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Wahlkampf vor Ort (7): Utah Die Mormonenhochburg steht hinter Romney

Der Republikaner Mitt Romney könnte der nächste US-Präsident werden. In der Mormonenhochburg Salt Lake City kann er auf die uneingeschränkte Unterstützung der Menschen zählen. Nur weil er Mormone ist?

09.03.2012 11:00
Mohamed Amjahid
Salt Lake City Temple - der größte und bekannteste Tempel der Mormonen. Foto: Mohamed Amjahid

An diesem Morgen ist dieser für Mormonen heilige Ort ganz in weißen Sonnenstrahlen getaucht. Die Tempelanlage mit dem großen Tempel in der Mitte wirkt noch etwas verschlafen. Die weltweit 14 Millionen und in den USA rund 6 Millionen Anhänger der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage– wie es offiziell heißt – glauben, dass diese Anlage der "Link" zwischen unserer Erde und dem Paradies ist. Dieser Weg führe direkt zu Gott, der auf alle Mormonen und andere gutselige Menschen wartet.

Äußerst fürsorgliche Schwestern kümmern sich in dem riesigen Tempelkomplex um die Besucher, darunter tatsächlich interessierte Gläubige, aber auch Snowboarder, die ihre Zeit im Tal totschlagen müssen. Egal: Alle bekommen eine persönliche Führung mit einem Gratis-Lächeln. Im Tempelkomplex, liebevoll ausgestattet mit Jugendstil-Möbeln, können sich Touristen und Interessierte über die Geschichte, den Glauben und den Alltag der Mormonen informieren.

Schwester Jordan und Schwester Armstrong sind fein geschminkt, die Haare sind gestylt und das Outfit elegant ausgesucht. „Leider ist es verboten uns zu fotografieren“, sagt Schwester Jordan. Sie ist wie ihre Kollegin Anfang zwanzig, beide verrichten hier in Salt Lake City ihre moralische Pflicht. Mormonen sollten mindestens zwei Jahre Nichtgläubige bekehren, Mormoninnen steht es offen, ob und wie lange sie im Auftrag ihrer Kirche unterwegs sind: „Wir finden hier unseren Frieden“, sagt Schwester Jordan, die aus Wilhemshaven für zwei Jahre nach Utah gezogen ist, um ihre Mission zu erfüllen.

Ihre Tandempartnerin aus dem Bundesstaat Washington stimmt ihr zu und erklärt, dass der Freiwilligendienst sogar aus eigener Tasche finanziert werden muss: „Einige Freunde und sogar Familienmitglieder verstehen nicht, dass ich hierfür noch bezahle, um fern von Alkohol, Drogen und Co zu bleiben. Dafür bin ich aber sehr nah bei Gott.“

Wie viele andere Mormonen betonen die beiden Schwestern, dass sie niemanden, auch keinen Präsidentschaftskandidaten, nur wegen seiner Religion unterstützen würden. Es gehöre definitiv mehr dazu. Romney ist ihnen dennoch nicht unsympathisch.

"Santorum ist wie Obama und Romney ist wie Merkel"

Jacob Hill ist Vater von vier Kindern, er managt die Anwaltskanzlei seines Schwiegervaters und spricht perfekt Deutsch mit einem netten amerikanischen Akzent: „Als ich in Deutschland auf Mission war, haben sie mich alle gefragt, warum ich das mache“, erzählt der Sohn eines US-Offiziers, der in Deutschland stationiert war. Jacobs Antwort lautete oft: „Weil ich daran glaube, mein Leben dadurch einen Sinn ergibt und es das zweitschönste Erlebnis für mich war.“ Noch schöner sei nur seine Hochzeit gewesen.

Jacob diskutiert sehr gerne über Politik. Der anstehende Präsidentschaftswahlkampf ist definitiv das Hauptthema: „Obama hat uns Rekordschulden, Massenarbeitslosigkeit und zu hohe Lohnnebenkosten beschert, deswegen muss eine Alternative her“, sagt Jacob - wissend, dass „in Deutschland und Europa anders über alles gedacht wird“. Er bedauert, dass er wegen der gestiegenen Ausgaben für die Krankenversicherung Gehaltserhöhungen streichen und Sozialleistungen für seine sechs Mitarbeiter zurückfahren musste: „Obama macht kleine Unternehmen kaputt, weil er zu viel verspricht.“

Da Jacob Republikaner ist, kann die Lösung nicht weit liegen. Aber auch er betont: „Ich unterstütze Romney nicht automatisch, nur weil er Mormone ist.“ Im konservativen Utah habe es aber sowieso keinen Sinn, sich groß darüber Gedanken zu machen. Eine überwältigende Mehrheit würde den Mormonen Mitt Romney wählen: „Da habe ich keinen großen Einfluss auf das Ergebnis.“

„Zwar hat Romney sehr viel Erfahrung in der Wirtschaft gesammelt, aber er hat kein Charisma, in etwa so wie Angela Merkel“, sagt Jacob, „beide können managen, das aber nicht besonders sympathisch.“ Dass Romney auch ohne Ausstrahlung die Wirtschaft wieder hinbekommt, da ist sich Jacob sicher: „Er hat im Jahr 2002 die Olympischen Winterspiele hier in Salt Lake City gerettet, ohne ihn hätten wir ein finanzielles Desaster erlebt.“

Andererseits sei sein Rivale Rick Santorum auch keine wirkliche Alternative. Zwar sei Romneys Herausforderer rhetorisch begabt, aber so wie im Jahr 2008 Barack Obama, „hat Santorum keine Erfahrung in nichts“. Dann doch lieber den unsympathischen, erfahrenen Unternehmer Romney wählen.

Utah steht hinter Romney wie eine Eins, auch ohne Charisma und Rhetorikbegabung - hier muss er keine Werbung für sich machen, und das liegt vielleicht doch auch ein bisschen daran, dass er Mormone ist.

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