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Polen will deutsche Truppe in Irak

Idee für ein multinationales Korps / Struck "völlig überrascht"Für Überraschung in Berlin und Kopenhagen hat Warschaus Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski mit seinem Vorschlag gesorgt, gemeinsam mit Deutschen und Dänen die polnische Besatzungszone in Irak zu sichern. Die Bundesregierung will die Idee prüfen und überlegt nach FR-Informationen, wie die Nato einbezogen werden könnte.

07.05.2003 00:05
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tro/krö/gam WARSCHAU/BERLIN/KOPENHAGEN, 6. Mai. Nach den Vorstellungen der Regierung in Warschau soll das im Nordwesten Polens stationierte deutsch-polnisch-dänische Korps den Kern der Friedenstruppe für die polnische Zone in Irak bilden. Szmajdzinski sagte der Washington Times, sein Land könne 1500 bis 2200 Soldaten stellen, brauche aber finanzielle Hilfe aus den USA. Insgesamt sei eine Truppenstärke von 7000 Soldaten nötig.

Als "absolut überraschend" bezeichnete Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) den polnischen Vorschlag nach seiner Rückkehr aus den USA in Berlin. Szmajdzinski weilte zwar zur gleichen Zeit wie Struck in Washington, hatte seinen Ministerkollegen jedoch erst nach dem Interview versucht zu erreichen. Weder US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld noch Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hatten den Vorschlag in Gesprächen mit Struck erwähnt.

In Berlin geht man davon aus, dass Polen allein überhaupt nicht in der Lage ist, seine Zone zu organisieren. Warschau hatte zunächst die Zahl von 10 000 Besatzungssoldaten genannt, dann von 3000, nun von 1500 Militärs gesprochen. Sicherheitskreise sehen in Polen nur den Stab der internationalen Brigade potenziell in der Lage, einen solchen Einsatz zu führen.

Die Bundesregierung hält vorerst aber an ihrer Haltung fest, die Nachkriegsordnung unter dem Dach der UN aufzubauen. Berlin will aber wohl prüfen, im Rahmen der Nato tätig zu werden. Vorbild wäre der Einsatz in Kabul, wo das Bündnis die Führungsrolle aus Händen eines deutsch-niederländischen Korps übernehmen wird.

Zurückhaltend positiv äußerte sich die Union. "Es wäre besser, wenn Deutschland die Vermittlung der Polen nicht brauchte", sagte CSU-Landesgruppenchef Michael Glos. Er würde es jedoch begrüßen, wenn sich Berlin im Rahmen der Nato an einer Sicherung der Nachkriegsordnung beteiligen könnte.

Auch Dänemark war über die polnische Initiative vorab nicht informiert. Ehe man Stellung nehme, wolle man hören, wie sich die Polen eine Zusammenarbeit vorstellten, sagte ein Ministeriumssprecher. Da Kopenhagen bereits die Entsendung von 380 Soldaten unter britischer Führung an den Golf beschlossen hat, gilt ein zusätzliches Irak-Engagement im deutsch-polnisch-dänischen Korps als höchst unwahrscheinlich. Am Donnerstag trifft sich der dänische Verteidigungsminister Sven Aage Jensby mit seinen Kollegen Szmajdzinski und Struck in Kopenhagen.

Dossier: Krieg gegen Irak

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