Lade Inhalte...

China Nukleare Aufrüstung gegen Trump

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, „China hart anzufassen“ und stellt das Land zunehmend als Feind Amerikas dar. Offenbar als Reaktion auf Provokationen aus Washington baut Peking eine nukleare Drohkulisse auf.

Auch in China wird gegen Donald Trump protestiert. Foto: FAVRE/EPA/REX/Shutterstock

Die chinesische Regierung baut eine nukleare Drohkulisse auf. Wie jetzt bekannt wurde, hat die Volksbefreiungsarmee bereits im Januar eine neue Interkontinentalrakete getestet, die zehn Atomsprengköpfe auf einmal tragen kann. Der Test sei erfolgreich verlaufen, berichtet die US-Website „Washington Free Beacon“ unter Berufung auf Militärkreise. Zuvor hatten Nachrichten aus Hongkong Unruhe gestiftet: China verlegt demnach offenbar mobile Abschussanlagen an die Nordgrenze des Landes, von wo die Geschosse auch die USA erreichen könnten.

Obwohl chinesische Generäle das Gegenteil versichern, wirkt die hektische Aktivität wie eine Reaktion auf Provokationen aus Washington. Der neue amerikanische Präsident Donald Trump hat angekündigt, „China hart anzufassen“ und den Worten bereits erste Taten folgen lassen. So sicherte er beispielsweise der Regierung der Insel Taiwan seine Unterstützung zu. Taiwan ist aus Pekinger Sicht eine abtrünnige Provinz. Trumps Handelsberater Pete Navarro hält eine Auseinandersetzung mit China sogar für „praktisch unvermeidlich“ – und plant hohe Schutzzölle gegen Waren aus dem fernöstlichen Industrieland.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern stellt Trump die Chinesen zunehmend als Feinde Amerikas dar. Asien liegt durchaus im Fokus des neuen Präsidenten: Am Donnerstag ist sein Verteidigungsminister James Mattis in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul eingetroffen – die erste Auslandsreise eines Mitglieds des Kabinetts Trump. Die Wahl des Reiseziels soll zeigen, dass die USA an der Seite ihrer traditionellen Bündnispartner Südkorea und Japan stehen. Nordkorea hatte in den vergangenen Wochen erneut heftige Drohungen gegen den Nachbarn im Süden und die USA ausgestoßen. China wiederum sieht die Annäherung an die Nachbarn mit wachsendem Misstrauen.

Bei den Raketen, die China an die Nordgrenze verlegt haben soll, handelt es sich um den Typ Dongfeng-41, der von Lastwagen aus starten kann. Sie hat eine Reichweite von bis zu 15 000 Kilometern. Auf Internetseiten chinesischer Militärfans kursieren Fotos der Lastwagen auf dem Weg nach Norden. Ein Propagandamedium bestätigte die Verlegung zum Teil: Die Pekinger Zeitung „Global Times“ verkündete, die Bereitmachung der Dongfeng-41 sei ein „Werkzeug der Abschreckung“ und gegen Amerika gerichtet. China bereite sich damit auf zunehmende Spannungen mit den USA vor.

Sprengköpfe und Raketen

Der Test der großen Langstreckenrakete Dongfeng-5C war dagegen offenbar schon lange geplant. Die Rakete soll den Berichten zufolge planmäßig von einer Abschussrampe in der Provinz Shanxi in eine abgelegene Wüstenregion im Westen des Landes geflogen sein. Sie hat dabei eine Nutzlast getragen, die von Gewicht und Form einer Bestückung mit zehn Atombomben entspricht.

China verfügt über gut 250 Nuklearsprengköpfe und als führende Weltraumnation auch über die nötigen Raketen, um die Waffen in fast jeder Weltgegend explodieren zu lassen. Vor zwei Jahren hat Peking sogar eine Rakete testen lassen, deren Sprengkopf mit Überschallgeschwindigkeit wieder in die Erdatmosphäre eintritt. Er wäre dann so schnell, dass der US-Raketenschild ihn nicht abfangen könnte.

Die chinesische Regierung ist gleichwohl fest entschlossen, sich nicht auf einen Rüstungswettlauf mit den USA einzulassen. Den ruinösen Aufbau gewaltiger Arsenale aus Zehntausenden von Bomben und Raketen hat die kommunistische Führung der Sowjetunion und den USA überlassen. Peking hat stattdessen das Ziel, nur das Zerstörungspotenzial vorzuhalten, das nötig ist, um einen Angreifer abschrecken zu können – und das möglichst preiswert. Schon Mao hatte die Doktrin vorgegeben, dass ein nuklearer Erstschlag für China nicht in Frage komme, weil ein Atomkrieg nur Verlierer bringe.

Die chinesische Führung hat jedoch gleichfalls schon lange klargestellt, dass eine formale Unabhängigkeit Taiwans nicht akzeptabel ist und Krieg bedeuten kann. „Trump sollte klar sein, dass China nicht mehr schwach ist“, sagt Xin Qiang, Vizechef des Zentrums für USA-Studien an der Fudan-Universität in Shanghai. „Heute hat China Möglichkeiten, die USA nicht nur zu piesacken, sondern ihnen richtig wehzutun.“

Auch Trumps Vorgänger haben Taiwan und andere Bündnispartner in Ostasien unterstützt, doch sie haben immer auch auf freundschaftlicher Basis mit den Chinesen geredet. Seit Präsident Richard Nixon 1972 mit Machthaber Mao Zedong eine Politik der Annäherung vereinbart hat, gab es zwar immer wieder kleine Reibereien, aber kein Zerwürfnis zwischen den beiden großen Ländern.

Ein Beispiel für das bisherige Vorgehen ist die Politik Barack Obamas: Der vorige Präsident hat zwar die US-Präsenz in Asien verstärken lassen, doch er hat sich zugleich gegenüber China diplomatisch gezeigt. Beispielsweise ließ er den Handel ungehindert laufen. Vor allem hat er sich an die etablierten Sprachregeln zu Taiwan gehalten, die Peking wichtiger sind als alles andere. Trump wirft diese kleinen, aber wirksamen Gesten nun über Bord.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen