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US-Wahlkampf vor Ort (27) Von guten und schlechten Einwanderern

Sie sind gut ausgebildet, arbeiten „eight to five“, zahlen ihre Steuern: Vorzeigeamerikaner kommen aus Indien. Wer ins Weiße Haus einziehen oder dort bleiben will, versichert: Diese Menschen wollen wir. Andere Einwanderer sind dagegen allen Bewerbern ein Dorn im Auge.

04.04.2012 11:49
Mohamed Amjahid
Dwarakesh Ravichandran arbeitet jetzt in den USA. Foto: Mohamed Amjahid

Sie sind gut ausgebildet, arbeiten „eight to five“, zahlen ihre Steuern: Vorzeigeamerikaner kommen aus Indien. Wer ins Weiße Haus einziehen oder dort bleiben will, versichert: Diese Menschen wollen wir. Andere Einwanderer sind dagegen allen Bewerbern ein Dorn im Auge.

Vor drei Jahren hat Dwarakesh Ravichandran in Indien fleißig programmiert, bis eine Datenbank sein Leben veränderte: „Das Unternehmen, für das ich in Indien gearbeitet habe, hat Daten über uns Beschäftigte gesammelt und ich wurde von der Datenbank für eine offene Stelle hier in Jacksonville vorgeschlagen.“ Seit drei Jahren schreibt er für das gleiche Logistikunternehmen neue Programme in der Konzernzentrale in Nordflorida.

Im Süden der größten Stadt der USA (zumindest was die Fläche angeht) haben sich viele Familien aus Indien niedergelassen: Ärzte, Ingenieure und vor allem Informatiker leben und arbeiten hier. „Ich wollte schon immer in die USA und habe mich natürlich über das Angebot gefreut“, sagt Dwarakesh, „ich kann mir vielleicht vorstellen woanders zu sein, aber jetzt bin ich nun mal hier und das ist auch gut so.“

Der 25-jährige Informatiker möchte sich um eine Greencard und später um eine US-Staatsbürgerschaft kümmern: „Ich kann mir auch vorstellen zurück nach Indien zu gehen, aber ich finde es hier gar nicht so schlecht, wie gesagt.“ Als wäre er nicht Vorbild genug, engagiert sich der IT-Experte in einem Mentoringprogramm für Schüler in Jacksonville: „Wir betreuen die Kinder für ein Jahr und legen ihnen Unternehmertum, Wirtschaftswissen und Fleiß nahe.“

So wie Abfall

An dem Seiteneingang eines Restaurants in der Innenstadt von Jacksonville stopft Mario* Müll in eine große schwarze Tonne. Die riesigen Müllsäcke sind zu groß und zu voll für die Öffnung des miefigen Behälters. Als hätte er keine Wahl, lehnt er sich mit Arm, Schulter und Kopf gegen die widerspenstigen Müllsäcke, die so groß und mindestens doppelt so breit wie er selbst sind.

Mario ist aus Guatemala in die USA gekommen. Er spricht kein Englisch. Nur Spanisch. Zaghaft erzählt er, dass er vor rund einem Jahr über die mexikanische Grenze illegal eingereist ist. Die Geschichten über diese waghalsigen Schmugglerrouten kennen wir bereits: „Ich arbeite mal hier, mal dort, diesen Job hat mir ein Freund vermittelt.“

Jährlich versuchen allein rund 200.000 Mexikaner heimlich über die Grenze in die USA einzureisen. Es wird geschätzt, dass sich rund zwölf Millionen Menschen ohne Dokumente im Land befinden. 

Auf die Frage, wie viel Mario im Restaurant verdiene, antwortet er: „Genug, so dass ich hier überleben kann“, nach einer langen Pause fährt er fort: „Genug, dass ich meiner Mutter und meinen Kindern in Guatemala etwas schicken kann.“ Es scheint so, dass in den USA vor allem Unternehmen die billige Arbeitskraft der vor allem aus Mittel- und Südamerika stammenden Einwanderer schätzen. Sonst scheint es so, als würden sie alle hassen. Die Seitentür zum Restaurant öffnet sich: „What are you doing?“, fragt der Restaurantbesitzer hörbar erbost. Mario verpasst dem letzten Müllsack den letzten Schlag und verschwindet kommentarlos in der Küche.   

Minimale Unterschiede

Obama, aber auch seine Herausforderer stellen klar: „Our immigration system is broken“. Deswegen wollen alle nach der Wahl im November eine umfassende Reform des Einwanderungssystems anpacken. Auf der offiziellen Internetseite des Weißen Haus’ klingen die Formulierungen ähnlich, wenn auch politisch korrekt, im Vergleich zu den Wahlkampfseiten von Mitt Romney und Rick Santorum.

Bei Mitt Romney heißt es: „Ich möchte die Einwanderung von hoch qualifizierten Arbeitskräften fördern und erleichtern und lehne Illegale strikt ab.“ Rick Santorum, Sohn eines italienischen Einwanderers, schreibt: „Ich werde unsere Grenze zu Mexiko endlich sichern, illegale Einwanderer ausweisen und dafür sorgen, dass hoch qualifizierte Einwanderer ins Land kommen können.“ Barack Obama verkündet dementsprechend: „Meine Regierung wird dafür sorgen, dass die USA vom Wissen hoch qualifizierter Einwanderer profitiert und wird die undokumentierten Einwanderer im Land zur Verantwortung ziehen.“

 

* Name geändert

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