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Hessens Finanzminister in Nöten Steuerfahnder verklagen Weimar

Hessens Finanzminister Karheinz Weimar gerät in der Steuerfahnder-Affäre und im Fall Wolski immer stärker unter Druck. Die mit falschen psychiatrischen Gutachten aus dem Dienst entfernten Steuerfahnder verlangen Schadenersatz und Schmerzensgeld. Von Matthias Thieme

19.12.2009 00:12
Matthias Thieme
Marco Wehner
Marco Wehner ist einer der klagenden Steuerfahnder. Foto: A. Kraus

Hessens Finanzminister Karheinz Weimar gerät in der Steuerfahnder-Affäre und im Fall Wolski immer stärker unter Druck. Die mit falschen psychiatrischen Gutachten aus dem Dienst entfernten Steuerfahnder wollen jetzt gegen die Finanzverwaltung klagen, nachdem Weimar es abgelehnt hat, eine Untersuchungskommission einzurichten.

"Finanzminister Weimar versucht, die Aufklärung zu verhinder, weil eine wirkliche Untersuchung der Vorgänge zwangsläufig zu seinem Rücktritt führen würde", sagte Ex-Steuerfahnder Rudolf Schmenger der FR. "Weimar ist tief verstrickt in diese Vorgänge und will das Thema aussitzen - doch das wird nicht gelingen."

Die vier Fahnder, die gegen große Banken und im CDU-Schwarzgeldskandal ermittelten und später von einem Psychiater mit falschen Gutachten vorsätzlich für unheilbar psychisch krank erklärt und dann zwangspensioniert wurden, seien sich einig: "Wir werden den finanziellen Schaden einklagen, der uns durch die Zwangspensionierung entstanden ist", sagt Schmenger. Der jüngste der Fahnder, Marco Wehner, wurde im Alter von 39 Jahren zwangspensioniert.

"Wir werden auch den persönlichen Schaden geltend machen, der uns durch die Diffamierung als unheilbar psychisch kranke Personen entstanden ist", kündigt Schmenger an. "Wir werden Schadensersatzansprüche und Schmerzensgeldansprüche einklagen, die uns durch die Zwangspensionierung und die Stigmatisierung als psychisch unheilbar Kranke entstanden sind."

Die Grünen im Hessischen Landtag sehen kein Ende der Affäre: "Weimar wünscht sich, endlich Ruhe zu haben, doch solange er die vollständige Aufklärung der Vorgänge verweigert, wird ihm dies nicht gelingen", sagte der haushaltspolitische Sprecher, Frank Kaufmann. Die Personalführung in der Steuerverwaltung liege nicht nur im Fall der vier Steuerfahnder im Argen: "Dieses feudale Personalführungssystem gehört schleunigst abgeschafft."

Doch Weimar habe sich "bis heute taub gestellt, obwohl dies den Kern seiner Verantwortlichkeit betrifft", so Kaufmann. Stets würden "diejenigen die Untersuchung führen, gegen die sich die Anschuldigungen richten", so Kaufmann. "Solange Weimar nicht eine wirklich unabhängige Überprüfung veranlasst, erweist er sich als Beschützer des Mobbing-Systems."

Auch im Fall Wolski wird die Luft für Minister Weimar mittlerweile dünn. Im Landtag sagte Weimar am Donnerstag, das für das Ehepaar Wolski zuständige Finanzamt Offenbach habe "so gut gearbeitet wie andere Finanzämter in Hessen". Die Wolskis hatten dort von 1999 bis 2003 keine Steuererklärung abgegeben, obwohl Michael Wolski mit vielen Millionen hantierte. Weiter sagte Weimar, die Wolskis seien trotz Versäumnissen des Amtes Offenbach nicht aktiv geschont worden. Er könne "nicht erkennen", dass die Wolskis steuerlich unbedingt vom Finanzamt Offenbach betreut werden wollten.

"Das ist eine grotesk falsche Aussage von Herrn Weimar, die der Beweislage völlig widerspricht, wie sie sich im Darmstädter Landgericht darbietet", sagt Anwalt Jürgen Fischer, der mehrere Geschädigte vertritt. Michael Wolski habe "unter Vortäuschung falscher Tatsachen" die Verlegung seiner Steuerangelegenheiten nach Offenbach erreicht.

In Offenbach habe Michael Wolski "im Handumdrehen nicht mehr monatlich, sondern nur noch jährliche" Umsatz-Steuererklärungen abgeben müssen. "Das ist völlig ungewöhnlich und atypisch", sagt Anwalt Fischer. Selbst als die Umsatz-Steuererklärungen Michael Wolskis und die Einkommenssteuererklärung des Ehepaars Wolski fünf Jahre lang ausblieben, sei nichts geschehen. "Das stinkt zum Himmel und der Verdacht aktiver Protektion ist im Fall des Ehepaars Wolski nicht von der Hand zu weisen", so Fischer. "Minister Weimar ist entweder fehlinformiert, oder er informiert die Öffentlichkeit falsch."

Schlecht für Weimar: Im Strafprozess wegen Steuerhinterziehung vor dem Darmstädter Landgericht wurde am 3. November ein Brief Michael Wolskis an das Finanzamt Frankfurt verlesen, in dem Wolski sich vehement dafür einsetzt, von Offenbach besteuert zu werden. Er habe "keine Betriebsstätte" in Frankfurt und arbeite ausschließlich von Neu-Isenburg aus, argumentierte Wolski in dem Schreiben. In Frankfurt habe er nur deshalb eine Adresse, weil er dort bei der Anwaltskammer zugelassen sei.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Steuerfahnder-Affäre

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