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Grüne Niedersachsen Ab durch die Mitte

Die Grünen erzielen ihr bislang bestes Ergebnis – und betonen selbstbewusst die eigene Stärke gegenüber der SPD.

Die Grünen können mit Spitzenkandidatin Anja Piel deutlich zulegen. Foto: dpa

Die Grünen erzielen ihr bislang bestes Ergebnis – und betonen selbstbewusst die eigene Stärke gegenüber der SPD.

Die ersten Hochrechnungen sind schon über die Bildschirme geflimmert, als irgend jemand in der Parteizentrale der Grünen in Berlin auf die Idee kommt, Sekt anzubieten. Zwei junge Frauen tragen Tabletts mit Gläsern durch den Raum. Aber kaum jemand mag zugreifen. Dreihundert Kilometer weiter westlich, in Hannover, sind die Dinge gerade in der Schwebe. Deshalb schwankt die Stimmung auf der Wahlparty in Berlin zwischen Frohsinn und Enttäuschung. Den Grünen ist an diesem Abend offenbar nicht nach Sekt zumute.

Dabei hat die Partei hat in Niedersachsen ein sensationelles Ergebnis eingefahren. Es ist das beste Resultat, das sie dort jemals bei einer Landtagswahl erzielen konnte. Die Grünen schneiden zweistellig ab in einem Flächenland, das in weiten Teilen strukturkonservativ ist. Niedersachsen hat viele Bauern, viele Kleinstädter, und Niedersachsen hat VW.

Nachhaltige Landwirtschaft und Energiewende

Die beiden grünen Spitzenkandidaten Anja Piel und Stefan Wenzel haben es dennoch geschafft, bei dieser Wahl ihre Partei mit Themen wie nachhaltiger Landwirtschaft und Energiewende in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Ohne Zweifel profitierten sie auch von der Geschlossenheit und vom Kampfeswillen, die die Grünen im Bund derzeit ausstrahlen. In Hannover setzt sich ihre Siegesserie von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen fort.

Bis in den späten Abend sieht es dennoch so aus, als reiche es nicht für den Machtwechsel. Erinnerungen werden wach an das Jahr 2011, als die Grünen im Land Berlin bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus zwar ebenfalls ein sehr gutes Ergebnis erzielten, am Ende aber mit leeren Händen da standen.

Um kurz vor 23 Uhr jedoch ist die Partei vollkommen aus dem Häuschen. Es reicht doch noch für Rot-Grün. „Jaaaaaa!!!!!!!!!“, twittert Katrin Göring-Eckardt, die grüne Frontfrau für die Bundestagswahl 2013.

Den ganzen Wahlabend über hatten die Verantwortlichen in Hannover und Berlin versucht, größtmöglichen Optimismus auszustrahlen. Die Sprachregelung lautete: Das sensationelle Ergebnis gebe den Grünen kräftig Rückenwind für die Bundestagswahl und zeige, dass der Machtwechsel greifbar nah sei. Das, was CDU und FDP an Stimmen eingebüßt hätten, sei zu den Grünen gewandert.

„Was in Niedersachsen möglich ist, ist auch im Bund möglich“

Als der Abend noch jung ist, ergreift Parteichef Cem Özdemir in der Parteizentrale das Wort. Er sagt eines der beiden Wahlziele, ein dickes Plus bei den Stimmanteilen, hätten die Grünen auf jeden Fall erreicht. Was das andere angehe, die Ablösung von Schwarz-Gelb in Hannover, werde es noch spannend. „Was in Niedersachsen möglich ist, ist auch im Bund möglich“, ruft Özdemir unter dem Applaus der anwesenden Parteimitglieder. Was er nicht erwähnt, ist, dass Rot-Grün vor wenigen Wochen noch einen beträchtlichen Vorsprung in den Umfragen hatte.

Wer genau hinhört, der kann an diesem Abend bei den Grünen abermals gewisse Absetzbewegungen vom Wunsch-Koalitionspartner SPD wahrnehmen. Mit Fassungslosigkeit nahm die Ökopartei in den vergangenen Wochen das Irrlichtern des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zur Kenntnis. Das grüne Führungspersonal verkniff sich jede öffentliche Stellungnahme, um die SPD nicht noch weiter zu schwächen. Stattdessen gab die Partei die Parole aus, dass sie einen eigenständigen Wahlkampf führen werde.

Özdemir sagt an diesem Abend, dass die Sozialdemokraten im Bund in die Puschen kommen müssten. Und er sagt auch: „Wer auf Nummer Sicher gehen will, muss seine Zweitstimme für Bündnis90/ Die Grünen geben.“ Das scheint die Lehre von Hannover zu sein: Wenn Rot-Grün überhaupt eine Chance haben sollte, dann nur mit starken Grünen.

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