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US-Wahlkampf vor Ort (20) „Obama tut zu wenig für Israel“

Jüdische Gemeinden haben in den USA eine lange Tradition und eine starke Lobby. Beim Beatles-Shabbat wird über den eigenen Einfluss bei den Präsidentschaftswahlen und über die Rolle der USA im Nahostkonflikt diskutiert.

26.03.2012 10:38
Mohamed Amjahid
Shabbatabend der Gemeinde Beth Israel in Housten. Foto: Mohamed Amjahid

Die modern gestaltete Synagoge platzt an diesem Shabbatabend aus allen Nähten. Der Andrang ist so groß, dass kurzfristig noch Stühle organisiert werden müssen. „Ich freue mich sehr, dass heute unser spirituelles Beatles-Konzert so großen Anklang findet“, freut sich der Rabbi, nur um zügig mahnende Worte nachzuschieben: „Wenn es nur jeden Freitagabend so wäre!“

Die Gemeinde von Beth Israel hat zu einem speziellen Shabbatfest eingeladen. Denn die Gemeindemitglieder sind hier in Houston vielleicht etwas zu liberal und nehmen es nicht so ganz ernst mit der Anwesenheitspflicht. Während des Gottesdienstes checken einige Gläubige ihre Mails auf ihren Smartphones, immerhin sie sind heute hier.

Auf dem Altar hat die Familie vom nun erwachsenen Ronen Platz genommen. Sie feiert das ganze Wochenende die Bar Mitzvah ihres Sohnes und dient dem Rabbi abermals als Steilvorlage: „Diese Familie ist ein fester Bestandteil des jüdischen Lebens in Houston, ich sehe sie jeden Shabbat in der Synagoge und freue mich jedes Mal darüber.“

„Wir unterstützen nun mal Demokratien“

Nach dem Gottesdienst sind Familiengeschichten, das heutige Fußballspiel Seattle gegen Houston und die anstehenden Präsidentschaftswahlen Thema. Mark Levin ist in der Gemeinde zuständig für die musikalisch-religiöse Ausbildung des Nachwuchses: „Republikaner tun mehr für Israel und den Frieden in Nahost, das ist gut.“ Von der jetzigen Regierung ist er enttäuscht: „Obama tut zu wenig für Israel“, damit deutet er auf Obamas Abkehr von der bedingungslosen Unterstützung der Politik der israelischen Regierung: „Dabei machen sie in Jerusalem sehr gute Politik“.

Die USA haben laut Mark sowieso keine andere Wahl als Israel voll und ganz zu unterstützen: „Israel ist die einzige Demokratie in Nahost, Araber wollen Krieg“. Weil Obama zumindest rhetorisch nicht mehr alles mitmacht, fühlt sich Mark mehr in seinem persönlichen Beitrag bestätigt: „Ich fahre regelmäßig nach Israel und kaufe regelmäßig israelische Anleihen.“

„Wir warten nicht auf Washington“

Im beeindruckenden und ausführlichen Holocaust-Museum in Houston, in dem Schulklassen über die Gräueltaten Nazideutschlands aufgeklärt werden, sieht das „wahre Israel“ auf einer Landkarte etwas größer aus: Vom Roten Meer bis nach Nordsyrien, und vom Mittelmeer bis ins heutige Jordanien sind die Grenzen dort eingezeichnet. „Ich unterstütze keine Siedler“, stellt Mark klar. Es seien zehn Prozent, die Israels Image international Probleme bereiten.

Auch wenn die Räumung des Gaza-Streifens im Jahr 2005 seiner Meinung nach ein großer Fehler war: „Nun fliegen täglich Hunderte Bomben auf Israel. In angespannten Zeiten in Nahost mit Revolutionen, zerfallenden Staaten und aggressiven Tönen aus Teheran sei die uneingeschränkte Unterstützung aus Washington wichtig: „Israel wird sich mit oder ohne USA gegen Iran und seine Feinde verteidigen.“ Egal welcher Präsident dann im weißen Haus regieren wird, er wird es schwer haben die verbündeten Israelis zu ignorieren.

Jüdischen Gemeinden wird in den USA großer Einfluss nachgesagt. Im Jahr 2008 unterstützten sie maßgeblich die Bewerbung von Hillary Clinton für das weiße Haus, am Ende wurde Barack Obama demokratischer Kandidat und Präsident: „Wir haben nicht Wahl entscheidenden Einfluss, wir haben nur Einfluss“, sagt Mark.

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