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Spionage Am häufigsten fliegen russische Agenten auf

Deutsche Behörden haben in den letzten zehn Jahren insgesamt 123 Spione enttarnt - 27 davon waren russische Staatsangehörige.

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Diplomatische Immunität schützt auch Agenten vor Ermittlungen: russische Botschaft in Berlin. Foto: imago

Die Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit oder ähnlicher Delikte betreffen in erster Linie russische Spione. Das ergibt sich aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion. Demnach gab es in den letzten zehn Jahren 123 solcher Ermittlungsverfahren. 27 richteten sich gegen russische Staatsangehörige, 22 gegen Iraner sowie jeweils 15 gegen Türken und Chinesen. Die USA liegen mit sieben Ermittlungsverfahren auf Platz sechs – knapp hinter Syrien mit acht Verfahren. Derzeit sind in Karlsruhe acht Ermittlungsverfahren gegen ausländische Spione anhängig.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts sind seit 2007 ungeachtet dessen lediglich vier Agenten aus Syrien zu „personae non grata“ erklärt worden. Generell könnten gegen betroffene Mitarbeiter keine Ermittlungsverfahren eingeleitet werden, wenn sie diplomatische Immunität genössen, heißt es in der Antwort. Ansonsten seien aufenthaltsrechtliche Maßnahmen Ländersache; darüber führe der Bund keine Statistik.

Im Prinzip seien Ausweisungen durchsetzbar, so das Bundesinnenministerium, wenn Spione zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt worden seien. Überdies gebe es noch die Möglichkeit, eine zeitlich befristete Aufenthaltserlaubnis nicht zu verlängern.

Korte: BND liefert „mickrige Ergebnisse“ 

Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, sagte der Frankfurter Rundschau zu den Zahlen: „Warum angesichts dieser mickrigen Ergebnisse Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz seit Jahren jeweils mit der Erhöhung ihrer Etats um zweistellige Millionenbeträge belohnt werden, bleibt völlig schleierhaft. Selbstverständlich ist das Thema Spionage diplomatisch heikel. Gleichwohl kann sie natürlich nicht geduldet werden oder sogar in besonders eklatanten Fällen, die ausnahmsweise das Licht der Öffentlichkeit erreichen, folgenlos bleiben.“

Korte nahm besonders Bezug auf die NSA-Affäre und die Aktivitäten des türkischen Geheimdienstes MIT hierzulande und fügte vor diesem Hintergrund hinzu: „Wenn angesichts der öffentlich gewordenen Spionagefälle der Generalbundesanwalt gerade einmal in 15 Fällen gegen türkische und gegen US-amerikanische sogar nur in sieben Fällen ermittelt, dann hat entweder der Inlandsgeheimdienst, der ja angeblich für Spionageabwehr zuständig ist, seine Arbeit nicht gemacht, oder ihm kommen die Aktivitäten befreundeter Dienste auf deutschem Boden ganz gelegen. Von einer normal arbeitenden Spionageabwehr müsste man erwarten, dass sie genug Belege dafür liefert, damit die Ausweisung der an der Spionage Beteiligten nur eine Formsache ist.“

Zusammenarbeit mit amerikanischen Diensten unverzichtbar

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte angesichts der NSA-Affäre einen 360-Grad-Blick des für die Spionageabwehr zuständigen Bundesamtes für Verfassungsschutz angekündigt, der auch die USA einschließe. Allerdings hatten Bundesregierung und Geheimdienstvertreter mehrfach erklärt, dass man auf die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Diensten nicht verzichten könne. Zugleich gibt es wegen des Flüchtlingsabkommens und wegen der Sorge um ein weiteres Abdriften des Landes politische Rücksichtnahmen auf die Türkei.

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