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Pegida in Dresden 15.000 Pegida-Anhänger demonstrieren

Am Montagabend kommen noch einmal deutlich mehr Menschen als beim letzten Mal zur Pegida-Kundgebung in Dresden, 6000 demonstrieren dagegen.

Montagabend in Dresden: Pegida ruft und die Massen kommen. Foto: AFP

Es sind noch mehr als beim letzten Mal, deutlich mehr. 15000 sind gekommen, sagt die Polizei, 15000, als längst noch nicht alle da sind. Der Platz hinter dem Dresdner Hygienemuseum ist voll und es kommen immer noch mehr Leute. „Wir sind das Volk“, rufen sie und rücken zusammen, damit die anderen auch Platz haben und etwas hören können von dem, was Anführer Lutz Bachmann vorne zu verkünden hat. Deutschlandfahnen, Sachsenfahnen, einer schwenkt die Fahne von Berlin, ein Mann hält ein Transparent hoch: „Familienpolitik auf den Prüfstand, geschiedene Väter werden benachteiligt.“

Montagabend in Dresden, Pegida ruft und die Massen kommen. Mittendrin steht der AfD-Politiker Alexander Gauland im Scheinwerferlicht eines ARD-Fernsehteams. „Mach das Scheißlicht aus“, brüllt einer aus der Menge.

Es ist immer dasselbe, Bachmann beginnt seine kurze Rede mit einer Art Presseschau aus der Vorwoche. „Jauch am Abend“ vom Sonntag und all die anderen Talkshows. „Sollen sie doch schwätzen“, ruft Bachmann. Sie würden es sowieso nicht begreifen, was hier los sei, sie hätten sich abgekoppelt vom Volk.

Dann nennt er Namen und das Volk buht angewidert und hämisch: Joschka Fischer, Michel Friedman, Hans-Christian Ströbele, der Terroristenunterstützer. Buhen und Pfeifen. „Da bin ich in guter Gesellschaft“, sagt Bachmann. Der 41-jährige Dresdner, vorbestraft wegen Drogenhandels und mehrerer Einbrüche, macht Witze über sein Vorstrafenregister. Hier kann er es sich leisten. Man hat ein Herz für Kriminelle auf Bewährung, es sei denn, es sind Ausländer.

Ein medialer Shitstorm sei über Pegida hereingebrochen. Na und. Bundespräsident Gauck, Justizminister Heiko Maas, Bundeskanzlerin Merkel, Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz, sie alle kriegen ihr Fett weg - und das Volk in Dresden jubelt. Von Schande habe Maas geredet, von Abstiegsängsten habe Merkel gesprochen, hahaha, und die Dresdner Demonstranten habe sie gemeint, so Bachmann. „Abstiegsängste werden in Zukunft ganz andere bekommen“, setzt er einen drauf. Gejohle, Gelächter.

Das Wetter ist angenehm mild für kurz vor Weihnachten. Die Stimmung ist nicht gereizt wie teilweise an den beiden Montagen zuvor. Siegesgewiss und auf eigenartige Weise amüsiert wirkt das wütende Volk, das sich um die Skateranlage im Dresdner Stadtzentrum versammelt hat. So, als sei es mit sich zutiefst im Reinen. So, als sei man ganz unter sich und könnte endlich, endlich mal so reden wie einem er Schnabel gewachsen ist und die Dinge beim Namen nennen. Vor allem so, als glaubte man, das so unendlich verhasste bundesdeutsche System wirklich umkrempeln zu können.

Pegida hat jetzt eine Art Programm

Aus der Ferne dringt das Pfeifen der beiden Gegendemonstrationen herüber, der Protest der 6000 „Linksfaschisten“, wie es im Pegida-Deutsch heißt.

Kathrin Oertel geht ans Mikrofon. Die Dresdnerin gehört wie Bachmann zum Orga-Team der Abendlandretter. Zunächst vergattert die Blondine das Volk: „Keine Gespräche und Interviews mit der Presse!“ Großes Gejohle. „Kein Wort zu den Hetzern, die sich unter uns verborgen haben.“ - „Lügenpresse, Lügenpresse“, hallt es zurück.

Pegida hat seit kurzem eine Art Programm, Frau Oerthel referiert daraus. Flüchtlinge ja, wenn sie in Not sind. Und unter den anderen nur die wenigen, die man in der Wirtschaft wirklich gebrauchen kann, der Rest muss wieder weg. Sie dankt der Polizei dafür, dass sie die Pegida-Leute vor den Linksextremisten beschützt. Das ist üblich bei Pegida-Versammlungen und wird von lautem Applaus begleitet. Die arme Polizei, so Oerthel, geplagt von Krankschreibungen, weil sie es doch oft mit Migranten zu tun habe und dann setze es doch immer Anzeigen wegen Ausländerfeindlichkeit.

Es ist eine kurze Ansprache. „Wir lieben unsere Heimat“, sagt sie mehrmals. Und für alle Einwanderer müsse gelten: „Deutsche Sitten, deutsche Bräuche, deutsche Kultur.“ Und wem das Wörtchen deutsch davor nicht gefalle, der könne doch einfach gehen.

Und dann ist Schluss, das Volk geht langsam los, raus aus dem Zentrum Richtung Großer Garten, so heißt Dresdens prächtiger Stadtpark. „Wir sind das Volk“, rufen sie. Aus der Ferne dringt das Pfeifen der von Oberbürgermeisterin Orosz angeblich aufgehetzten „Meute“ herüber.

„Und wir werden noch mehr“, sagt ein junger Mann zu seinen Kumpeln. Er strahlt vor Begeisterung.

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