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Stasi-Gedenkstätte Entlassener Direktor klagt gegen Kündigung

Hubertus Knabe wird vorgeworfen, als Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen nicht entschieden genug gegen sexuelle Belästigung vorgegangen zu sein. Nun klagt Knabe gegen seine Kündigung.

11.10.2018 16:23
Hubertus Knabe
Hubertus Knabe im Jahr 2016. Foto: dpa

Der entlassene Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hat Klage gegen seine Kündigung eingereicht. Diese sei beim Berliner Arbeitsgericht bereits am Dienstag eingereicht worden, sagte eine Gerichtssprecherin am Donnerstag. Nach dem üblichen Zeitablauf sei ein erster Verhandlungstermin dazu etwa Anfang November zu erwarten.

Knabe habe in seiner Klage die Unwirksamkeit der Kündigung geltend gemacht, sagte die Gerichtssprecherin weiter. Die Klage richte sich gegen die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Bereits Freitag vergangener Woche habe zudem Knabes bisheriger Stellvertreter, Helmut Frauendorfer, ebenfalls Klage gegen seine Kündigung eingereicht.

Knabe wird vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen die sexuelle Belästigung von Frauen durch den Vize-Direktor Frauendorfer vorgegangen zu sein. Der Stiftungsrat, dessen Vorsitzender Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) ist, hatte den langjährigen Direktor am 25. September deshalb einstimmig von seinen Aufgaben entbunden. Die Entlassung hatte zuletzt eine heftige Kontroverse ausgelöst und war als politische Entscheidung kritisiert worden.

Aus Protest gegen das Vorgehen des Stiftungsrates waren zuletzt drei weibliche Stiftungsbeiräte zurückgetreten. Sechs betroffene Frauen kritisierten dagegen „eine bedenkliche Schieflage“ der Debatte, in der „das unangemessene und belästigende Verhalten von Vorgesetzten in der Gedenkstätte“ weiterhin ausgeblendet werde.

Derweil steht Dieter Dombrowski ziemlich unter Druck. Der Vizepräsident des brandenburgischen Landtages und Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) hatte im Stiftungsrat der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen die Hand zur Ablösung des Direktors Hubertus Knabe im Zuge der Sexismus-Affäre gehoben. Mit Dombrowskis Ja zu Knabes Entlassung war nicht zu rechnen gewesen, weil beide auf Außenstehende lange wie Verbündete wirkten. Insider werten das Ja als Beleg dafür, dass die Sexismus-Vorwürfe in der Summe so schwer wiegen, dass Dombrowski gar nicht anders konnte.

Ein männliches Beiratsmitglied, das dem Gescholtenen eher kritisch gegenüber steht, kann sich dessen Agieren derweil durchaus erklären. Dombrowski habe am Ende wohl mehr das Wohl der Gedenkstätte im Auge als das Wohl Knabes, sagte der Mann, der ungenannt bleiben möchte. Im Ganzen erweise sich dieser letztlich „nicht als Ideologe, sondern als Realist“. (mdc/epd)

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