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Bradley Manning Wikileaks Verräter oder Held?

In den USA steht von heute an der Wikileaks-Informant Bradley Manning vor Gericht. Sein Fall zeigt, in welche Gefahr sich weltweit all jene begeben, die brisante Interna öffentlich machen. Sogar in Deutschland. Ob Manning den Feinden der USA geholfen hat, ist umstritten

Bradley Manning wird nach der Anhörung aus dem Gericht eskortiert. Der Vorwurf gegen den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten lautet auf Geheimnisverrat. Foto: dpa

Daniel Ellsberg sitzt im Schatten eines Baumes und sagt, Bradley Manning sei für ihn ein amerikanischer Held, der sich wie kein anderer um die Meinungsfreiheit in den USA verdient gemacht habe. Ellsberg ist gewissermaßen der Vater der modernen Whistleblower, seit er Anfang der 70er Jahre die Pentagon-Papiere an die Öffentlichkeit gebracht hat. Daraus erfuhren die Amerikaner, dass ihre Präsidenten sie getäuscht hatten, als sie behaupteten, der Vietnam-Krieg diene der Sicherung der Demokratie. Danach wurde Ellsberg von den Behörden schikaniert.

Aber das sei nichts im Vergleich zu dem, was Bradley Manning drohe, sagt der 82-Jährige. Der Obergefreite, der die Wikileaks-Affäre auslöste, könnte demnächst zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden. Der Prozess gegen ihn beginnt heute vor einem Militärgericht in Fort Meade im Bundesstaat Maryland.

Manning, ein zierlicher Mann mit Brille, sitzt seit mehr als drei Jahren in US-Militärhaft. Der frühere Nachrichtenanalyst der US-Armee wurde im April 2010 in Bagdad festgenommen, weil er rund 700 000 Geheimdokumente an die Enthüllungsplattform Wikileaks von Julian Assange weitergab. Darunter das Video, auf dem US-Piloten im Irak Zivilisten töteten, dazu Berichte über die Behandlung von Guantánamo-Häftlingen und Depeschen von US-Diplomaten.

Während einer Anhörung vor Militärrichterin Denise Lind hat Manning schon im Februar gestanden, die Datensätze an Wikileaks gegeben zu haben. Er habe eine öffentliche Debatte über die Außen- und Verteidigungspolitik der USA lostreten wollen, sagte er: Ich wollte etwas tun, um ein reines Gewissen zu haben. Seinem Land habe er aber nicht schaden wollen. Allein dieses Geständnis könnte Manning am Ende des auf mindestens drei Monate angesetzten Verfahrens für 20 Jahre hinter Gitter bringen.

Doch die Militärstaatsanwälte wollen mehr. Sie werfen Manning vor, den Feind unterstützt zu haben. Aiding the enemy das ist ein Tatbestand, der in der US-Armee mit dem Tod bestraft werden kann, nach Mannings Geständnis aber mindestens lebenslange Haft zur Folge haben könnte.

Dieser Vorwurf wird im Zentrum des Verfahrens stehen. Wie es hieß, hoffen die Ankläger zum Beispiel auf die Aussage eines Mitglieds der Kommandotruppe, die Anfang Mai 2011 Osama bin Laden tötete. Die US-Soldaten sollen in Bin Ladens Hinterlassenschaft Dokumente gefunden haben, die von Wikileaks veröffentlicht wurden.

Was die Amerikaner über die Aussagen solcher Zeugen erfahren wird, ist unklar. Richterin Lind kündigte bereits an, Botschafter und Offiziere unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragen zu wollen. Nachträglich sollen die Aussagen zwar veröffentlicht werden allerdings mit schwarzen Balken an den entscheidenden Stellen.

Ist Manning ein Verräter oder ein Held? Daniel Ellsberg hat die Frage für sich schon lange beantwortet. Er bewundere Manning, sagt er. Die Amerikaner wüssten nun wieder einmal, dass sie nicht alles glauben dürften, was ihnen die Regierung erzähle.

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