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Zivilisten sterben bei Bombardements

Russische Armee kesselt tschetschenisches Dorf ein / Rebellen schießen Hubschrauber abIm Grenzgebiet zwischen Tschetschenien und Inguschetien haben sich russische Truppen Gefechte mit Rebellen geliefert. Dabei kamen 80 Kämpfer ums Leben. Auch auf russischer Seite gab es Tote.

27.09.2002 00:09
Florian Hassel

MOSKAU, 26. September. Mit dem Abschuss eines Militärhubschraubers und dem Tod Dutzender russischer Soldaten, Polizisten und Rebellen haben sich Russen und Tschetschenen eines der heftigsten Gefechte im drei Jahre andauernden Krieg geliefert. Nach offizieller Darstellung hatten Aufklärer im waldreichen Grenzgebiet der tschetschenischen Nachbarrepublik Inguschetien Freischärler gemeldet, die offenbar ins zehn Kilometer entfernte Tschetschenien marschierten.

Einem Moskauer Fernsehsender zufolge trafen die Rebellen auf unerwarteten Widerstand inguschetischer Polizisten. Russische Soldaten der 58. Armee schlossen die Kämpfer am Donnerstagmorgen im Dorf Galaschki ein. Generalstabschef Anatoli Kwaschnin übernahm den Oberbefehl.

Kwaschnin wählte eine Taktik wie zu Beginn des Krieges: er ließ das Dorf von Kampfhubschraubern und Granatwerfern bombardieren. Das belegen Fernsehbilder aus Moskau. Dabei starben auch Zivilisten, sagten inguschetische Offizielle der Agentur Interfax. Die Widerständler schossen mit tragbaren Raketen einen Mi-24-Kampfhubschrauber ab.

Nach offizieller Darstellung waren die Kämpfe am Donnerstagmittag beendet. Neben den beiden Hubschrauberpiloten seien mindestens zehn russische Soldaten und Polizisten getötet worden, sagte ein Offizier des russischen Kaukasus-Kommandos zu Interfax. Von den Rebellen, deren Zahl der Moskauer Sender mit bis zu 300 angab, seien bis zu 80 getötet worden. Die Überlebenden flüchtete in kleinen Gruppen in die Wälder.

Dem russischen Kaukasuskommando zufolge wurden die gegnerischen Kämpfer von Ruslan Gelajews befehligt, einem bekannten Rebellenführer, der sein Hauptquartier im georgischen Pankisi-Tal unterhält. Der Rebellen-Internetdienst kavkaz.org bestätigte, die Rebellen kämpften unter Gelajews Oberkommando. Bei den Kämpfen in Gelaschki starb ein britischer Kameramann der auf Kriegsberichte spezialisierten Agentur Frontline News.

Unbeantwortet blieb die Frage, wie die Rebellen so leicht in so großer Zahl aus Georgien die Grenze zu Russland überwinden konnten. Die Tageszeitung Wremja Nowostej meldete am Donnerstag, mehrere hundert Tschetschenen seien vor zwei Wochen aus Georgien mit russischen Militärhubschraubern ausgeflogen worden. Die Russen hätten zunächst 50000 Dollar pro Flug gefordert, sich aber schließlich mit 30000 Dollar zufrieden gegeben. Bei jedem der insgesamt zehn Flüge seien bis zu 30 Rebellen samt Waffen und Munition nach Tschetschenien gebracht worden, berichtete der Georgien-Korrespondent des Blattes. Ein russischer Militärsprecher dementierte den Bericht.

Der Artikel ist jedoch nicht die einzige Meldung, die russische Stellen ins Zwielicht rückt. Am Montag dieser Woche beschrieb Wjatscheslaw Ismailow, einer der angesehensten russischen Militärjournalisten, dass die Führung des russischen Geheimdienstes, der den Oberbefehl über den Tschetschenienkrieg hat, insgeheim Agenten zu Treffen mit den Rebellenführern Gelajew und Doku Umarow ins Pankisi-Tal geschickt habe. Umarow soll in Tschetschenien Attentate befehligen.

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