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Wahlkampf vor Ort (10): Las Vegas im Nascar-Fieber „Ihr verf****** Europäer!“

Die Liebe zum Kraftfahrzeug zeigt sich in den USA bei der Nascar-Rennklasse in ihrer vollsten Ausprägung. Es gibt Fans, die tun nichts anderes als den Rennautos hinterherzufahren, andere warten nur darauf sich endlich offiziell zu beschweren. 

13.03.2012 12:11
Mohamed Amjahid
Rocky ist glühender Fan des wilden Autorennens "Nascar", seine Frau Sandy teilt dieses Hobby. Zum 55. Geburtstag hat sie von ihrem Ehemann ein Nascar-Wochenende geschenkt bekommen. Foto: Mohamed Amjahid

An diesem Morgen hat sich vor einem Kasino eine Gruppe Rennfans versammelt. Auf ihren Mützen, auf ihren T-Shirts steht „Nascar“, sie tragen diese traditionelle Tracht mit geschwollener Brust: „Ich bin schon seit 1985 dabei, und so kann ich mir auch das Geburtsjahr meiner Zwillinge merken. Im gleichen Jahr habe ich mit Nascar angefangen“, Larry lacht. Seitdem fährt er von Kalifornien aus zu fast jedem Nascar-Rennen.

Nascar das sind vor allem spektakuläre Überholmanöver, Aufsehen erregende Crashs und ohrenbetäubende Motoren. In Las Vegas lässt sich davor und danach zudem gut feiern: „Las Vegas ist das Highlight in der Saison, nicht nur dass die Strecke hier verdammt schwer ist, wir können nach dem Rennen saufen und unser Monatsgehalt verspielen“, erzählt Larry. „Ich liebe den Geruch von Reifen und Benzin und fühle mich als richtiger Amerikaner dabei“, sagt Rocky.

Nascar-Wochenende zum Geburtstag

Der 55-jährige ist vor jedem Rennen aufgeregt wie ein 5-jähriger. Aber heute ist ein besonderer Tag: „Meine Frau Sandy hat Geburtstag, und ich habe ihr ein Nascar-Wochenende geschenkt. Aber wenn sie nicht bald mit Pullern fertig ist und aus der Toilette kommt, fahren wir ohne sie los“, sagt Rocky, „für uns ist Nascar wichtiger als alles andere.“

Die Busfahrerin hupt zwei Mal. Keiner möchte das Rennen verpassen, Sandy rennt aus dem Kasino und springt ihrem Mann in den Bus hinterher. Immerhin ist das ihr Geburtstagsgeschenk und ihr Favorit mit der Nummer 11 hat gestern beim Qualifying eine gute Performance hingelegt: „Jetzt soll er mir verdammt noch mal ein schönes Geburtstagsgeschenk machen!“

„Foxnews hat gesagt, dass…“ 

Nascar-Fans sind Republikaner. Aber nicht alle sind so friedlich wie Larry, Rocky und das Gebu-Kind Sandy. Am Abend zuvor, bei der ersten Begegnung mit Nascar-Fans, reagiert ein sehr fettleibiger Mann geradezu allergisch auf den Europäer am Tresen.

Der Nichtamerikaner und Journalist, der den Fehler begeht sich in einem Nebengespräch als NPR-Fan zu outen, weil der nationale öffentlich-rechtliche Radiosender ein liberales Profil pflegt und guten Journalismus betreibt, ist ein gefundenes Fressen für den Dicken mit einem Burrito in der linken und einem zweiten Burrito in der rechten Hand. Er arbeitet beim 24-Stunden-Nascarfernsehsender „Speed TV“ als Techniker und verbringt praktisch sein ganzes Leben auf der Piste.

Er beißt ein Mal links, ein Mal rechts, kaut zwei Mal und schreit mit vollem Mund: „Ich habe gehört, dass Du aus Europa kommst und für NPR arbeitest. Ihr solltet unsere verf***** Kultur respektieren, wir sind stolz auf unsere verf***** Kultur, auf Nascar, auf Burger, auf Waffen, auf unsere Frauen, auf die Republikaner, auf George Bush Junior und Senior, auf Rick Santorum und Mitt Romney.

Sie haben bei Foxnews gesagt, dass ihr Euch darüber lustig macht. Stimmt das? F**** Euch doch alle!“ (Einen herzlichen Dank an dieser Stelle für das de-eskalierende Eingreifen einiger anderer Nascar-Fans).

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