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Aufregung in Königstein Schulpfarrer gibt "Sexualkontakte" zu

Ein Pfarrer aus dem Taunus gibt Sexualkontakte mit Jugendlichen zu. Eltern und Lehrer sind besorgt - er war Schulseelsorger in Königstein. Für die Justiz jedoch ist der Fall erledigt. Von Martina Propson-Hauck

11.03.2010 09:03
Martina Propson-Hauck
Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat das Ermittlungsverfahren gegen einen Pfarrer aus dem Hochtaunuskreis eingestellt. Foto: dpa

Ein 48-jähriger Pfarrer aus dem Hochtaunuskreis hat zugegeben, dass er Anfang der 90er Jahre in einer Pfarrei im Westerwald Sexualkontakte mit Jugendlichen und Heranwachsenden hatte. Diese seien "einvernehmlich" zustande gekommen, hat der Beschuldigte zu Protokoll gegeben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Koblenz, ist auf eine Anzeige des Bistums Limburgs hin ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Dies ist bereits zu Wochenbeginn eingestellt worden, weil die Übergriffe bereits Anfang der 90er Jahre stattfanden. Für sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen, so der Straftatbestand, gilt eine Verjährungsfrist von nur fünf Jahren, gerechnet vom 18. Lebensjahr des Opfers an.

Für die Justiz ist der Fall damit erledigt, nicht aber für besorgte Eltern und Pädagogen. Denn der Pfarrer war Schulseelsorger der beiden in katholischer Trägerschaft befindlichen Königsteiner Schulen Sankt Angela und Bischof Neumann.

"Die Schüler sind sprachlos und fassungslos", sagt Darko Heimbring, Leiter der Bischof-Neumann-Schule. Die Kinder und Jugendlichen seien vom mitreißenden Unterricht und den Unternehmungen immer begeistert gewesen. Der heute 48-Jährige war mit Jugendlichen und deren Eltern bis nach Afrika unterwegs.

Sofort nach Bekanntwerden der ersten Verdachtsmomente gegen den Pfarrer hat Heimbring alle Lehrer zu einer Dienstbesprechung versammelt. Niemand habe auch nur Andeutungen oder Verdachtsmomente auf sexuelle Übergriffe in den vergangenen neun Jahren an der Schule gehört.

"Alle Verfehlungen müssen gnadenlos aufgeklärt werden", sagt der Schulleiter, dessen Sohn in der 12. Klasse ebenfalls Unterricht bei dem Pfarrer hatte. Der habe fast einen Tobsuchtsanfall bekommen, als er von den mittlerweile bestätigten Vorwürfen erfahren habe. Er könne sich das überhaupt nicht vorstellen, denn er schätze den Religionslehrer sehr. Heimbring gibt zu bedenken, dass sich ein Mensch in 20 Jahren auch ändern könne. Man müsse ihm eine zweite Chance geben.

Keine Hinweise auf Übrgriffe

Sein Kollege Stefan Zalud von der Sankt-Angela-Schule zeigt sich weniger konziliant. "Ich bin zutiefst enttäuscht, denn die priesterliche Tätigkeit des Mannes fand ich sehr positiv." Bei sexuellem Missbrauch gebe es keinerlei Gnade, sagt der Vater zweier Kinder. Heute werden von ihm alle besorgten Eltern per Brief über den Sachverhalt informiert. In dem Brief wird auch stehen, dass es bislang an der Sankt Angela-Schule keinerlei Hinweise auf Übergriffe oder auch nur die geringsten Verdachtsmomente gegeben habe.

Trotzdem weist er in dem Schreiben auf das Angebot zu Gesprächen für die 1100 Schülerinnen hin: Der Schule steht eine psychosoziale Betreuerin zur Verfügung. Zudem ist die Nummer des Missbrauchsbeauftragten des Bistums Limburg und die von Elternbeiräten und dem Schulleiter genannt. Wenn es in den nächsten Tagen und Wochen irgendeinen Hinweis gäbe, werde er dem konsequent nachgehen, sagte Zalud der FR.

Für ihn ist die Verjährung eine willkürliche juristische Festlegung, die in anderen Ländern auch anders gehandhabt werde. Im juristischen Sinne sei der Pfarrer jetzt zwar nicht mehr schuldig, de facto aber eben doch. Eine dauerhafte Suspendierung vom Dienst in jedweder pädagogischer Einrichtung mit Schutzbefohlenen nötig.Unter der Telefonnummer des Missbrauchsbeauftragten des Bistums Limburg (06182/825125) war gestern bis Redaktionsschluss allertdings nur eine Mailbox geschaltet.

Das Bistum Limburg hatte noch vor zwei Wochen vehement bestritten, dass es in seiner Zuständigkeit Missbrauchsfälle gegeben habe. Ein Schlaglicht war auf den 48-Jährigen gefallen, als das Bistum am 26. Februar mitteilte, er könne seinen Dienst als leitender Pfarrer für acht Gemeinden in Oberursel und Steinbach wegen einer psychischen Erkrankung und eines "schmerzhaften Prozesses", der bei ihm aufgebrochen sei, nicht antreten. Diese Mitteilung wurde am Sonntag danach in allen betroffenen Gemeinden verlesen.

Gegenwärtig ist der Pfarrer vom Dienst suspendiert und in psychiatrischer Behandlung.

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