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„Spiegel“ Neue Chefredaktion soll Print und Online zusammenführen

Der Chefredakteurssessel beim „Spiegel“ bleibt ein Schleudersitz: Für Klaus Brinkbäumer ist Schluss. Das Ruder übernimmt Steffen Klusmann, der die Zusammenlegung der Redaktionen Print und Online managen soll.

23.08.2018 06:59
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"Der Spiegel"-Verlagsgebäude in Hamburg Foto: epd-bild / Stephan Wallocha

Nach jahrelangen Diskussionen legt der „Spiegel“ die Redaktionen des gedruckten Magazins und des Nachrichtenportals „Spiegel Online“ im Januar 2019 zusammen. Vorsitzender der Chefredaktion der neuen Einheit wird Steffen Klusmann (52), wie der Spiegel-Verlag am Mittwoch in Hamburg mitteilte. Der Chefredakteur des „Manager Magazins“ löst damit Klaus Brinkbäumer (51) ab, der nach dreieinhalb Jahren als Print-Chefredakteur aus dem Amt scheidet. Mit ihm werden „Gespräche über eine neue Aufgabe“ geführt. Ebenfalls zur neuen Chefredaktion gehören Barbara Hans (37), bisher Chefredakteurin von „Spiegel Online“, und Ullrich Fichtner (53), Reporter im Ressort Gesellschaft des gedruckten Magazins.

Geschäftsführer Thomas Hass hatte die Zusammenlegung der bisher getrennt arbeitenden Redaktion bereits im April avisiert, sich dabei aber nicht zu Personalien geäußert. Die neue Chefredaktion solle sich „formieren als ein Team, das die Aufgaben nach fachlichen und funktionalen Aspekten aufteilt, nicht mehr nach Medienkanälen“, teilte der Verlag nun mit. Dadurch solle der „Spiegel“ als „Leitmarke für exzellenten, unabhängigen, investigativen Journalismus in Deutschland“ gestärkt werden, sagte Hass. Die Chefredaktion wird mit der Reform auch der Unternehmensleitung angehören.

Umbau kommt überraschend

In den kommenden Wochen soll die designierte Chefredaktion die geplante Redaktionsstruktur ausarbeiten. Gemeinsam mit der Geschäftsführung werde sie „einen Veränderungsprozess aufsetzen, der sorgfältig gemeinsam mit den Führungskräften und den Betriebsräten vorbereitet und beraten wird“. In der Zeit des Übergangs bis Januar 2019 sollen die zurzeit amtierenden Chefredaktionen das Nachrichtenmagazin und das Portal weiter verantworten. Ob Brinkbäumer aber wirklich vier Monate lang als „lame duck“ im Amt bleibt, scheint mindestens fraglich.

Kürzlich waren bereits Weichen für die Zusammenlegung der Redaktionen gestellt worden. Die frühere Spiegel Online GmbH firmiert nun als Spiegel Online GmbH & Co. KG und ist damit eine direkte Tochter des Verlags. Dadurch können Magazin und Nachrichtenportal vom Finanzamt als ein Steuersubjekt gemeinsam veranlagt werden.

Der radikale personelle Umbau kommt überraschend, denn Insidern zufolge haben sich die Zahlen des im Mai neu aufgestellten digitalen Bezahlangebots „Spiegel Plus“ zuletzt gut entwickelt. Der gedruckte „Spiegel“ hat allerdings seit Jahren mit herben Auflagenverlusten zu kämpfen. Im zweiten Quartal dieses Jahres verkaufte das Magazin pro Ausgabe noch 704.656 Exemplare, das waren fast acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Auch die Anzeigenbuchungen sind rückläufig. Im Jahr 2017 wurden bei Werbung und Vertrieb insgesamt rund elf Millionen Euro weniger erwirtschaftet als im Vorjahr.

Klusmann soll Sparkurs fortsetzen

Der Impuls für die Ablösung Brinkbäumers ging nach Informationen des Evangelischen Pressedienstes (epd) von der Mitarbeiter KG aus, mit der die Belegschaft 50,5 Prozent der Anteile am Verlag hält. Erforderlich war dafür eine Einigung mit dem Minderheitsgesellschafter Gruner + Jahr, der 25,5 Prozent hält: Bei der Besetzung von Führungspositionen muss laut Gesellschaftervertrag eine Mehrheit von 76 Prozent unter den Eigentümern erreicht werden. Die Erben des Magazingründers Rudolf Augstein haben mit ihren 24 Prozent formell kein Mitspracherecht.

Klusmann, lange Chefredakteur bei der inzwischen eingestellten Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ von Gruner + Jahr, soll beim „Spiegel“ dem Vernehmen nach auch die Sparanstrengungen fortsetzen. Da das „Manager Magazin“ ebenfalls zur Spiegel-Gruppe gehört, dürfte ihm die Finanzsituation des Gesamtkonzerns gut bekannt sein. „Spiegel“-Geschäftsführer Hass hatte Ende 2015 eine „Agenda 2018“ angekündigt, wonach bei dem Nachrichtenmagazin 149 von 727 Stellen wegfallen - 35 in den Redaktionen, 100 im Verlagsbereich und 14 in der Dokumentation. Personal- und Sachkosten sollen so um 15 Millionen Euro pro Jahr gesenkt werden.

Brinkbäumer war Anfang 2015 als Nachfolger von Wolfgang Büchner angetreten, der mit der Print-Redaktion über Kreuz lag und nach nur 15 Monaten abgelöst wurde. Der inzwischen beim Madsack-Konzern beschäftigte Büchner hatte ebenfalls den Plan, die Redaktionen von Print und Online stärker zusammenzuführen, stieß aber mit seinem Führungsstil auf scharfe Kritik. Brinkbäumer wiederum wurden Konflikte mit dem neuen Leiter Produktentwicklung der Spiegel-Gruppe, Stefan Ottlitz (früher Plöchinger), nachgesagt. Ottlitz war erst Anfang des Jahres von der „Süddeutschen Zeitung“ zum „Spiegel“ gewechselt. Auch er wird künftig der Unternehmensleitung angehören. (epd)

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