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Daniel Cohn-Bendit "Libertäre Sexualmoral missbraucht"

Im Missbrauchsskandal an der hessischen Odenwaldschule (OSO) meldet sich der Grünen-Politiker zu Wort - und ist empört.

11.03.2010 00:03
Der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit ist empört. Foto: afp

Im Missbrauchsskandal an der hessischen Odenwaldschule (OSO) hat sich nun auch der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit zu Wort gemeldet. Der 64-Jährige, der von 1958 bis 1965 die OSO besuchte, äußerte sich in der Zeit erschüttert darüber, dass "eine libertäre Sexualmoral, die auf Emanzipation angelegt ist, für sexuellen Missbrauch und sexuelle Ausbeutung benutzt wurde". Cohn-Bendit betonte zugleich, eine "repressive Vor-68er-Sexualmoral" habe gesellschaftlich großen Schaden angerichtet. Es sei daher nach wie vor richtig, "den Kindern und Jugendlichen eine eigene Sexualität, einen eigenen Weg zuzugestehen".

Cohn-Bendit nahm auch Stellung zu seinem bereits vor Jahren heftig kritisierten Memoiren-Band "Der große Basar". In dem Buch aus dem Jahr 1975 beschrieb er seine Zeit als Erzieher im Kindergarten der Universität in Frankfurt am Main. Darin heißt es: "Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln. Ich habe je nach den Umständen unterschiedlich reagiert, aber ihr Wunsch stellte mich vor Probleme." Von der Zeit darauf angesprochen, sagte der Grüne: "Das war als Provokation gedacht." Und: "Jede Schrift hat ihre Zeit. Gerade solche Provokationen erweisen sich später als fatal."

Im Magazin Stern äußerte sich derweil auch der ehemalige OSO-Lehrer und langjährige Leiter des Eliteinternats Schloss Salem, Bernhard Bueb, zu den Ereignissen an der Odenwaldschule. Wie Gerold Becker, der den Missbrauchsskandal an der OSO maßgeblich zu verantworten hat, war auch Bueb Assistent des Pädagogik-Nestors Hartmut von Hentig. Dem Stern sagte er, er könne die Vorwürfe gegen Becker "bis heute nicht in Einklang mit der Person bringen, die ich ausschließlich als Freund und fürsorglichen Pädagogen kenne". (ind )

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