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Kagida-Demo in Kassel Rechtes Sammelbecken

"Wir können nicht das Auffanglager der ganzen Welt sein": NPD-Funktionäre, Burschenschafter und Hooligans demonstrieren bei der Kagida-Demonstration in Kassel nach Dresdner Vorbild gegen die Islamisierung, scheitern aber an der Überzahl der Gegendemonstranten.

02.12.2014 15:46
Von Joachim F. Tornau und Carsten Meyer
Vorbild für Kassel? In Köln übten im Oktober 4000 Neonazis und Hooligans den rassistischen Schulterschluss. Foto: REUTERS

Daniel Lachmann hatte die weite Anreise aus der Wetterau nicht gescheut. Der Landesgeschäftsführer der hessischen NPD wollte nicht fehlen, als am Montagabend die neuen rechten Hoffnungsträger auch in Hessen ihre ersten Gehversuche machten. Und obwohl die geplante Demonstration der nach Dresdner Vorbild gegründeten Gruppe Kagida („Kassel gegen die Islamisierung des Abendlandes“) an der Übermacht von rund 500 Gegendemonstranten scheiterte, war Lachmann zufrieden: „Trotzdem eine gelungene erste Veranstaltung, bei der man alte Kameraden und neue Mitstreiter treffen konnte“, schrieb er auf seinem Facebook-Profil.

Kameraden, in der Tat: Unter den knapp hundert Menschen, die dem Aufruf von Kagida gefolgt waren, fanden sich etliche weitere NPD-Funktionäre – wie etwa Landesorganisationsleiter Stefan Jagsch, der bis Juni in einem Frankfurter Jobcenter gearbeitet hatte und nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau gefeuert worden war. Aber auch aus dem Umfeld der braunen Kameradschaft „Freie Kräfte Schwalm-Eder“ (FKSE), aus Burschenschaften und der rechten Hooliganszene des KSV Hessen Kassel waren Teilnehmer gekommen.

Wöchentliche Aufmärsche

Dennoch behauptete Kagida-Gründer Michael Viehmann: „Es gibt keine NPD-Leute unter uns.“ Auch mit den „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) habe man nichts zu tun. Dabei war er selbst es gewesen, der die Anreise aus Nordhessen zu den Hogesa-Krawallen Ende Oktober in Köln organisiert hatte. Und der gemeinsam mit bekannten Rechtsextremen aus der Region an den Rhein gefahren war. „Wir sind keine Nazis, das muss ich hier mal ganz klar sagen“, verkündete der 46-Jährige treuherzig. „Wir wollen gegen jede Art von Radikalismus kämpfen.“ Für ein „friedliches und weltoffenes Europa“.

Was es aus Sicht von Kagida zur Rettung des Abendlandes braucht, offenbarte der Forderungskatalog des ehemaligen Eventmanagers: In nahezu allen Punkten ging es um eine härtere Flüchtlingspolitik. Von Islamismus war darin gar nicht erst die Rede. „Wir können nicht das Auffanglager der ganzen Welt sein“, rief Viehmann unter dem Jubel seiner Gefolgsleute.

Für hörbaren Unmut sorgte dagegen seine Entscheidung, sich in Anbetracht der Gegendemo des Kasseler „Bündnis gegen Rechts“ am anderen Ende des Platzes auf eine kurze stationäre Kundgebung zu beschränken – aus „Sicherheitsgründen“, wie der Kagida-Chef sagte. Aufgebrachte Teilnehmer mussten daraufhin von der Polizei daran gehindert werden, auf die Gegendemonstranten zuzurennen. Gleichwohl gab es einige Scharmützel.

Doch schon in einer Woche will Viehmann den nächsten Versuch machen: Fortan, so kündigte er an, werde er jeden Montag zu Kagida-Aufmärschen laden – in der Hoffnung, dass es auch in Kassel so läuft wie in Dresden: In der sächsischen Landeshauptstadt bringen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) Woche für Woche mehr Menschen auf die Straße. An diesem Montag waren es bereits 7000. Und der Widerstand ist eher gering.

In Kassel aber will auch das „Bündnis gegen Rechts“ wiederkommen. Wenn nötig, jede Woche.

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