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Glocken-Geläut Pegida bedroht Christen in Dresden

Anhänger des Pegida-Bündnisses drohen Dresdner Christen die Kehle durchzuschneiden. Sie fühlen sich durch das Läuten der Glocken der Kreuzkirche gestört. Die Polizei ermittelt.

Pegida-Demonstration am 6. April in Dresden. Foto: dpa

Angeblich wollen sie ja das christlich-jüdische Abendland vor der drohenden Islamisierung retten. Behaupten sie jedenfalls, die selbst ernannten „Patriotischen Europäer“ von der Dresdner Pegida-Wutbürgerbewegung. Seit Mitte Oktober ziehen sie stets montags durch die sächsische Landeshauptstadt, mal mehr, mal weniger zornige Menschen im Schlepptau und schimpfen gegen Flüchtlinge, den Islam, die „Kriegstreiberin“ Angela Merkel, die Politik überhaupt, die „Lügenpresse“.

Seit Ostermontag gibt es eine weitere Bedrohung: die Kirchen. Seit 30 Jahren lädt die Dresdner Kreuzkirche in der Altstadt jeden Montag zum Friedensgebet – und zu dem Zwecke läuten ab 16.55 Uhr die Glocken. Das Geläut muss einige der 7000 Pegida-Anhänger, die auf dem nahen Altmarkt zur gleichen Zeit ihre übliche Kundgebung abhielten, dermaßen geärgert haben, dass ihnen das christliche-jüdische Abendland plötzlich nicht mehr wichtig war. Stattdessen marschierten mindestens drei Herrschaften zur Kreuzkirche und bedrohten dort zwei Kirchenmitarbeiter gleich mit dem Tode.

So berichtet es Christian Behr, Superintendent des evangelischen Gotteshauses. Das Pärchen, um die 45 Jahre alt, und eine Frau im beginnenden Rentenalter, hätten Pegida-Fahnen und entsprechende Transparente dabei gehabt und seien eindeutig den Wutbürgern zuzuordnen gewesen. Sie hätten den beiden Kirchenleuten am Portal angedroht, ihnen die Kehlen durchzuschneiden. Offenbar hatten sie das übliche Läuten als kirchlichen Protest fehlgedeutet. Auf ein klärendes Gespräch wollte sich das Trio nicht einlassen, für Erklärungen hatte es keine Ohren. Jetzt ermittelt die Dresdner Polizei.

Alle „Anderen“ sind Freiwild

Die Kirchen in Dresden sind mittlerweile einiges gewohnt, ihre Vertreter wurden beschimpft, weil sie sich um Flüchtlinge kümmern und zu den Hassreden der Pegida-Umzüge und ihren Anführern deutlich auf Abstand gegangen sind.

Aber das jetzt ist eine neue Dimension. Superintendent Behr beobachtet die Demonstrationen der Pegidisten seit längerem mit wachsender Sorge. Auch wenn die Drohung am Montag spontan aus der Situation heraus entstanden sei, sagt er, er habe Angst, dass sich die Bedrohungslage in der Stadt weiter verschärfe. „Das muss Konsequenzen haben“, fordert er. Die Gewaltbereitschaft sei gestiegen, die Schwelle, Drohungen wie die gegen die Kirchenmitarbeiter auszusprechen, sei gesunken. Behr, der auch schon Droh-Mails erhalten hat, glaubt: „Durch die ganzen Pegida-Demonstrationen ist das haus- und hoffähig geworden.“

Landesbischof Jochen Bohl meint: „Das ist nun allerdings ein Vorgang, den ich mir nicht hätte vorstellen können. Ich kann nur hoffen, dass die Täter für ihr Verhalten eine angemessene Strafe erhalten.“ Die Atmosphäre in Dresden habe sich über Wochen wahrnehmbar verändert. Erschreckend sei, dass Bürger wegen ihres Aussehens oder ihrer fremden Sprache von Feindseligkeiten, Übergriffen und Gehässigkeiten berichten, „die sie noch vor kurzem nicht einmal für denkbar gehalten hätten“.

Von Pegida-Chef Lutz Bachmann erwartet Superintendent Behr, dass dieser sich bei der nächsten Demonstration von jeglichen Gewaltäußerungen distanziert. Dazu hätte er schon am nächsten Montag Gelegenheit vor möglicherweise großem Publikum: Pegida erwartet den niederländischen Rechtspopulisten Gert Wilders als Redner – und rechnet mit 30 000 Zuhörern.

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