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Missbrauch in der Kirche Kirche empört Missbrauchsopfer

Die katholische Kirche will Missbrauchsopfern eine Entschädigung von bis zu 5000 Euro zahlen. Betroffene fühlen sich abgespeist und sprechen von einer „Unverschämtheit“.

02.03.2011 19:30
Wolfgang Wagner
„Es ist schäbig, wie die reichste Kirche der Welt versucht, sich aus der Affäre zu ziehen“, kritisiert die Gruppe Eckiger Tisch. Foto: Frank May/dpa

Die katholische Kirche wird Missbrauchsopfern in der Regel höchstens 5000 Euro Entschädigung zahlen. Die Summe soll je nach Schwere der Tat gestaffelt werden, wie der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, erläuterte. Damit fällt das Angebot niedriger aus als das des Jesuitenordens, der allen Opfern pauschal 5000 Euro zahlen will. Die Jesuiten werden aber offenbar bei dieser Regelung bleiben, wie ein Vertreter des Ordens der FR signalisierte.

Missbrauchsopfer reagierten empört auf die Ankündigung der Bischofskonferenz. „Es ist schäbig, wie die reichste Kirche der Welt versucht, sich aus der Affäre zu ziehen“, sagte der Sprecher der Gruppe Eckiger Tisch, Matthias Katsch, der FR. Die Summe sei eine „Unverschämtheit“. Es gehe offenbar nicht um die Frage, was für die Tat angemessen sei, sondern was sich die Kirche leisten wolle. „Die Täterorganisation legt selbst fest, was ihr die Angelegenheit wert ist.“ Die Bischöfe hätten trotz der Bitte des Eckigen Tischs ? ein Zusammenschluss von Opfern in Einrichtungen der Jesuiten ? nie mit ihnen gesprochen.

Die Kirche hatte ihr Konzept am Mittwoch beim Runden Tisch Kindesmissbrauch vorgelegt und klargemacht, dass sie sich an einem gemeinsamen Entschädigungsfonds aller Institutionen nicht beteiligen will. Den hatte die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann (SPD), erneut gefordert und dafür plädiert, auch familiären Opfern Hilfen zu gewähren. Das Kirchen-Modell lobten Bergmann und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Mit Blick auf den Fonds meinte die Ministerin aber, man könne das eine tun, „sollte aber das Gemeinsame nicht lassen“.

„Wachsende Ungeduld“

Die Bischofskonferenz erklärte, da eine Einigung am Runden Tisch nicht absehbar gewesen sei, wolle die Kirche „schon jetzt eine möglichst schnelle und unbürokratische Hilfe“ anbieten. „Wir verstehen die wachsende Ungeduld der Betroffenen.“ Anträge auf Hilfe können ab dem 10. März an die kirchlichen Missbrauchsbeauftragten der Bistümer und Orden gerichtet werden. Bischof Ackermann unterstrich, eine pauschale Zahlung ? die Kirche von einer „materiellen Leistung in Anerkennung des Leids“ ? solle es nicht geben. Der Fall eines Küsters, der einer Messdienerin an den Busen gefasst habe, solle nicht gleich behandelt werden wie Fälle jahrelanger Vergewaltigung, hieß es.

Jeder Fall werde einzeln geprüft und bewertet. Dies soll eine Koordinierungsstelle bei der Bischofskonferenz aus Juristen, Psychologen und Theologen tun. In besonders schweren Fällen sollen auch „zusätzliche“ Leistungen jenseits der 5000 Euro möglich sein. Zudem können Betroffene Therapien bezahlt bekommen.

Auch wenn Ackermann betonte, die Kirche wolle große Akzeptanz erzielen, ist sie sich des Konfliktpotenzials dieser Lösung offenbar bewusst. So will die Bischofskonferenz die Namen derjenigen nicht nennen, die über die Höhe der Zahlung befinden. Es gebe Befürchtungen, dass sie zum Ziel von Protesten werden könnten. Denn: „Es wird sicher Unzufriedenheiten geben“, so der Bischof. Die gestrige Reaktion von Katsch zeigte, dass solche Ängste berechtigt sind: Der Vertreter des Eckigen Tisches kündigte eine Demonstration von Missbrauchsopfern bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe Mitte März in Paderborn an. „Wir hoffen auf die Solidarität der anständigen Katholiken, die sich für ihre Bischöfe schämen müssen.“

Das Verfahren sieht vor, dass Betroffene, die als Minderjährige missbraucht wurden und deren Ansprüche verjährt sind, in einem Antrag Angaben zu Tat, Täter, Tatzeit und Tathergang machen und diese an Eides statt erklären. Die Koordinierungsstelle prüft ihn und schlägt der Einrichtung eine Summe vor. Die muss sich an die Empfehlung nicht halten. Damit könnten auch die Jesuiten bei ihrer pauschalen Zahlung bleiben. „Unser Konzept liegt im Rahmen“, sagte ein Ordensvertreter.

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