Lade Inhalte...

Stephen Bannon Die Spinne im Netz

Trumps Chefberater Bannon hat Ziele: Er stellt Amerika über alles und will eine weltweite rechte Internationale schaffen. Chaos anzurichten ist Teil seiner Strategie.

Stephen Bannon gilt als der mächtige Mann hinter Donald Trump. Foto: imago/UPI Photo

Das Wort „Chaos“ hat für den Mann an Donald Trumps Seite keinen bitteren Beigeschmack. Stephen Bannon (62) benutzt politisches Durcheinander als Taktik, die darauf angelegt ist, den Gegner zu überwältigen. Oder ihn abzulenken, um wichtigere Ziele durchzusetzen. Nicht weniger als das hat sich der ehemalige Wahlkampf-Manager Trumps, Chef bei der rechten Agitprop-Plattform Breitbart und ehemalige Navy-Offizier mit Harvard-Abschluss vorgenommen.

Die ersten beiden Wochen des neuen Präsidenten im Weißen Haus geben einen Vorgeschmack auf das, was kommt. Eine Revolution von oben, die sich gegen das liberale Amerika richtet und die Weltordnung, die daraus hervorgegangen ist.

In schneller Abfolge kündigte Trump das transpazifische Freihandelsabkommen TPP auf, erteilte den Befehl zum Mauerbau und verhängte einen Einreisestopp für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Staaten. Als Demonstranten zu Zehntausenden ihren Unmut spontan auf die Straße trugen, nutzte Bannon die Ablenkung der Medien zu einem persönlichen Coup im Weißen Haus.

Er jubelte dem Präsidenten den Umbau des Nationalen Sicherheitsrats (NSC) unter. Während der Joint Chiefs of Staff und der CIA-Direktor in dem Exekutivbefehl zur Reform des NSC abgestuft werden, erhält der Chefberater einen festen Platz in dem Gremium, das Trump zu Krieg und Frieden berät.

„Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht“, kokettiert der raubeinige Bannon mit seiner Rolle im Weißen Haus. Ähnlich unbescheiden wie sein Chef vergleicht er sich in dem Gespräch mit einem amerikanischen Reporter mit dem mächtigen Gehilfen Heinrich des Achten. „Ich bin Thomas Cromwell am Hofe der Tudors.“

Der historische Vergleich ist nicht so weit hergeholt. Das „Time“-Magazin nennt Bannon in der Titelgeschichte seiner jüngsten Ausgabe „den zweitmächtigsten Mann der Welt“. Und „Saturday live“ lässt ihn als düsteren Sensenmann hinter Trump auftauchen. Niemand sonst kann es sich leisten, mit zerknüllter Hose, offenem Hemd und unrasiert einfach so ins Oval Office zu spazieren.

Bannon teilt Trumps politische Instinkte. Die beiden verstehen sich als Störenfriede, die sich vorgenommen haben, die globalen Eliten aufzumischen. „Wir sind Augenzeugen der Geburt einer neuen politischen Ordnung“, jubelte Bannon nach dem Wahlsieg im November. Wobei er den Versuch entschieden zurückwies, in eine Ecke mit Faschisten und Rassisten gestellt zu werden.

„Ich bin ein Wirtschafts-Nationalist. Ich bin ein Amerika-Zuerst-Typ“, nimmt Bannon im „Wall Street Journal“ eine Standortbestimmung vor. Ein Anti-Globalisierer, der die Rückkehr zur nationalen Souveränität als Allheilmittel begreift. Und ein rabiater Islam-Gegner, der die „jüdisch-christliche Welt“ in einem Krieg mit der moslemischen Welt sieht.

Wer die Weltsicht des Vordenkers im Weißen Haus verstehen will, findet die Gebrauchsanleitung dazu bei einem Auftritt Bannons vor dem rechts-katholischen „Human Dignity Institut“ 2014 in Rom. Dort entfaltete er seine Vision einer „rechten Internationale“.

„Das zentrale Anliegen, das all diese Mitte-Rechts-populistischen Bewegungen verbindet“, sei die „Sammlung der arbeitenden Männer und Frauen in der Welt, die müde sind, von der ‚Davos’-Lobby herumkommandiert zu werden“, dozierte Bannon dort. Die Leute spürten, wie sie entmündigt würden, und lehnten sich überall in der Welt gegen zentralisierte Regierungen und supranationale Gebilde wie die Europäische Union auf.

Protektionismus, Mauerbau und Einwanderungsstopp sind in diesem Narrativ Selbstschutz-Maßnahmen, um die Souveränität zurückzugewinnen. Eine Außenpolitik, die darauf abzielt multinationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die Europäische Union oder die Nato zu schwächen, versteht sich von selbst.

Die neue Ordnung, die Bannon und Trump vorschwebt, ist in Wirklichkeit eine alte. Es ist die düstere Welt des Nationalismus, mit seinem undurchsichtigen Netz an bilateralen Absprachen und Rückversicherungen, in der andere Staaten nicht als Partner, sondern Konkurrenten wahrgenommen werden.

Je mehr sich die Leute an Stil und Vorgehen reiben, desto besser aus Bannons Sicht. Dessen Maskottchen ist der Honigdachs (honey badger), der laut Brehms Tierleben angriffslustig ist und sich in seinem Blutdurst festbeißt. Oder wie das bei Breitbart ausgegebene Motto besagt: „Honey Badgers don’t give a shit.“

Wie weit er im Weißen Haus damit kommt, hängt von Donald Trump ab. Läuft es schlecht, kann es für ihn wie bei seinem historischen Vorbild Cromwell enden. Als der übers Ziel hinausschoss, ließ ihn Heinrich der Achte exekutieren. Doch danach sieht bisher wenig aus. Zurzeit sitzt Stephen Bannon wie die Spinne im Netz des Weißen Hauses.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum