberg, erwarte er, dass die Gedenkstätte „schnell Entscheidungen trifft für eine neue Leitung des Fördervereins und die notwendige Distanzierung von der AfD“. Er schließt mit dem Satz: „Andernfalls nimmt die Gedenkstättenleitung eine weitere Beschädigung der Arbeit der Gedenkstätte sehenden Auges hin.“ Knabe hatte direkt nach Bekanntwerden der jüngsten Äußerungen Fausts in der Berliner Zeitung die Zusammenarbeit mit ihm beendet.

Allerdings erklärten Gieseke und Christian Booß, Vorsitzender des Bürgerkomitees 15. Januar, dass dieser mit seiner rechtslastigen Gesinnung in Hohenschönhausen nicht allein sei bzw. dass andere Aufarbeitungsinitiativen ähnliche Probleme hätten. Der Vorsitzende des Stiftungsrates von Hohenschönhausen, Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), plädierte für ein besseres Qualitätsmanagement in der Gedenkstätte. Im Streit um Kürschner hatte Gedenkstätten-Direktor Knabe Hilsberg zufolge angeregt, gemeinsam mit diesem zurück zu treten. Das indes kommt für Hilsberg nicht in Betracht. „Schließlich sei er nicht der Urheber dieses Konflikts, notierte er an Knabe, sondern der Vorsitzende.“

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