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Nordkorea Kims neuer Atom-Test

Bisher wurde Kim Jong Un als politischer Paradiesvogel belächelt. Jetzt hat er gezeigt, dass er der Sohn seines verstorbenen Vaters ist und nicht der erhoffte Reformer. Pjöngjang setzt auf Konfrontation.

Die dritte Generation: Kim Jong Un führt Nordkorea seit Dezember 2011. Foto: afp/Ed Jones

Wirklich ernst hat die Welt Kim Jong Un bisher nicht genommen. In der internationalen Presse tauchte Nordkoreas 30-jähriger Jungdiktator bisher vor allem als politischer Paradiesvogel auf: Man belächelte seine Statur und Frisur, amüsierte sich über seine Vorliebe für Vergnügungsparks und Mickey Mouse, und freute sich über Bilder seiner eleganten Frau, mit der er so verliebt wirkte. Einen altstalinistischen Tyrannen stellt man sich anders vor.

Seit Dienstag scheint jedoch klar, dass Kim Jong Un nicht der erhoffte Reformer ist, der Nordkorea aus der Isolation und Armut führen will, sondern vor allem der Sohn seines 2011 verstorbenen Vaters Kim Jong Il, der Atombomben zur wichtigsten Stütze des Regimes machte.

Neue Drohungen

Nach Angaben der offiziellen Nachrichtenagentur KCNA soll es sich um einen miniaturisierten Sprengsatz gehandelt haben, ein Zeichen dafür, dass Nordkorea einen Sprengkopf zu entwickeln versucht, der sich auf eine Rakete montieren lässt. Pjöngjangs Bedrohungspotenzial nimmt damit zu. Im Dezember hatte Kim bereits eine Interkontinentalrakete mit einer Reichweite von 10.000 Kilometern erfolgreich testen lassen. Damit könnten Ziele in Nordamerika, Asien oder Europa unter Beschuss genommen werden.

Mit dem Atomtest scheint Nordkorea insbesondere die Aufmerksamkeit der USA erregen zu wollen. Offenbar erhofft man sich in Pjöngjang neue Verhandlungen über Sicherheitszugeständnisse und Hilfslieferungen. Schon im Januar hatte Nordkorea erklärt, auf Washingtons Feindseligkeit mit einem neuen Atomtest reagieren zu wollen. Dass Kims Ankündigung am Vorabend der „Rede zur Lage der Nation“ umsetzte, in der US-Präsident Barack Obama einen deutlichen Abbau des Atomarsenals ankündigen will, ist sicher kein Zufall.

An die Meldung des erfolgreichen Tests schloss Pjöngjang prompt neue Drohungen an: Sollten die USA Nordkorea weiterhin unfreundlich gegenüberstehen, habe man „keine andere Wahl, als in einem zweiten oder dritten Schritt noch härtere Aktionen durchzuführen“, hieß es in einer Mitteilung von der Nachrichtenagentur KCNA. „Die Rechnungen mit den USA müssen mit Macht, nicht mit Worten beglichen werden.“

Der Test rief weltweit Empörung hervor. Rufe nach weiteren Sanktionen gegen das Regime in Pjöngjang wurden laut. Doch erst Ende Januar hatte der UN-Sicherheitsrat als Reaktion auf den Raketentest im Dezember Resolution 2087 verabschiedet. Die nach den Atomtests 2006 und 2009 verhängten Sanktionen wurden damit noch einmal verschärft.

Internationale Nuklearexperten werden in den kommenden Tagen zu ermitteln versuchen, was für ein Sprengsatz genau getestet wurde. Radioaktive Isotope in der Atmosphäre dürften Rückschlüsse darüber zulassen, ob es sich wie bei den ersten beiden Versuchen um eine Plutonium-, oder erstmals um eine Uranbombe handelt.

Eine Uranbombe wäre ein Zeichen für große Fortschritte der nordkoreanischen Atomphysiker. 2010 hatte das Land Arbeiten an einem Urananreicherungsprogramm bekannt gemacht. Da Nordkorea über große Uranvorkommen verfügt, könnte es damit ein beachtliches Arsenal aufbauen.

Interne Propaganda

Das politisch isolierte und wirtschaftlich desolate Nordkorea arbeitet seit den 1970er-Jahren an der Entwicklung von Atombomben. In den 1990er-Jahren begann der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il, seine Nachbarn mit nuklearen Drohungen einzuschüchtern. So verhinderte er Einmischungen in seine internen Angelegenheiten und eine Unterwanderung seines Regimes.

Gleichzeitig dienen die Bomben und Raketen der internen Propaganda – andere Erfolge kann Pjöngjang seinem Volk nicht melden. Zwar gibt es neuerdings Anzeichen, dass in Nordkorea auch über wirtschaftliche Reformen nachgedacht wird. Doch der Test vom Dienstag zeigt, dass für Kim Jong?Un die Aufrechterhaltung der bestehenden Strukturen Vorrang hat.

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