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US-Wahlkampf vor Ort (29) Die Krise und der Wahlkampf

Die Nachwehen der Finanz- und Wirtschaftskrise werden in den nächsten Wahlkampfmonaten schmerzhaft, vor allem für Barack Obama. Die Bankenrettung entzweit immer noch Republikaner und Demokraten. Die Manager sind dagegen längst wieder bei „business as usual“.

10.04.2012 11:55
Mohamed Amjahid
In Miami lassen sich Wohnungen deutlich unter dem amerikanischen Durchschnittswert erwerben. Viele Käufer gibt es dennoch nicht. Foto: Mohamed Amjahid

Die Brickell Avenue in Downtown Miami kann es getrost mit der Wall Street in Manhattan aufnehmen. Hier findet sich die größte Ansammlung internationaler Banken und ihrer Ableger in den USA. Wer hätte gedacht, dass sich Bankenmanager aus aller Welt das sonnige Südflorida als Arbeitsplatz aussuchen.

Kurz nach Feierabend liegen die Krawatten locker, die Stöckelschuhe in den Händen ihrer Besitzerinnen. Endlich langes Osterwochenende! Schnell weg vom Büroalltag. Vielleicht weigern sich deswegen deutlich mehr als zwei Duzend Menschen, die aus einem der Bürohochhäuser strömen, ihre Meinung zur Krise und dem anstehenden Präsidentschaftswahlkampf zu äußern.

Ein „young professional“, der sich hinter einer verglasten Sonnenbrille versteckt, ist der einzige der zu diesem Thema kurz Stellung nimmt: „Krise? Uns geht es blendend, die Geschäfte laufen nicht schlecht. Ich interessiere mich aber nicht für den Wahlkampf, deswegen kann ich dazu nicht viel sagen“, kurze Zeit später kommt er mit seinem roten Sportwagen um die Ecke gedüst und hält an: „Hey! Du! Unsere Branche ist systemrelevant und deswegen war es das Mindeste uns zu retten!“, dann gibt er Gas. So wie seine Kollegen hat er es besonders eilig: bloß nicht schon wieder über Krise und Privilegien reden.

Immobilienkrise: 300 Prozent schlimmer

Nicht überall ist „business as usual“ wieder Alltag. 2008 platzen die Träume Tausender Amerikaner von einem Luxusapartment oder einem Haus auf Pump. Miami ist einer der Orte in den USA, der am härtesten von der Immobilienkrise getroffen wurden und immer noch darunter leidet. Viele Wohnungen stehen leer, viele Baustellen sind verweist. Seit Jahren tut sich hier nichts.

Die Bauwut ist zwar immer noch allgegenwärtig, aber das nötige (virtuelle) Kapital ist nicht wieder zurückgekehrt. Und so liegen die Immobilienpreise in einigen Nachbarschaften mehr als 65 Prozent unter dem Allzeithoch im Jahr 2006. Dabei meinten manche Wirtschaftsexperten, dass die Krise schon vor rund einem Jahr ihren Tiefpunkt überwunden hatte.

Gemessen am Leerstand im Rest der USA, ist es hier rund 300 Prozent schlimmer. Ein übliches „Condo“, also eine Eigentumswohnung, kostet im amerikanischen Durchschnitt 230.000 Dollar, in Miami kostet das Vergleichsobjekt mit zwei Zimmern, einer Küche und einem Bad nur 155.000 Dollar. Dennoch finden sich zu wenige Käufer auf dem Markt in Südflorida, die das Überangebot ausschöpfen könnten. Obwohl es ein Viertel weniger Wohnungen zu kaufen gibt als noch vor einem Jahr.

Immobilienmakler sagen eine Normalisierung der Preise und des Marktes erst für das Jahr 2014 voraus. Südflorida trägt damit wohl möglich – zusammen mit dem Bundesstaat Nevada – die rote Laterne bei der Erholung von der Immobilienblase. Auch der Frühling, besser bekannt als Immobiliensaison, bringt in Miami nur langsame Erholung. Die Zeit in denen die Banken wieder mit grenzenlosen Immobilienkrediten ein gutes Geschäft machen, ist zumindest in Miami noch nicht da.

War die Bankenrettung richtig?

In den ersten Fernduellen zwischen Barack Obama und seinem (höchst-)wahrscheinlichen Herausforderer Mitt Romney ging es vor allem um die Vergangenheit. Der Republikaner greift an, der Präsident verteidigt und erklärt sich geduldig. Wir werden es wohl nie erfahren, was passiert wäre, hätte der Präsident im Jahr 2008 und später die meisten Banken pleite gehen lassen. Aber dieses Was-wäre-wenn-Szenario kristallisiert sich als eines der Hauptargumente der Republikaner heraus.

Bei einer seiner seriösesten Wahlkampfreden vor Verlegern in Washington sagte Mitt Romney mit nachdenklichen Blicken und weniger Gejohle als sonst: „Obama hat Billionen von Dollar an die Banken verschenkt, wir hätten den gleichen Effekt erzielen können, ohne so viel Steuergelder aus dem Fenster zu schmeißen.“ Mittlerweile steht das exorbitante Haushaltsdefizit im Vordergrund und Barack Obama steht bei vielen Amerikanern, vor allem rechts von der Mitte als „größter Schuldenpräsident der Geschichte da“, wie Romney ihn immer wieder beschreibt.

„Der Markt hätte auch alles günstiger geregelt und wir hätten wegen der Schuldenkrise keine Jobs verloren“, erklärt Romney. Der konservative Sender Fox News machte aus dieser Rede die Schlagzeile: „Endlich sagt jemand die Wahrheit!“. CNN versuchte im Spätprogramm – wenn die Einschaltquoten für Serien und Filme am höchsten sind – Romneys Argumente zu zerlegen: „Obama hat mit der Bankenrettung keine Jobs vernichtet, unterm Strich und aus heutiger Sicht hat er keine Jobs geschaffen, aber weniger verloren als George W. Bush.“

Wie dieser Schlagabtausch bei den Wählern ankommt? Lassen wir lieber die Spekulationen darüber.

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