Lade Inhalte...

Wahlkampf vor Ort (14) Ein Marshallplan für die USA

Die Infrastruktur in den USA kann nicht überall marode sein, manchmal existiert sie gar nicht. Öffentliche Transportmittel gibt es oft nicht. Elektroleitungen, Brücken und Straßen bereiten Sorgen. Viele Gelegenheiten für Investitionen, die aber auf sich warten lassen.

16.03.2012 12:49
Das Greyhound-Logo, ein traurig blickender Windhund. Foto: M. Amjahid

In den Bus von Calexico an der mexikanischen Grenze nach Phoenix in der Mitte von Arizona haben sich heute vier Fahrgäste verirrt. Immerhin: Auf einigen Strecken befördern die Busse auch schon mal zwei Personen, inklusive Fahrer.

 „Warum machst Du das?“, lautet meistens die Reaktion, wenn Menschen in diesem Land mitbekommen, dass jemand den Bus oder – noch seltener vorhanden – den Zug von A nach B – mehr oder weniger freiwillig – nutzt. Das gilt nicht nur in den meisten Städten für den öffentlichen Nahverkehr, auch und besonders was Mittel- und Langstrecken angehen: „Warum tust Du Dir das an?“

 Tatsächlich mutet der „Greyhound“-Bus jeden frühen Morgen vor Abfahrt wie ein fahrender Alptraum. Das Logo, ein traurig blickender Windhund, steht für Urinduft in defekten Toiletten, freundliche, aber meistens ratlose Mitarbeiter am Schalter und regelmäßige Pausen bei McDonald’s, manchmal auch bei Burger King, Taco Bell oder In-n-Out-Food. Und natürlich für die einzige Alternative zum Auto in manchen Teilen der USA.

 Die Ausrede für die nicht vorhandenen Gemeinschaftstransportmittel lautet meistens: „We have a huge country.“ Tatsache: die Vereinigten Staaten von Amerika stellen das flächenmäßig drittgrößte Land der Welt. Dieses Argument gilt aber nicht. Man darf doch von der einen in die andere Stadt im selben Bundesstaat reisen, auch wenn man kein Auto hat.

Schöne Landschaft voll schlaffer Elektroleitungen

Vom Bus aus lässt sich eine sehr gute Studie zum Zustand der US-Infrastruktur durchführen. Die Gründerväter und Mütter haben zum Beispiel ganze Arbeit geleistet, indem sie in jedes Kaff im Landesinneren eine Elektroleitung legten.

Ihre Söhne und Töchter haben seitdem nicht viel verändert: Die Masten sind aus faulem Holz, die Kabel hängen erstaunlich schlaff, so dass einige Vögel sie als Schaukel nutzen können. Auf jeden Fall sollte man nicht zu lange beim Schaukeln zuschauen, das macht nur noch reisekränker.

Dieser Zustand trifft auf vieles zu: Brücken sind verrostet, Güterzüge fahren durchgehend im Schneckentempo, weil die Schienen auch von den Gründerjahren berichten könnten. Nur die modernen Grenzanlagen zu Mexiko (Kameras, Helikopter, Pufferzonen) werden mit viel Geld gepflegt.   

Was bleibt von Obamas Konjunkturpaket?

Auf dem Höhepunkt des Medienrummels rund um die Finanzkrise und kollabierende Banken, die zu Rezessionen weltweit geführt haben, hatte Barack Obama eine pfiffige Idee. Zu den Midterm-Wahlen im November 2010 hat er sein ursprüngliches Wahlversprechen von 2008 wiederholt: Jobs, Jobs, Jobs. Deswegen wollte Obama (noch) einen milliardenschweren Kredit aufnehmen und marode Brücken restaurieren, Flughäfen modernisieren, Gleise für Schnellzüge legen lassen und Elektrizitätsnetze ins 21. Jahrhundert holen. Das würde Jobs und eine bessere Infrastruktur bringen.  

Doch Zweierlei machte ihm einen Strich durch die Rechnung: das sowieso exorbitante Staatsdefizit und die Republikaner, die im Repräsentantenhaus bei den Wahlen im Jahr 2010 die Mehrheit errungen hatten. Aus war der Traum eines Marshallplans für das eigene Land. Das Thema bleibt aber für diesen Wahlkampf erhalten und verspricht wieder viel Zündstoff.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum