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Mord an Trayvon Martin Sanford Clash

Der Mord an Trayvon Martin wird nicht aufgeklärt werden, weil die Polizei bei den Ermittlungen geschlampt hat. Eine Ursache ist, wie leider so oft in den USA: Rassismus. Besonders in diesem Fall: Das Opfer ist schwarz, der Täter ein „weißer“ Latino.

Der Tatort in Sanford. Foto: dapd

Der Mord an Trayvon Martin wird nicht aufgeklärt werden, weil die Polizei bei den Ermittlungen geschlampt hat. Eine Ursache ist, wie leider so oft in den USA: Rassismus. Besonders in diesem Fall: Das Opfer ist schwarz, der Täter ein „weißer“ Latino.

Und nun? Die Spezialermittler zum Todesfall des jungen Schwarzen Trayvon Martin haben neue Informationen veröffentlicht – und wir sind so schlau wie zuvor. Ja, es hat also ein Gerangel zwischen Martin und dem selbst ernannten Nachbarschaftswächter George Zimmerman in jener Gated Community in Sanford (Florida) gegeben. Zimmerman hielt Trayvon, der auf dem Heimweg war, irgendwie für verdächtig, bangte während des Gerangels angeblich um sein Leben und erschoss den Jungen kurzerhand. Danach berief er sich auf das in Florida gefährlich großzügig auslegbare Recht der Selbstverteidigung.

Viel mehr geht aus dem 183 Seiten starken Bericht (mit vielen geschwärzten Stellen) der Sonderermittler nicht hervor. Sie können den Tathergang nicht genau klären, wissen nicht, wer von den beiden um Hilfe rief – die einen Zeugen sagen dies, andere das. Sie wissen nicht, ob Zimmerman zu Recht sein Leben bedroht sah – leicht verletzt war er, was nicht wundert, wenn zwei sich auf dem Boden wälzen. Klar ist nur, was ein Polizist schon vor Monaten sagte: Zimmerman hätte die Begegnung mit Martin vermeiden können. Die Polizei hatte ihn sogar dazu aufgefordert, dem Jungen nicht zu folgen.

Nicht ordentlich ermittelt

Könnte der Bericht ergiebiger sein? Oh ja! Wenn die Polizei nach der Tat gleich eine Mordermittlung eingeleitet hätte. Stattdessen glaubte sie einfach dem „weißen“ Latino, dass der junge Schwarze mit Hoodie gefährlich zu sein schien und sein Leben bedrohte. Wie so oft in den USA wurde aus rassistischen Gründen nicht ordentlich ermittelt. Das Opfer war ja nur ein schwarzer Jugendlicher. Erst nach öffentlichem Druck – auch dank Präsident Barack Obama, dem „weißen“ Schwarzen – traten die Sonderermittler viele Wochen später auf den Plan.

Doch schon jeder, der mal „Homicide“ gelesen oder CSI geguckt hat, weiß: Nach so langer Zeit sind brauchbare Beweise am Tatort oder der Kleidung kaum noch zu finden. Und die Zeugenaussagen werden mit der Zeit auch nicht schlüssiger. Fälle wie dieser sind am Ende meist nicht mehr aufklärbar. Was bleibt, ist die Trauer der Familie und die Wut auf ein Rechtssystem, das wieder einmal kläglich versagt hat. Wie lange soll das eigentlich noch so weiter gehen – zumal in einem Staat, der bald nur noch aus vielen großen Minderheiten besteht, die sich gegenseitig oft genug zumindest misstrauen?

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