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Scientists March Wissenschaftler rebellieren gegen Trump

Donald Trump verbannt Fakten zum Klimawandel aus dem Internet und verlangt von der Umweltschutzbehörde das Löschen einer Website. In der Wissenschafts-Community rumort es, Forscher beginnen, sich zu organisieren.

"Die Welt schaut zu", steht auf einem Plakat, das beim Women's March in Paris zu sehen war. Foto: AFP

Vorzeichen hatte es genug gegeben: Schon 2012 twitterte Donald Trump, das „Konzept des Klimawandels“ sei von den Chinesen erfunden worden. Im Wahlkampf versprach er unter anderem, aus dem gerade erst ausgehandelten Pariser Klimavertrag auszusteigen. In seinem Twitter-Account findet man bis heute zahlreiche Tweets, die zeigen, dass Trump den Klimawandel nicht ernst nimmt.

Und tatsächlich: Kaum war Trump im Amt, nahm er wissenschaftliche Behörden in den USA ins Visier. Pünktlich zu seinem Amtsantritt am 20. Januar verschwanden von der Website des Weißen Hauses alle Informationen rund um den Klimawandel. Noch nicht lange im Amt, verbat das Trump-Team dem National Park Service (NPS), der unter anderem die US-Nationalparks, Naturschutzgebiete und Gedenkstätten verwaltet, vorübergehend das Twittern. Der Grund: Der Twitter-Account hatte es gewagt, einen kritischen Tweet zur Besucheranzahl bei der Amtseinführung des US-Präsidenten zu retweeten.

Mittlerweile darf der NPS wieder twittern - nun ist die Umweltschutzbehörde EPA ins Visier der US-Regierung geraten. Der Behörde wurde ein "Medien-Bann" auferlegt: Pressemitteilungen, Blog-Updates und Beiträge in den sozialen Medien wurden verboten. Ähnliche Verbote gibt es für das Landwirtschafts- und das Gesundheitsministerium. Die Umweltbehörde soll außerdem bis Mittwoch (Ortszeit) eine Website zum Klimawandel aus dem Netz nehmen. "Wenn die Website offline geht, verschwindet jahrelange Arbeit zum Klimawandel", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen EPA-Angestellten. Nach Informationen von Reuters seien einige EPA-Mitarbeiter damit beschäftigt, Informationen der Website zu speichern, bevor sie im Laufe des Tages offline geht.

Ähnliches tun Wissenschaftler im ganzen Land bereits seit Trumps Wahl im November. Sie widmen ihre Freizeit der Aufgabe, Klimadaten von verschiedenen US-Behörden zu sichern, bevor sie von der neuen US-Regierung möglicherweise gelöscht werden. Die Website "Climate Mirror" beispielsweise sichert öffentliche Datensätze zum Klima, beteiligt sind unter anderem die Universitäten von Pennsylvania und Toronto und das "Internet Archive". Von besonderem Interesse sind die Daten, die die Raumfahrtorganisation Nasa, die Wetterbehörde NOAA, die Umweltschutzbehörde EPA und die Kartografie-Behörde USGS auf ihren Websites anbieten.

Mittlerweile gibt es auch andere Bestrebungen in Wissenschaftlerkreisen, gegen Trump zu rebellieren. Es gibt einen inoffiziellen Twitter-Account des National Park Service, der unter anderem schreibt: "Du kannst uns unseren offiziellen Twitter-Account nehmen, aber du wirst uns unsere Freizeit nicht nehmen!" Der Twitter-Account des Badlands-Nationalparks hat mit drei Tweets Aufmerksamkeit erregt, in denen zahlreiche Fakten rund um den Klimawandel standen. Mittlerweile wurden die Tweets gelöscht.

Für das größte Aufsehen dürfte aber der Plan einiger Wissenschaftler sorgen, die sich derzeit im Internet organisieren. Sie wollen einen "Marsch der Wissenschaftler" auf Washington D.C. veranstalten - ähnlich wie der "Women's March" am Tag nach der Amtseinführung. Entstanden ist die Idee für den "Scientists March" auf der Plattform Reddit. "Es muss einen Wissenschaftler-Marsch auf Washington geben", schlug einer der Nutzer dort vor und andere stimmten zu. Aus diesen Anfängen ist innerhalb kurzer Zeit eine Website entstanden, in einer geschlossenen Facebook-Gruppe organisieren sich mittlerweile mehr als 20.000 Wissenschaftler. Geplant ist, dass der Marsch nicht nur in Washington, sondern in vielen Städten in den USA stattfinden soll. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht, der Marsch soll jedoch jedem offenstehen, der an Wissenschaft glaubt.

"Wir hoffen, dass wir den Marsch als Startpunkt nehmen können, um uns für Wissenschaft in der Politik einzusetzen", heißt es auf der Website. Es sei absurd, dass Forscher daran gehindert würden, ihre Forschungsergebnisse aus steuerfinanzierten Arbeiten mit der Öffentlichkeit zu teilen, schreiben die Wissenschaftler und sind überzeugt: "Eine amerikanische Regierung, die Wissenschaft ignoriert, um eine ideologische Agenda zu verfolgen, gefährdet die Welt".

Die Nonprofit-Organisation "314 Action" - benannt nach den ersten drei Ziffern der Kreiszahl Pi - denkt bereits einen Schritt weiter: Sie setzt sich dafür ein, mehr Wissenschaft in die Politik zu bringen und ruft Forscher dazu auf, sich für politische Ämter zu bewerben. Die Organisation schreibt auf ihrer Website: "Wir brauchen neue Anführer, die verstehen, dass der Klimawandel real ist und die motiviert sind, eine Lösung zu finden".

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