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Bundesparteitag der Piraten Nocun schaltet auf Angriff

Die 26-jährige Katharina Nocun ist die neue Politische Geschäftsführerin der Piraten-Partei. Nach den frustrierenden letzten Monaten will sie wieder angreifen.

Neue Oberpiratin: Katharina Nocun wird Geschäftsführerin der schwächelnden Partei. Foto: dpa

Die 26-jährige Katharina Nocun ist die neue Politische Geschäftsführerin der Piraten-Partei. Nach den frustrierenden letzten Monaten will sie wieder angreifen.

Sie hat noch kein Amt, muss sich allerdings schon kindische Fragen gefallen lassen: „Glaubst Du, dass Dich der Personenkult verbrennen kann“, wird Katharina Nocun gefragt. Die 26-jährige Studentin aus Osnabrück hat am Freitagabend auf dem Piratenparteitag in Neumarkt/Oberpfalz für den Posten des Politischen Geschäftsführers kandidiert. Sie steht auf der Bühne, hat sich gerade dem Parteivolk vorgestellt und muss sich nun von Piraten grillen lassen. So nennen sie diese kleine Fragerunde mit Kandidaten. „Personenkult? Das ist eure Sache“, antwortet sie. Und fährt dann fort: „Ich kann durchaus auch einmal zwei Stunden ohne Handy auskommen.“

Katharina Nocun soll nun an entscheidender Stelle mithelfen, die leckgeschlagene Piratenpartei wieder flottzumachen. Sie ist mit 81,7 Prozent gewählt. Sie ist Nachfolgerin von Johannes Ponader, dem die Piratenpartei nach seltsamen Fernsehauftritten und Dauerkrach mit Vorstands-Piraten für dessen Arbeit eine Sechs ausgestellt hatte. Ponader ist gerade zurückgetreten.

Masterarbeit auf Eis gelegt

In Umfragen dümpeln die Piraten nach Höhenflügen deutlich über zehn Prozent aktuell bei mageren drei Prozent. Der Einzug in den Bundestag am 22. September ist für sie ein Muss, die Chancen sind mikroskopisch klein. Kämpferisch gibt sich die junge Frau aus Niedersachsen und gewinnt damit die Sympathien der über tausend Piraten in der Neumarkter Halle: „Wir müssen die anderen vor uns hertreiben“, gibt sie die Tonlage für den Wahlkampf gegen die politische Konkurrenz vor. „Sie haben es verdammt noch mal nicht anders verdient.“ Nocun war eine von vier Kandidaten, die am Ende antraten. Ursprünglich waren es sieben, dann am Freitagnachmittag zwischendurch mal zwölf, dann sprangen etliche wieder ab. Am Ende siegte Nocun.

Wie Wahlkampf funktioniert, hat die Studentin der Politikwissenschaft, Philosophie und Wirtschaftsinformatik am eigenen Leib erfahren. Bei der Niedersachsenwahl stand sie auf Listenplatz zwei, die Piraten gingen mit 2,1 Prozent unter.

Innerhalb der Piratenpartei hat sich Nocun einen Namen als Netzaktivistin und Themenbeauftrage Datenschutz gemacht. Sie arbeitet als Online-Redakteurin und will sich nun mit aller Kraft in den Bundestagswahlkampf stürzen. Ihre Master-Arbeit, die sie eigentlich schreiben könnte, hat sie deshalb auf Eis gelegt.

 „Wir sind die politische Kraft des Kommunikationszeitalters“, ruft sie in den Saal. "Wir müssen uns verdammt noch mal den Arsch aufreißen." Es klingt kämpferisch und so, als würde sie es tatsächlich auch glauben. "Wir müssen zusammenhalten." Sie rattert es runter, den Piraten gefällt der freche Sound. Er tut gut nach lustlosen Monaten intensiver Selbstzerfleischung.

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