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Schwarzer Stadtteil Kamerun

Woher das Gallus-Viertel in Frankfurt seinen Namen hat, ist nicht belegt

Als "eines der letzten ungeklärten Rätsel" der Frankfurter Stadtgeschichte gilt die Frage, warum das Gallusviertel seit rund 100 Jahren auch "das Kamerun" heißt. Mit diesen Worten jedenfalls bekommt man im Stadtarchiv die Mappe über das Quartier zwischen Hauptbahnhof und Autobahn ausgehändigt.

Auf der Gass', an der Mainzer Landstraße, führt mancher den Namen im Munde, von dem man es nicht erwartet hätte. Für Einwanderer aus Schwarzafrika bedeutet er ein Gefühl von Heimat. "Wir sind doch hier im Kamerun!" - das Argument fällt im Afrika-Kulturzentrum "WimBum" und soll ein Recht auf Zukunft des Vereins im Seitentrakt des früheren Polizeipräsidiums begründen.

Der Name Kamerun ist also nicht von gestern. Aber eben auch. Mit dem an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert bebauten Industriegebiet rund um die Galluswarte "wuchs der Name aus dem Ackerboden", behauptet eine Stadtteil-Chronik von 1991. Vielleicht, weil diese Besiedlung damals von Frankfurt aus so abseits lag wie die damalige deutsche Kolonie Kamerun in Afrika.

Der Stadthistoriker Hans-Otto Schembs findet auch Anhaltspunkte für eine andere Theorie: Das Gallus sei wegen des Rußes, der aus den Fabrikschloten nieder ging und sich überall absetzte, tatsächlich ein "schwarzer" Stadtteil gewesen. Der Karnevalsverein "Die Kameruner", gegründet 1922, macht bis heute einen Witz aus der Geschichte.

1918, nach dem Ersten Weltkrieg, gab es das deutsche "Schutzgebiet" Kamerun in Afrika nicht mehr. Da setzten die dunkelhäutigen marokkanischen Söldner, die in den Reihen französischer Besatzungssoldaten im Gallus standen, einen weiteren Anhaltspunkt für den Quartiersnamen.

Seit das Gallus von Menschen aus rund 30 Nationen bewohnt wird, sieht mancher im Kamerun eine Kolonie der Gegenwart. Die Kameruner stehen dazu. Stadtspaziergänger Wendelin Leweke hat es 1990, bei der Übertragung eines Fußballspiels Kamerun-Argentinien in einer Gallus-Kneipe, erlebt. Als die Mannschaft von Kamerun den Sieg errungen hatte, "drang der Ruf auf die Straße: ,Mer hawwe gewonne!'"

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