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Pegida Festerling Frau Hassknecht

Tatjana Festerling, die Oberbürgermeisterkandidatin der Dresdner Wutbürgerbewegung Pegida. Das FR-Portrait.

Tatjana Festerling. Foto: REUTERS

Schimpfen und pöbeln kann sie, da könnte sich der cholerische Herr Hassknecht aus der ZDF-Heute-Show noch eine ganze Menge abgucken. Wenn sie richtig loslegt, kracht es, dann wird es grob und beleidigend. „Fluchen und jammern“, beschrieb neulich die „Sächsische Zeitung“ das, was Tatjana Festerling wohl am besten drauf hat.

Asylbewerber? „Männer, die ihre Familien und Heimat im Stich gelassen haben, weil es hier Schöner Wohnen und ordentlich Knete vom Staat gibt.“ Kanzlerin Angela Merkel, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich? „Deutschlandvernichter“, weil sie „unser Dresden, unser Sachsen und unser Deutschland“ mit Asylantenströmen fluteten. So geht es zu, wenn Frau Festerling die Welt erklärt.

Am 7. Juni ist Oberbürgermeisterwahl in Dresden. Helma Orosz, die CDU-Rathauschefin, hat sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik verabschiedet. Tatjana Festerling, die in Hamburg aus der AfD austrat, bevor sie rausgeworfen worden wäre, weil sie den hanseatischen Euroskeptikern zu weit rechts war, sie will Orosz beerben.

Es ist die erste Pegida-Kandidatur bundesweit, es ist wohl auch der Versuch, ein bisschen Aufmerksamkeit auf die in Dresden schrumpfende und sich radikalisierende Bewegung zu lenken.

Festerling dürfte keine Chance haben. Aber für Dresden wird ihr Abschneiden zum Gradmesser darüber, wie die Stadt tickt, wie viel Kultur, Bürgerlichkeit, Offenheit und Freundlichkeit Fremden gegenüber tatsächlich hinter all der barocken Fassadenpracht stecken.

Montags steht Festerling nun bei Pegida auf der Bühne. Die 50-jährige freiberufliche Marketingfrau, die unter anderem für Privatbahnen arbeitete, teilt dann mit einigem rhetorischen Talent aus und ersetzt in der Wutbürgerbewegung die Dresdnerin Kathrin Oertel, die im Februar ausschied, weil ihr der Laden zu weit nach rechts abdriftete.

Gerne preist sie sich als „weit gereist und freiheitsliebend“ an, als Frau mit „internationalen Freundschaften“, die auch einmal in Chicago studierte. Und als nette Mutti von nebenan, zwei erwachsene Kinder, Hobby: Ultramarathon.

Und einen Satz später keilt sie dann wieder los, als hätte irgendjemand auf einen anderen Knopf gedrückt. Dann will sie am liebsten eine noch höhere Mauer durch Deutschland ziehen und alle westdeutschen Gutmenschen von den wirklich guten Menschen und Patrioten im Osten trennen. Oder es geht gegen den „Terror der schwul-lesbisch-queeren intersexuellen Minderheit“ oder die „verkrachten Gender-Tanten mit ihrem überzogenen Sexualscheiß“.

In der Hamburger AfD war sie ein kleines Licht, für Dresdens und Ostsachsens Wutbürger ist sie eine „Starrednerin“.

In Hamburg war sie zur stellvertretenden Marketing-Verantwortlichen und Bezirkskandidatin gewählt worden und fiel erst auf, als sie im Oktober 2014 die rechte Demonstration der Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa) in Köln besucht und, wie sie selbst später schrieb, den Hut vor den Hools gezogen hatte, trotz der Angriffe von Teilnehmern, bei denen 44 Polizisten verletzt wurden.

Nun tritt sie in Dresden an. Womöglich ist das Ganze auch ein Testlauf für weitere Gida-Kandidaturen in Sachsen oder Deutschland, vielleicht bleibt es auch ein einmaliger Ausflug in die Welt der „Volksverräter“, wie Pegida „die Politik“ gerne beschimpft. Im Internet wirbt Pegida für Spenden, um den Wahlkampf zu finanzieren. Unterstützung hat die NPD angekündigt, was den Pegidisten nicht ganz so angenehm sein dürfte.

Das sei zu erwarten gewesen, meinte Festerling und lehnt dankend ab. Sie vermutet einen Akt der Verschwörung und noch finstere Mächte hinter dem Hilfsangebot. Man versuche sie als Kandidatin mit einem „NPD-Geschmäckle unwählbar zu machen“, sagte sie kürzlich.

Man? Die NPD sei doch von Geheimdiensten unterwandert, eine „rechte Verfassungsschutzpartei“, meint sie. Also mal wieder die üblichen Verdächtigen, Merkel und Tillich, die „Deutschlandvernichter“.

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