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Iranisches Atomprogramm Netanjahu redet sich in den Krieg

Israels Premier Benjamin Netanjahu bereitet die Welt auf einen Krieg gegen Iran vor: In einer Rede in Washington zieht er Parallelen zu Hitler-Deutschland und malt aus, welche Folge eine Atombombe in den Händen der Mullahs hätte.

Der Hardliner Netanjahu will nicht mehr warten. Foto: dpa

Vor einem möglichen Angriff auf Iran verschärft Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu seine Rhetorik.

„Als Ministerpräsident Israels werde ich mein Volk nicht im Schatten der Vernichtung leben lassen“, sagt er in einer emotionalen Rede vor der israelfreundlichen Lobbyorganisation AIPAC in Washington.

Israel habe darauf gewartet, dass diplomatische Bemühungen und die Sanktionen gegen den Iran Land Wirkung zeigten.

„Niemand von uns kann es sich erlauben, viel länger zu warten“, droht Netanjahu. Er sagte zwar, er werde nicht darüber reden, was Israel tun werde oder nicht. Trotzdem war die Botschaft zwischen den Zeilen eindeutig: Wenn nicht schnell etwas passiert, greifen wir die iranischen Atomanlagen an.

Netanjahu malt die Folgen aus

Detailliert malt er aus, welche Folgen eine Atombombe in den Händen der Mullahs hätte. Abgesehen von der Gefahr eines nuklearen Angriffs könnte Iran die Bombe auch als Sicherheit nutzen, um andere Länder wie Israel oder die USA mit konventionellen Waffen anzugreifen.

Iran würde noch rücksichtsloser und viel gefährlicher agieren, sagte er. „Stellen Sie sich vor, wie hoch die Ölpreise steigen könnten, wenn ein nuklear bewaffneter Iran anfängt, die Welt zu erpressen“, sagte er und beschrieb, mit welcher Brutalität das Land jetzt schon vorgeht, die Steinigungen, die Förderung von Terrorgruppen wie der Hisbollah.

Netanjahus Auftritt folgt dem Schema einer Kriegsrede: Verteufelung des Gegners, Angstmache – und die Ankündigung des Auswegs. „Ich verspreche: Als Premierminister werde ich niemals mit der Sicherheit Israels spielen“, sagt er, und die Gäste applaudierten.

Auch auf den Holocaust kommt der israelische Premier zu sprechen. Er bringt das Beispiel, dass der amerikanische Kongress die Luftangriffe aus das Vernichtungslager in Auschwitz 1944 ablehnte, weil der möglicherweise zu Racheakten geführt hätte. „Denken Sie darüber nach“, mahnt Netanjahu.

Vergleich mit Nazi-Deutschland

Es ist nicht das erste Mal, dass Netanjahu Irans Führungmit dem Hitler-Regime vergleicht.Tatsächlich drohten sowohl Irans Präsident Ahmadinedschad als auch Hitler damit, Israel beziehungsweise die Juden auszulöschen.
Hitler setzte seine Drohungen in die Tat um, bei Ahmadinedschad steht nicht fest, wie ernst er sie meint.

Netanjahu nimmt sie wörtlich – was ihn gedanklich dazu führt, dass Israel seine militärische Stärke nutzen muss, um einen zweiten Holocaust zu verhindern.

Ob er tatsächlich in den Krieg zieht, ist dennoch nicht sicher: In der israelischen Regierung gibt es viele, die den Erfolg eines Angriffs bezweifeln, und sie haben dafür gute Gründe. Auch wenn Israel "nur" iranische Atomanlagen bombardieren würde, wäre unklar, mit welcher Gegenwehr sie rechnen müssten. Die US-amerikanische Regierung lehnt einen Angriff ab, auch wenn US-Präsident Barack Obama das in Zeiten des Wahlkampfesnicht allzu laut sagt. Zu groß ist der Einfluss der israelfreundlichen Rechten.

Durch seine Rhetorik manövriert sich Netanjahu nun allerdings immer mehr in die Lage, angreifen zu müssen; mit jeder Drohung steigt auch der Druck, den Worten Taten folgen zu lassen. Am Ende könnte so paradoxerweise ein Krieg stehen, den keiner will, sagt der Iran-Kenner David Menashri.

Mit einem Auge schielt der israelische Premier wohl auch auf die israelischen Parlamentswahlen im nächsten Jahr, mit der Zerstörung der iranischen Atomanlagen könnte er da bei vielen punkten. Das ist hoffentlich nicht die Grundlage für seine Entscheidungen.
(mit afp)

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