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US-Wahlkampf vor Ort (28) Der Esel schlägt zurück

Alle reden über die Republikaner und ihre Vorwahlen zum Präsidentschaftswahlkampf. Was ist aber mit den Demokraten? Ein Besuch bei der Parteibasis in Orlando zeigt, dass sich auch die Eselspartei für den großen Wahlkampf warm läuft.

05.04.2012 13:07
Mohamed Amjahid
Das alte Wahlkampfmaterial wird bald hinter dem Kopierer wieder ausgegraben. Foto: Mohamed Amjahid

Alle reden über die Republikaner und ihre Vorwahlen zum Präsidentschaftswahlkampf. Was ist aber mit den Demokraten? Ein Besuch bei der Parteibasis in Orlando zeigt, dass sich auch die Eselspartei für den großen Wahlkampf warm läuft.

Die Wahlkampfzentrale der Demokraten in Orlando, Florida, ist eine Mischung aus antiker Bibliothek und Gemischtwarenladen. Auf den Tischen liegen alte Flyer, stehen Kaffeebecher und viele Laptops, in den Regalen stapeln sich Enzyklopädien, Dokumente und natürlich Werbebriefe, die bald an die Wählerschaft verschickt werden sollen. Es ist etwas chaotisch und sieht nach Arbeit aus: „Wir unterstützen die Kampagnen unserer Kandidaten für das Parlament von Florida und für den Kongress in Washington“, sagt der demokratische Wahlkampfkoordinator Scott Randolph. Aber auch Barack Obama bekommt hier die lokale Unterstützung, die er braucht.  

Gestern war ein guter Tag für Scott. Er und sein Team haben dem demokratischen Bürgermeister von Orlando, John Dyer – besser bekannt als „Buddy“ – zur Wiederwahl verholfen: „So wird es auch im November sein“, erledigt Scott seinen Job und versprüht Siegesgewissheit, „wir Demokraten müssen unsere Wähler nur motivieren, so dass sie auch wählen gehen.“

Demokraten muss man schupsen

„Die Republikaner werden von einer Minderheit gewählt, die aber immer brav an die Urnen schreitet“, erklärt Scott die traditionelle konservative Parteiverbundenheit und rechnet aus, dass die Republikaner in Florida netto rund 18 Prozent der Bürger an sich binden können, die, wenn es darauf ankommt, fleißig wählen gehen. Demokraten profitieren also von einer hohen Wahlbeteiligung, was in den USA aber meistens nur mit Mühe und Fleiß erzielt werden kann: „Bei den letzten Wahlen lag die Beteiligung in Florida bei rund 47 Prozent, das müssen wir ändern.“ Deswegen fangen die zumeist jungen Berufswahlkämpfer und Wahlkämpferinnen schon jetzt an, „Klinken zu putzen, Flyer zu verteilen und Hände zu schütteln“.

In den USA haben Wähler mehrere Wege, um ihre Stimme abzugeben. Wie in Deutschland gibt es neben dem regulären Wahltag die Möglichkeit, per Briefwahl abzustimmen, aber auch das so genannte „early voting“, bei dem ausgewählte Wahllokale für alle Bürger schon ein bis zwei Wochen früher öffnen: „Die Republikaner haben aber verstanden, dass sie vor allem von einer niedrigen Wahlbeteiligung profitieren, hier in Florida und in anderen im letzten Jahr von Republikanern geführten Bundesstaaten wurden deswegen diese Alternativen zum Hauptwahltag entweder abgeschafft oder verkompliziert“, beschwert sich Scott. Das Wahlrecht wird in den USA von den einzelnen Bundesstaaten bestimmt. Scott ist sich sicher, dass die Abwahl Obamas für die Republikaner so lebenswichtig geworden sei, dass sie nicht vor Gesetzesänderungen im Wahlrecht zurückschrecken. 

„Wer Florida gewinnt, hat die Wahlen gewonnen“

 „Weil wir hier in Orange County maßgeblich mitentscheiden, wer Florida gewinnt, wird hier entschieden, wer der mächtigste Mann der Welt wird - oder wer es bleibt“, erklärt Scott stolz. Florida ist ein so genannter „swing state“, hier bleibt es meistens bis zum Wahltag offen, welcher Kandidat die Mehrheit bekommt - „and the winner takes it all“.

George W. Bush gewann hier im Jahr 2000 nur mit 537 Stimmen Vorsprung gegen seinen damaligen Herausforderer Al Gore: „2008 hatte Obama aber zehntausende Stimmen Vorsprung zu John McCain und das werden wir diesmal wieder schaffen.“ Scott erklärt: „Je konservativer die Republikaner werden, desto leichter fällt uns unser Job.“ In den urbanen Zentren von Florida, so auch in Orlando, hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr liberales Klientel angesiedelt: Rentner aus New York, Schwule und Lesben, Latinos aus Puerto Rico.

„Ich kann gut mit Romney leben“

Scotts Job ist es den republikanischen Gegner klein zu reden. Er ist mittlerweile schon im Wahlkampfmodus, Romney bietet ihm dazu noch genügend Angriffsfläche, vor allem was das Thema Steuern angeht: „Er möchte die reichsten Amerikaner, die ein Prozent der Bevölkerung ausmachen, quasi von Steuern befreien. Natürlich finanzieren diese dann mit einem Bruchteil ihres Vermögens seine Kampagne, das ist unfair gegenüber der wichtigen Mittelklasse in diesem Land, und gegenüber den Bedürftigen, die sowieso viel zu viel leisten.“ Für ihn enthält Romneys Agenda „Außenpolitik aus Jahren des Kalten Kriegs, Gesundheitspolitik exklusiv für Reiche und viel Egozentrismus“.

Den republikanischen Vorwurf, die Demokraten seien zu „europäisch“, begegnet Scott mit einem herzhaften Lachen und der Versicherung, dass er nichts gegen die Europäer einzuwenden hat: „Aber wir sind nicht europäisch, wir sind gemäßigt, und die Europakarte spielt Romney, weil vielleicht nur zwei Prozent der Amerikaner schon mal in Europa waren, und wenn man etwas nicht kennt, hat man halt Angst davor.“ Der demokratische Esel - das Symbol der Partei - trage nicht zu Unrecht die „stars and stripes“.

Präsident Obama hat vor kurzem in einer Rede zum ersten Mal den Namen Mitt Romney mit der Formulierung „mein Herausforderer“ kombiniert. Scott ist zufrieden mit der nun klaren Ausgangsposition: „Ich kann gut mit Romney leben, es ist mehr als nur möglich, ihn zu schlagen.“ Wenn sie nur ihre eigene Wählerschaft überzeugen können, wählen zu gehen.  

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