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NRW-Wahl Röttgens peinliche Wahlkampfpatzer

Norbert Röttgen patzt im Wahlkampf. Erst unterschreibt er eine Zweite-Klasse-Bahnfahrkarte nach Berlin - am Wahlsonntag. Dann kommt er in einem TV-Interview ins Straucheln.

"Bedauerlich", dass nicht die CDU allein entscheidet, wer Ministerpräsident in NRW wird: Norbert Röttgen. Foto: dpa

Es will aber auch wirklich nichts so richtig klappen bei Norbert Röttgen in diesem Wahlkampf: Jetzt hat er auch noch eine Zweite-Klasse-Bahnfahrkarte von Düsseldorf nach Berlin unterschrieben, datiert auf den Wahlabend, Abfahrt 18.53 Uhr. Da kann das Wahlergebnis einigermaßen feststehen.

Ziemlich krakelig ist die Unterschrift mit schwarzem Filzstift. Ein Juso-Mitglied hat ihm den Zettel Anfang der Woche bei einer Veranstaltung in Paderborn unter die Nase gehalten. Röttgen schaute nicht genau hin im Gewühl und unterschrieb. Zumindest behaupten das die Jusos. Sie haben jetzt einen Wahlkampf-Gag, der noch dazu an das Thema erinnert, das die CDU gar nicht gerne anspricht: Die Frage, ob Norbert Röttgen nach einer Wahlniederlage Oppositionsführer in Nordrhein-Westfalen wird oder Bundesumweltminister bleibt – also den Job mit mehr Macht und größeren Karriereaussichten behält. Röttgen hat sich das offengehalten und deswegen auch nach Einschätzung von Parteikollegen ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Das bleibt nicht sein einziger Ausrutscher.

Im Interview mit ZDF Info, sagt Moderatorin Dunja Hayali: "Wenn Sie Landesvorsitzender sind und das Beste für das Land wollen, müssten Sie auch in die Opposition gehen". Auf diese Frage, die Röttgen schon dutzende Male beantworten musste, kommt ihm diesmal die Routineantwort nicht so locker von der Zunge. Er antwortet: "Ja gut, also, müsste ich nicht, sondern ich meine, ich müsste dann eigentlich Ministerpräsident werden. ... Bedauerlicherweise entscheidet nicht alleine die CDU darüber, sondern die Wähler entscheiden darüber."

"Bedauerlicherweise", fragt Moderator Wolf-Christian Ulrich zurück. Darauf erntet der TV-Mann den Applaus des Publikums, Röttgen senkt sein Haupt, schweigt, und nimmt die "Ironie" dann sofort zurück.

Sein Patzer ist ein Anzeichen dafür, wie nervös der CDU-Mann vor dem Wahlsonntag ist.

Seite 2: Röttgen verärgert die CDU-Parteispitze

Das passt zu den Umfragen, die die CDU als Wahlverlierer sehen.

In der Bundes-CDU ist man daher ziemlich verärgert darüber, dass Röttgen die Abstimmung in NRW nun explizit zur Abstimmung über Angela Merkel gemacht hat - zumindest erst einmal. Der CDU-Spitzenkandidat hatte am Dienstag mit Blick auf den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen und der griechischen Parlamentswahlen erklärt, es gebe eine „zugespitzte Situation in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und Europa“.

Bei der Landtagswahl gehe es auch darum, ob der Kurs der Bundeskanzlerin in Europa gestärkt werde, „oder ob er durch eine Bestätigung einer Schuldenregierung auch in Deutschland geschwächt wird“. Kanzlerin Angela Merkel gab über die Ruhr Nachrichten kühl zurück, es handele sich um eine „wichtige Landtagswahl für Nordrhein-Westfalen, nicht mehr und nicht weniger“.

Andere CDU-Leute zeigten sich hinter vorgehaltener Hand schwer verärgert. Schließlich kann die CDU nun am Wahlsonntag eine Niederlage nicht mehr so einfach zum regionalen Ereignis ohne Bedeutung für den Bund erklären. Röttgens Hinweis wurde als Versuch gesehen, von eigenen Fehlern abzulenken.

Der Ärger im Bund hatte Folgen: Am Mittwochabend zog Röttgen seine Äußerungen über ein Interview mit der Zeitung Die Welt halb zurück: Nicht Merkels Kurs in Europa stehe zur Abstimmung in NRW, sondern der Schuldenkurs der SPD. Der allerdings habe Bedeutung über die Landesgrenzen hinaus.

Es ist ein später Rettungsversuch. Für Röttgen geht es auch um seine Position in der CDU – bisher galt er als einer der möglichen, wenngleich nicht als aussichtsreichster Merkel-Nachfolger.

Groll gegen die FDP

Die schwierige Lage der CDU in NRW wird auch daran deutlich, wie stark sich die Partei mittlerweile gegen die FDP abgrenzt, um zu verhindern, dass CDU-Wähler den gebeutelten Liberalen ein paar Mitleidsstimmen geben. Nach der Schleswig-Holstein-Wahl verkündete der Generalsekretär der NRW-CDU, Oliver Wittke, die Liberalen würden in Nordrhein-Westfalen sicher nicht zögern, einer Ampel-Regierung mit SPD und Grünen beizutreten und damit „Steigbügelhalter“ für Rot-Grün werden. Auf diese Weise verenge die CDU ihre Optionen auf die Bildung einer großen Koalition mit der SPD, wird in anderen Landesverbänden kritisiert.

Und auch das Sofortprogramm der CDU haben sich manche aus der eigenen Partei angesehen. Die Aufnahme der Schuldenbremse in die Landesverfassung wird darin angekündigt, eine Anti-Stau-Initiative und schnellerer Kita-Ausbau. Wenig substanziell sei das Ganze, lästern Unionsleute hinter vorgehaltener Hand. Es will auch wirklich nichts so richtig klappen für Norbert Röttgen in diesem Wahlkampf. (mit fle)

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