Lade Inhalte...

Nordkorea Nordkorea: "Kriegszustand" mit Südkorea

Nordkorea ist nach eigenen Angaben in den Kriegszustand mit Südkorea eingetreten. Alle Angelegenheiten zwischen beiden Ländern würden ab sofort entsprechend behandelt, hieß es in den Staatsmedien. Doch ernsthaftes Interesse an einem Krieg kann das verarmte Land kaum haben.

Kim studiert angeblich die Angriffspläne. Foto: afp

Nordkorea befindet sich nach eigenen Angaben mit dem Nachbarland Südkorea im „Kriegszustand“. Die Partei, Ministerien und andere Institutionen würden alle Angelegenheiten zwischen beiden Ländern ab sofort gemäß des „Kriegsprotokolls“ behandeln, hieß es am Samstag in einer offiziellen Erklärung des kommunistischen Landes. Das Militär warte auf weitere Befehle von Machthaber Kim Jong Un. Kim hatte am Freitag laut Staatsmedien den Befehl erteilt, die strategischen Raketen für Angriffe gegen die USA und Südkorea abschussbereit zu machen. Nordkorea reagierte damit auf Übungsflüge von zwei Tarnkappenbombern der US-Luftwaffe über Südkorea.

Seit Tagen veröffentlicht Pjöngjangs offizielle Nachrichtenagentur KCNA Fotos, die Diktator Kim Jong Un bei Truppenbesuchen zeigen. Sie sollen dem Ausland offenbar Angst machen, bieten in Wahrheit aber unfreiwillige Einblicke in Nordkoreas Rückständigkeit. Mal winkt der 30-Jährige von einem klapprigen Holzkahn, der von Soldaten mühsam ins Wasser geschoben wird. Ein andermal lässt er sich einen Blechverschlag vorführen, der ein Gefechtsstand sein soll.

Am Freitag ließ Kim sich in Feldherrenpose ablichten: An einem großen Tisch sitzend und von hochdekorierten Militärs umgeben, blättert er in Papieren und Karten. Angeblich soll es sich um Angriffspläne auf die USA handeln. Zu Kims Arbeitsgeräten gehören ein riesiger Aschenbecher und ein Apple-Computer der vor-vorletzten Generation.

Angst vor einem Nordkorea außer Kontrolle

Es ist gerade die eklatante Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die bei westlichen Strategen Sorgen schürt, Nordkoreas Drohgebaren könne außer Kontrolle geraten und tatsächlich zum Krieg führen. Am Freitag kündigte Pjöngjang an, Kim habe seinen Generälen in einer nächtlichen Sitzung befohlen, Raketen für einen Angriff auf die USA fertigzumachen. Es sei an der Zeit „mit den US-Imperialisten abzurechnen“, hieß es in der Mitteilung. Als Ziele wurden das amerikanische Festland sowie US-Militärbasen auf Hawaii, Guam und in Südkorea genannt. Als realistisch gilt zwar nur ein Angriff auf südkoreanische Ziele. Doch in dem dicht besiedelten Nachbarstaat, dessen Hauptstadt Seoul nur 50 Kilometer von der Grenze entfernt ist, könnte Kims Armee schwere Zerstörung anrichten.

Kims jüngste Drohung war die Reaktion auf den Einsatz von zwei US-Tarnkappenbombern, die am Donnerstag von ihrem Stützpunkt im Bundesstaat Missouri nach Südkorea geflogen waren, um dort Washingtons militärische Stärke zu demonstrieren. Dem vorangegangen war wiederum Pjöngjangs Ankündigung vom Dienstag, seine Armee in Alarmbereitschaft zu versetzen und einen atomaren Erstschlag gegen die USA zu erwägen.

Nordkorea kann keinen Krieg wollen

Der Schlagabtausch auf der koreanischen Halbinsel eskaliert seit Ende vergangenen Jahres. Im Dezember hatte Nordkorea eine Langstreckenrakete und im Februar eine Atombombe getestet. Der Uno-Sicherheitsrat reagierte mit Sanktionen, was wiederum zu neuen Provokationen des Nordens führte. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel erklärte, man nehme die Drohungen sehr ernst. Außenminister John Kerry will übernächste Woche in Seoul, Tokio und Peking über das Thema beraten.

Auch Nordkoreas Nachbarn betrachten die Situation mit wachsender Sorge. Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte, „die Lage könnte leicht außer Kontrolle geraten“. China, Nordkoreas engster Verbündeter, mahnt ebenfalls seit Wochen ein Ende der Eskalation an. Allerdings scheint Peking neuerdings mehr Druck auf den Pjöngjang auszuüben.

Obwohl ein Ende des Eskalation bisher nicht in Sicht ist, sind sich Experten einig, dass Nordkorea kein Interesse an einem Krieg haben kann. Zwar hat sich das Land nach drei Atombombentests de facto in die Liga der Atomstaaten eingereiht. Doch bisher verfügt Nordkorea weder über einsatzfähige Sprengköpfe noch über geeignete Trägerraketen, um den angedrohten Erstschlag auf die USA auszuführen. Realistisch ist allerdings der Einsatz einer sogenannten „dirty bomb“, bei der eine herkömmliche Granate mit radioaktivem Material angereichert wird. (mit dpa)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Nordkorea

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen