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Piratenpartei Analyse Weniger Demokratie wagen

In einem offenen Brief klagen Hunderte von Piraten über Selbstdarsteller und Trolle in der eigenen Partei. Die Rede ist von einer Rückbesinnung, aber eigentlich geht es um etwas anderes.

Piraten-Selbstkritik: "Es geht darum, nicht mehr nur zu labern" Foto: dpa

Wer in der Demokratie die Wahrheit sagt, wird von der Masse getötet. (Platon)

Mitglieder der Piratenpartei haben einen offenen Brief verfasst. Auf den ersten Blick ist es die übliche Selbstkritik: Die Verfasser klagen über „Selbstdarsteller, Karrieristen und Trolle“, die im Laufe eines neuen Mitgliederansturms versuchten, sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Mehr als 250 Piraten haben den Appell schon unterzeichnet.

Leider gehe es nicht mehr allen darum, den besten Weg für die Partei zu finden, heißt es weiter. Die Störer machten die Strukturen der Partei kaputt. Die Verfasser wünschen sich, dass wieder die in den Vordergrund rücken, „die sich nicht in der Vordergrund drängen und statt dessen trotzdem den Großteil der wichtigen Arbeit leisten. (...) Gemeinsam geht es darum, nicht mehr nur zu labern, sondern einfach wieder zu machen.“

Offene Briefe helfen nicht gegen Trolle

Was wie eine Rückbesinnung auf den Teamgeist formuliert ist, klingt gleichzeitig wie der heimliche Ruf nach einer stärkeren Führung. Es klingt nach: Das mit der Basisdemokratie war ja eine schöne Idee, aber soll tatsächlich jeder Schwätzer ein Forum bekommen?

Vollständige Öffnung heißt immer auch die vollständige Öffnung gegenüber Trollen. Wenn tatsächlich die Vernünftigen mehr Einfluss bekommen sollen, dann geht das nur, indem die Partei ihnen mehr Macht gibt und gleichzeitig die Störer mundtot macht. Offene Briefe jedenfalls bringen Trolle ganz sicher nicht zur Vernunft, sie helfen auch nicht gegen Shitstorms.

Schon der griechische Philosoph Platon beklagte das Marktplatzgeschrei der Demokratie in Athen. Marktplatzgeschrei, dieses Wort galt damals noch wörtlich; man traf sich im Freien, beim Diskutieren wurde es laut. Platon war dieser ersten echten Demokratie überdrüssig. Er wünschte einen Philosophenkönig, besonnen, kontrolliert, kompetent. Einer, den man erst zu seinem Amt überreden muss.

Vielleicht sehnt sich auch mancher Pirat nach einem kleinen König, der den Marktplatz Internet wieder zivilisiert. Schon jetzt wählen die Piraten Repräsentanten, die mehr zu sagen haben als das einfache Mitglied. Das ist auch gut so, aber es besteht die Gefahr, dass sich die neue Partei am Ende nur noch durch ihr Programm von SPD und Grünen unterscheidet. Ob sie den Spagat zwischen Basisdemokratie und Autorität findet, das wird sich bald zeigen.

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