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Sexismus-Debatte Gauck fest an der Seite der Frauen

Bundespräsident Joachim Gauck betont bei der Verleihung des Verdienstordens anlässlich des Weltfrauentags, dass er eine engagierte Debatte über alltäglichen Sexismus in der Gesellschaft für notwendig hält. Gauck steht wegen einer Äußerung zur Sexismus-Debatte in der Kritik.

Joachim Gauck provoziert mit Äußerungen in einem Interview einen neuen #Aufschrei. Foto: dpa

Bundespräsident Joachim Gauck betont bei der Verleihung des Verdienstordens anlässlich des Weltfrauentags, dass er eine engagierte Debatte über alltäglichen Sexismus in der Gesellschaft für notwendig hält. Gauck steht wegen einer Äußerung zur Sexismus-Debatte in der Kritik.

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Auseinandersetzung über Sexismus in Deutschland für notwendig. „Auch in unserer Gesellschaft, die uns allen so entwickelt und reif erscheint, gibt es noch Benachteiligung, auch Diskriminierung und alltäglichen Sexismus“, sagte er am Donnerstag bei der Verleihung des Verdienstordens an 33 Bürgerinnen anlässlich des Weltfrauentags am 8. März.

„Ich begrüße es, wenn wir – und damit meine ich Frauen wie Männer gleichermaßen – darüber eine ebenso engagierte wie ernsthafte Debatte führen, die diese Missstände benennt und aufdeckt und die vor allem gesellschaftliches Um- und Weiterdenken ermöglicht“, sagte Gauck.

Er war zuletzt wegen einer missverständlichen Stellungnahme zur Sexismus-Debatte in die Kritik geraten. Im Zusammenhang mit der Diskussion über Äußerungen von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hatte er von „Tugendfuror“ gesprochen, was Aktivistinnen gegen den Alltagssexismus empört hatte.

Gauck forderte in seiner Rede grundsätzlich einen wesentlich engagierteren Einsatz für die Gleichberechtigung. „Der 8. März erinnert uns an die Stärken der Frauen, aber auch an die diskriminierenden Bedingungen, mit denen Frauen weltweit schwach gemacht und schwach gehalten werden“, sagte er. „Ich will nicht darüber schweigen, wie weit wir vielerorts nach wie vor von der Gleichberechtigung der Frauen entfernt sind – und wie Frauen weiterhin kämpfen müssen: für gleiche Löhne und gleiche Rechte, für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, für gleiche Bildungschancen oder generell für das Recht auf Bildung und leider immer noch gegen lebensbedrohende Gewalt.“

Nicht nur außerhalb der Europäischen Union gebe es Frauenhandel und damit verbundene Zwangsprostitution, Zwangsheirat und Ehrenmorde, sondern auch in Deutschland, sagte Gauck und fuhr fort: „In Deutschland ist häusliche Gewalt die häufigste Ursache von Verletzung von Frauen. Jährlich nehmen über 30 000 Frauen mit ihren Kindern die Beratung und den Schutz von Frauenhäusern in Anspruch. Fast jede zweite Frau, die in der Bundesrepublik getötet wird, ist Opfer ihres aktuellen oder ehemaligen Partners.“

Bessere Anerkennungskultur

Der Bundespräsident wollte mit der Ordensverleihung beispielhaft das gesellschaftliche Engagement von Frauen und ihre herausragenden Leistungen etwa in der Kultur, der Wirtschaft und der Wissenschaft würdigen. Die Ordensträgerinnen im Alter zwischen 37 und 89 Jahren stammten aus allen 16 Bundesländern.

Gauck beklagte, dass es gar nicht so einfach gewesen sein, die Namen geeigneter Frauen herauszufinden. Die Staatskanzleien in den Ländern würden sagen: „Auszeichnungswürdige Männer kennen wir in jeder Gemeinde. Aber von engagierten Frauen fehlen in unseren Akten leider die Namen und Adressen!“. Rollenerwartungen und Rollenzuschreibungen prägten auch das gesellschaftliche Engagement und die Anerkennungskultur.

Der Präsident versprach den Frauen, stets an ihrer Seite zu stehen, „wenn es darum geht, ihre Rechte zu verteidigen oder zu erringen: sowohl dort, wo ihnen Gewalt angetan wird, wo sie erniedrigt und gedemütigt werden, als auch dort, wo sie mit geringerer Entlohnung oder mit geringeren Positionen in Betrieben, Vorstandsetagen und Aufsichtsräten benachteiligt werden.“

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