Lade Inhalte...

Ponader gegen Lauer SMS-Krieg in der Piraten-Partei

Das moderne Duell findet per SMS statt - jedenfalls bei den übernervösen Piraten, die an ihren ausgesprochen schlechten schlechten Umfrage-Ergebnissen zu knabbern haben.

09.02.2013 17:33
Jan Thomsen
Christopher Lauer liegt im Streit mit dem Geschäftsführer seiner Partei.

Das moderne Duell findet per SMS statt - jedenfalls bei den übernervösen Piraten, die an ihren ausgesprochen schlechten schlechten Umfrage-Ergebnissen zu knabbern haben.

Es ist das Jahr der Bundestagswahl, die Piraten liegen bei drei Prozent, vor neun Monaten waren die Werte noch zweistellig. Mehr muss man nicht wissen, um zu ahnen, dass in der Piratenpartei gerade einige nervös sind. Und zwar so nervös: „Lieber Johannes, wenn Du bis morgen 12.00 Uhr nicht zurück getreten bist knallt es gewaltig. Ich seh' mir nicht mehr länger schweigend und untätig an, wie Du meine Partei gegen die Wand fährst. Gruß, Christopher.“

Diese SMS hat der prominente Berliner Pirat Christopher Lauer diese Woche an den ebenso prominenten Bundesgeschäftsführer der Piraten, Johannes Ponader, geschickt. Was genau knallen soll und warum high noon als Termin, bleibt leider unklar. Es folgen weitere Halbfreundlichkeiten, dann gibt Lauer dem Kollegen, im Hauptberuf freier Theaterregisseur, mit auf den Weg: „Alter, wie verstrahlt bist Du denn? Du merkst ja gar nichts mehr.“

Ergreifender Dialog

Der Dialog ist so ergreifend, dass er schnell Verbreitung im Internet und anderen Medien fand. Tenor: Jetzt hauen sich die Piraten wieder die Köpfe ein, statt – wie angekündigt – mit Themen zu punkten. Der eitle, laute Herr Lauer aus Berlin, 28, inzwischen Fraktionschef und zweifellos originellster Redner seiner Truppe, gegen den Künstlerfreak Ponader, 35, auch deutlich egozentriert und berühmter durch Sandalenauftritte im TV als durch das Organisieren effektiver Programmdebatten.

Aber Moment: eine SMS? Die sind doch eigentlich, im Gegensatz zum Piraten-Lieblingskanal Twitter, vertraulich? Stimmt. Doch Ponader, als Bundesgeschäftsführer auf einer Amtsebene mit Andrea Nahles (SPD) oder Hermann Gröhe (CDU), fand die Angelegenheit so bedeutend, dass er den Dialog twitterte.

Drohungen und Intrigen

Er wolle nicht, dass „Drohungen und Intrigen“ das Parteileben bestimmen, teilt er mit. Den Vertrauensbruch begründete er damit, dass es zwischen ihm und Lauer ja ohnehin kein Vertrauen gebe, auch wenn er Lauers „gute Arbeit“ schätze. Auf Twitter werden jetzt beide Protagonisten ebenso beschimpft wie gefeiert.

Doch dürfte die Lage für Ponader, dessen Bohèmienhaftigkeit auch Piraten-Chef Bernd Schlömer nervt, nicht einfacher werden. Kontrahent Lauer jedenfalls parierte die Indiskretion geschickt, indem er offen ließ, ob die SMS von ihm stammt. Derlei zu veröffentlichen sei, so Lauer lapidar, in jedem Fall eine Frechheit.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen