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Wikileaks deckt auf Die Willkür von Guantánamo

Wikileaks veröffentlicht Akten aus dem US-Gefangenenlager. Ihnen zufolge sollen viele Unschuldige inhaftiert worden sein. Viele sollen gar gegen Kopfgeld an das US-Militär verkauft worden sein.

25.04.2011 17:40
Dietmar Ostermann
Fußfesseln im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay. Foto: getty

Die Enthüllungs-Plattform Wikileaks hat Hunderte Geheimdokumente über das US-Gefangenenlager Guantánamo Bay veröffentlicht, die zeigen, auf welch fragwürdiger Grundlage viele Häftlinge in dem umstrittenen Lager festgehalten wurden. Bei den „Gitmo Files“ handelt es sich um Häftlingsakten aus den Jahren 2002 bis 2008. Wikileaks will insgesamt 758 detaillierte Karteien veröffentlichen. Erste Dokumente wurden am Sonntag auf der Webseite der Organisation freigeschaltet. Ausgewählte Medien, darunter die New York Times, der britische Guardian sowie der Spiegel, verfügen über die kompletten Datensätze.

Laut Wikileaks werden darin nur „einige Dutzend“ der Guantánamo-Insassen ernsthafter terroristischer Aktivitäten beschuldigt. Die meisten Dokumente zeigten, wie Unschuldige fälschlich inhaftiert oder unbedeutende Kämpfer ohne Terrorverbindungen nach Guantánamo gebracht worden seien. Viele seien an das US-Militär für Kopfgeld verkauft worden. Der Daily Telegraph berichtete, nur 220 der seit 2002?insgesamt?779 Häftlinge seien als gefährliche Extremisten eingestuft worden. Mindestens 150 seien unschuldig inhaftiert worden. Der Rest seien Fußsoldaten der Taliban gewesen.

89-Jähriger unter Verdacht

Laut New York Times enthalten die Häftlingsakten oft widersprüchliche Angaben und ein „Flickwerk“ statt Beweisen, das „in vielen Fällen nie vor einem Gericht oder Militärtribunal Bestand hätte“. Die US-Behörden hätten sich vielfach auf Aussagen weniger Häftlinge gestützt, die unter Folter gemacht worden seien, schreibt der Guardian. Unschuldige seien unter fadenscheinigsten Vorwänden inhaftiert worden. Der Guardian nennt das Beispiel eines 89-jährigen Afghanen, der an Demenz gelitten habe. Im Haus des Greises seien „verdächtige Telefonnummern“ gefunden worden. Ein in das Lager gebrachter 14-Jähriger sei das Opfer einer Entführung gewesen. US-Behörden hätten ihn jedoch wegen seines „möglichen Wissens über lokale Talibanführer“ inhaftiert.

Knapp 100 Guantánamo-Häftlinge werden in den Akten nach Angaben des Guardian als depressiv oder psychisch krank beschrieben. Von den derzeit noch 172 in Guantánamo verbliebenen Häftlingen werden die meisten in den Akten als „hohes Risiko“ eingestuft, weiterhin eine Gefahr für die USA und die Verbündeten darzustellen. Allerdings traf das laut New York Times auch auf rund ein Drittel der 600 inzwischen abgeschobenen Häftlinge zu.

Das US-Verteidigungsministerium nannte die Veröffentlichung der Dokumente „bedauerlich“. Unterstrichen wird, dass sie aus der Zeit der Regierung unter Präsident George W. Bush stammten. Präsident Barack Obama hatte im Januar 2009 eine Überprüfung der Akten angeordnet.

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